Zu viel USA im Depot?
Ist das der erste echte Welt-ETF? BIP statt heiße Börsenluft!
Klassische Welt-ETFs wirken breit gestreut. Doch oft dominieren USA und Big Tech. Ein neuer BIP-Welt-ETF dreht die Gewichtung radikal um: Länder werden nach Wirtschaftsleistung statt Börsenwert gewichtet.
Viele Anleger glauben, mit einem breit gestreuten ETF wie dem MSCI World hätten sie den gesamten weltweiten Aktienmarkt im Depot. Ein Blick in das Basisinformationsblatt kann jedoch ernüchternd sein. In klassischen globalen Indizes dominieren die USA und einige wenige große Technologiekonzerne. So kann sich schnell ein verstecktes Klumpenrisiko ergeben. Selbst deutlich breiter gestreute ETFs wie der iShares MSCI ACWI weisen mit rund 63 Prozent eine hohe US-Lastigkeit auf.
Genau hier setzt Amundi mit dem neuen Amundi FTSE All World GDP-Weighted UCITS ETF an. Der ETF gewichtet Länder nicht nach Börsenwert, sondern nach Wirtschaftsleistung. Das verändert alles: China steigt laut extraETF von 0,00 Prozent im MSCI World auf 15,60 Prozent, Indien von 0,00 Prozent auf über 3,6 Prozent. Die USA fallen dagegen von fast 62 Prozent auf nur noch 31,84 Prozent. Und: Deutschland landet mit 4,63 Prozent auf Platz drei der Länder-Allokation des Amundi FTSE All World GDP-Weighted.
"Das aktuelle Marktumfeld lässt es ratsam erscheinen, dass Anleger ihre Portfolios widerstandsfähiger und diversifizierter ausrichten", erklärt Benoit Sorel, Leiter des Geschäftsfelds ETF & Indexing bei Amundi. Und weiter: "Als innovativer ETF-Anbieter freuen wir uns, diese neuen ETFs zu listen. Mit diesen können Anleger langfristig vom globalen Wachstum profitieren, indem sie die wirtschaftliche Bedeutung jeder Region stärker berücksichtigen und die Diversifizierung durch eine ausgewogene geografische Allokation erweitern."
Für Anleger ist das mehr als eine technische Spielerei mit Indizes. Wer Angst hat, zu stark von Nvidia, Apple, Microsoft und Amazon abhängig zu sein, erhält mit diesem ETF erstmals eine einfache Lösung gegen die US-Dominanz. Auch der Tech-Anteil sinkt deutlich – von gut 26 Prozent im MSCI World auf 19,32 Prozent. Dafür machen Finanzwerte mit 21,62 Prozent den größten Anteil in der Branchenaufteilung.
Der Clou: Was viele Anleger bisher mühsam selbst mit 70/30-Portfolios (70 Prozent MSCI World und 30 Prozent MSCI Emerging Markets) aufgebaut haben, ist nun in einem einzigen Produkt enthalten.
Ganz ohne Haken ist dieser Ansatz jedoch nicht. In den vergangenen Jahren hätte diese Strategie schlechter abgeschnitten als klassische Weltindizes, da gerade der US-Technologiebereich die Märkte nach oben zog. Zudem liegt die Gesamtkostenquote bei 0,30 Prozent und damit über der von günstigen Standard-Welt-ETFs.
Fazit: Wer weiterhin an die Dominanz der US-Tech-Giganten glaubt, bleibt beim klassischen Welt-ETF. Wer sein Depot hingegen breiter nach Weltwirtschaft statt Börsenwert aufstellen will, sollte diesen neuen Ansatz kennen.
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

