Gold für 42 US-Dollar
Billionen verschenkt: USA bewerten ihr Gold viel zu niedrig
Die USA verbuchen den größten Goldschatz der Welt in Fort Knox mit einem Preis von lächerlichen 42,22 US-Dollar je Unze. Wie kann das sein?
- US bewertet Gold seit 1973 mit 42,22 USD Bilanzwert
- Marktpreis ca 4500 USD je Unze Wert 1,18 Bio USD
- Neubewertung wäre Bilanzkosmetik und riskant
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Der Goldpreis hat in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Anstieg verzeichnet und liegt auch für 2026 leicht im Plus bei rund 4.500 US-Dollar je Unze. Vor dem Hintergrund steigender Staatsverschuldung, geopolitischer Unsicherheiten und anhaltender Debatten über die Stabilität des internationalen Finanzsystems rückt auch die Rolle der staatlichen Goldreserven wieder stärker in den Fokus.
Dabei fällt ein bemerkenswerter Umstand auf: Die Vereinigten Staaten bewerten ihre offiziellen Goldbestände in der Staatsbilanz weiterhin mit lediglich 42,22 US-Dollar je Feinunze. Dieser Wert ist völlig abgekoppelt vom aktuellen Marktpreis. Nur warum?
Der Betrag von 42,22 US-Dollar je Feinunze geht auf gesetzliche Regelungen aus den frühen 1970er Jahren zurück. Nachdem US-Präsident Richard Nixon 1971 die Goldbindung des US-Dollars aufgehoben hatte, wurde der offizielle Goldpreis 1973 letztmals angepasst. Seitdem blieb der Bilanzwert unverändert.
Die Vereinigten Staaten verfügen nach offiziellen Angaben über rund 261,5 Millionen Feinunzen Gold, die überwiegend in Fort Knox, West Point und den Tresoren der Federal Reserve Bank of New York lagern. In der Bilanz des US-Finanzministeriums erscheinen diese Bestände dadurch mit einem Wert von rund 11 Milliarden US-Dollar. Würde derselbe Goldbestand zum aktuellen Marktpreis bewertet, ergäbe sich dagegen ein Wert von etwa 1,177 Billion US-Dollar. Das ist mehr als das Hundertfache des Bilanzwerts.
In den vergangenen Jahren haben Politiker und Unternehmer immer wieder eine stärkere Transparenz über die amerikanischen Goldreserven gefordert. US-Präsident Donald Trump und Elon Musk machten im Rahmen der DOGE-Initiative Druck und forderten eine öffentliche, unabhängige Prüfung der Bestände. Der neu vereidigte US-Finanzminister Scott Bessent blockte die Forderungen jedoch umgehend ab und erklärte, die internen Prüfungen reichten völlig aus.
Tatsächlich stellt sich die Frage, was mit einer solche Prüfung bezweckt werden soll. Denn solange das System im Normalbetrieb läuft, basiert das Vertrauen in den US-Dollar längst nicht mehr auf Gold, sondern auf der Steuerkraft der US-Bürger, der militärischen Dominanz und dem Status des Petrodollars. Eine Prüfung würde den Status quo lediglich bestätigen. Gefährlich für das weltweite Finanzsystem würde es nur dann, wenn die Tresore leer wären – ein solcher Schock würde weltweit Wellen schlagen und könnte im schlimmsten Fall eine Hyperinflation des US-Dollars auslösen.
Gleichzeitig würde Deutschland zum Land mit den weltgrößten Goldbeständen aufsteigen. Aktuell verwaltet die Bundesbank etwa 107,7 Millionen Feinunzen Gold. Auf den plätzen drei und vier folgen Italien und Frankreich.
Doch warum weigert sich das US-Finanzministerium so beharrlich, die Bilanz auf den aktuellen Marktwert umzustellen? Schließlich würde eine Korrektur auf 1,18 Billionen US-Dollar das Verhältnis von Staatsvermögen zu den astronomischen Staatsschulden (über 34 Billionen US-Dollar) zumindest optisch aufbessern.
Die Antwort liegt vor allem in den geltenden gesetzlichen Regelungen. Die Goldreserven dienen nicht als frei verfügbares Vermögensobjekt, sondern sind Teil der offiziellen Währungsreserven der Vereinigten Staaten. Eine Neubewertung würde eine Änderung bestehender Gesetze und eine Anpassung der Bilanzierungsregeln erfordern.
Dennoch gibt es immer wieder Forderungen, die Reserven neu zu bewerten und den höheren Marktwert dann zu nutzen, um neue Goldzertifikate auszugeben, die von der Federal Reserve erworben würden. Die Fed würde der Regierung so über Nacht hunderte Milliarden US-Dollar an frischer Liquidität auf das Girokonto buchen. Der Clou für die Politik: Dieses Geld würde rechtlich nicht als neue Schulden zählen – ein eleganter Notausgang, um das ständige Drama rund um die US-Schuldenobergrenze auszuhebeln.
Dass die Fed und das Finanzministerium diesen Schritt verweigern, hat einen triftigen Grund: Es wäre reine Bilanzkosmetik mit weitreichenden Folgen. Zwar lassen sich Schulden auf dem Papier schönrechnen, real abbezahlen lassen sie sich so nicht. Würde die US-Regierung diese via Buchungstrick generierten Milliarden in den Wirtschaftskreislauf schleusen, um zum Beispiel fällige Staatsanleihen zu bedienen, würde sie massenhaft Geld aus dem Nichts erschaffen, dem keine reale Wirtschaftsleistung gegenübersteht. Das würde Fragen nach der langfristigen Stabilität des Währungs- und Finanzsystems aufwerfen. Die Folge wäre ein massiver Vertrauensverlust der globalen Gläubiger und eine dramatische Entwertung der Währung.
Fazit
Die Bewertung der amerikanischen Goldreserven zu 42,22 US-Dollar je Feinunze ist weniger ein Geheimnis als vielmehr ein historisches Relikt aus der Zeit nach dem Ende des Goldstandards. Die enorme Differenz zwischen Buchwert und Marktwert verdeutlicht allerdings, wie stark sich der Goldpreis in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat. Ob die Vereinigten Staaten ihre Goldbestände eines Tages neu bewerten werden, bleibt offen. Sollten sie es aber tatsächlich tun, könnte dies enorme Auswirkungen haben.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


