Von der Fabrik ins Wohnzimmer
Die Robotik-Revolution nimmt Fahrt auf – und Anleger wittern Chancen
Humanoide Roboter stehen laut Investoren vor dem Durchbruch. Experten erwarten einen Milliardenmarkt, der Industrie und Dienstleistungen grundlegend verändert.
- Humanoide Roboter: Milliardenmarkt bis 2035
- China dominiert Installationen und senkt Kosten
- Roboter mildern Fachkräftemangel und helfen Pflege
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Humanoide Roboter entwickeln sich nach Einschätzung von Investoren und Analysten zu einem der größten Wachstumsmärkte der kommenden Jahre. Während die Branche heute noch vergleichsweise klein ist, rechnen Experten mit einer explosionsartigen Expansion bis Mitte des nächsten Jahrzehnts.
Die Barclays-Analystin Zornitza Todorova sieht die Entwicklung bereits in vollem Gange. Im Gespräch mit CNBC erklärte sie: "Es ist das Jahrzehnt der Roboter." Der Markt für humanoide Roboter habe aktuell ein Volumen von lediglich 2 bis 3 Milliarden US-Dollar. Bis 2035 könnte er jedoch auf 200 Milliarden US-Dollar anwachsen.
Arbeitskräftemangel treibt die Entwicklung
Laut einer aktuellen Studie von Barclays sollen humanoide Roboter vor allem dort eingesetzt werden, wo Arbeitskräfte fehlen. Alternde Gesellschaften, Urbanisierung und veränderte Berufswünsche erschweren die Besetzung vieler körperlich anspruchsvoller Tätigkeiten.
Bereits heute übernehmen die Maschinen einfache Aufgaben in Fabriken und Logistikzentren. "Sie übernehmen einfache, klar definierte Aufgaben wie das Heben von Kisten oder das Aufnehmen von Gegenständen vom Fließband und helfen so dabei, Stellen zu besetzen, für die es nicht allzu viele Menschen gibt, die diese Arbeiten verrichten können", sagte Todorova gegenüber CNBC.
Gleichzeitig stehe die Technologie erst am Anfang ihrer Entwicklung. "Ich glaube, wir stehen an der Schwelle zu einem Wandel", betonte die Analystin. Bislang kratze die Branche lediglich an der Oberfläche dessen, was humanoide Roboter künftig leisten könnten.
Zweite Wachstumswelle ab 2030 erwartet
Barclays rechnet mit zwei großen Einführungsphasen. Bis 2030 sollen Roboter vor allem in Industrie, Logistik, Landwirtschaft und Bauwesen eingesetzt werden. Danach könnten sie verstärkt in Gesundheitswesen, Altenpflege, Bildung und Gastgewerbe zum Einsatz kommen.
Besonders groß sei das Potenzial im Dienstleistungssektor. Dort werde ein erheblicher Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung in westlichen Volkswirtschaften erzeugt.
China setzt sich an die Spitze
Eine Schlüsselrolle spielt dabei China. Laut Barclays installiert das Land rund die Hälfte aller Industrieroboter weltweit. Zudem entfielen im vergangenen Jahr 85 Prozent aller Installationen humanoider Roboter auf China.
Die Produktion erfolgt dort deutlich günstiger als bei westlichen Wettbewerbern. Barclays zufolge liegen die Kosten häufig bei rund 50.000 US-Dollar pro Roboter.
Auch Dan Ives von Wedbush Securities sieht in humanoiden Robotern eine der größten Chancen der KI-Revolution. Gegenüber CNBC verwies er auf die Bedeutung für Tesla: "Dies ist die goldene Gans für physische KI und unterstreicht Teslas große Vision für Optimus."
Ives sieht China derzeit als Vorreiter. "Wir sehen China derzeit als klaren Vorreiter auf diesem Gebiet. Die USA versuchen, aufzuholen", sagte er CNBC.
Anleger positionieren sich frühzeitig
Für Fondsmanager Jason Pidcock von Jupiter steht fest, dass Robotik den Alltag in den kommenden Jahren grundlegend verändern wird. "In zehn Jahren wird es überall humanoide Roboter geben", sagte er. Viele Menschen würden dann selbst einen Roboter besitzen oder jemanden kennen, der einen nutzt. Fabriken, Behörden und Streitkräfte würden zunehmend auf die Technologie setzen.
Pidcock erwartet erhebliche Produktivitätssteigerungen und sieht insbesondere asiatische Unternehmen als Profiteure. Deshalb investiert sein Fonds gezielt in Technologiekonzerne aus der Region.
Auch Wedbush-Analyst Ives spricht von einer der größten Chancen der Künstlichen-Intelligenz-Revolution. Humanoide Roboter könnten sich zu einem Markt entwickeln, der in den kommenden Jahren ein Volumen von mehreren Billionen US-Dollar erreicht. Gleichzeitig warnt er vor möglichen Risiken. Industrie und Regierungen müssten den Einsatz der Technologie sorgfältig begleiten.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

