Anleger sind alarmiert
Ölpreis erreicht Wendepunkt: Warum sich bei Brent-Öl ein Preisbeben ankündigt
Steigt Brent-Öl noch einmal in Richtung 115 US-Dollar oder war die jüngste Erholung nur ein letztes Aufbäumen, ehe der Ölpreis in den Keller rauschen wird? Anleger sind ob der brisanten Situation alarmiert.
- Volatile Brent-Range zwischen 90 und 115 US-Dollar
- Brent-WTI-Spread normalisiert, WTI durch Lagerfall
- Risiko auf starke Ölbewegungen bis 70 oder 150
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Ölpreisentwicklung aktuell – Der Druck im Kessel steigt gewaltig
In den letzten Wochen war am Ölmarkt ein munteres Auf und Ab zu beobachten. Jede Zuspitzung der Situation im Nahen Osten jagte die Ölpreise hoch. Zwischenzeitlich notierten Brent-Öl und WTI-Öl dreistellig. Gleichzeitig sorgte jede (vermeintliche) Entspannung für deutliche Preisrückgänge bei Öl. Im Chart von Brent-Öl manifestiert sich die Situation in einer volatilen Seitwärtsbewegung in den Grenzen 115 US-Dollar bis 90 US-Dollar. Durch das dynamische Auf und Ab steigt der Druck im Kessel gewaltig – wehe, eine der Begrenzungen gibt jetzt nach.
In den nächsten Tagen könnte die untere Begrenzung der Range – also der Preisbereich von 90+ US-Dollar – verstärkt in den Fokus und so unter Druck geraten.
Spread zwischen Brent-Öl und WTI-Öl verringert sich
Die Entwicklungen im Iran-Krieg führten in den letzten Wochen zu mitunter dramatischen Spreads zwischen Brent-Öl und WTI-Öl. So war Brent-Öl aufgrund von Risikoaufschlägen zeitweise um weit mehr als 10 US-Dollar teurer – normal sind 2 bis 4 US-Dollar. Zuletzt glichen sich die Ölpreise einander wieder an. Der Spread erreicht aktuell wieder „Normalniveau“. Nun könnte man an dieser Stelle natürlich argumentieren, dass die Risikoprämie bei Brent-Öl schwindet und der Markt trotz aller Rückschläge auf eine Entspannung setzt. Das würde in das Szenario einer anhaltenden Preiskorrektur bei Brent-Öl passen. Doch der Wind könnte auch aus einer ganz anderen Ecke wehen. WTI-Öl weist derzeit ein starkes Momentum auf, das nicht zuletzt durch deutlich sinkende US-Rohöllagerbestände getrieben ist.
US-Rohöllagerbestände sinken deutlich
Die aktuellen Daten zur Entwicklung der US-Rohöllagerbestände in der Woche zum 29. Mai stützen die Theorie des „WTI-Momentums“. Die Bestände sanken in der Berichtswoche um satte 8,0 Mio. Barrel auf nunmehr 433,7 Mio. Barrel. Damit liegen die Bestände mittlerweile 3 Prozent unter dem saisonalen 5-Jahres-Durchschnitt. Zum Vergleich: Zum Zeitpunkt der letzten Betrachtung vor zwei Wochen lagen die Bestände nur 2 Prozent unter dem saisonalen 5-Jahres-Durchschnitt.
Ölpreis Prognose - Warum sich bei Brent-Öl ein Preisbeben ankündigt
Ölmarkt und Pulverfass ist in diesen Tagen ein vielbemühter Vergleich. Auch wenn er etwas abgedroschen klingen mag, trifft er im Kern zu. Die Lage ist von enormer Nervosität geprägt. Jederzeit muss mit dynamischen Preisbewegungen gerechnet werden. Und das nächste Preisbeben kündigt sich bereits an – Sollte Brent-Öl über eine der beiden genannten Begrenzungen die seit Wochen intakte Handelsspanne verlassen, könnte das gewaltige Bewegungen provozieren. Aktuell steht die untere Begrenzung im Bereich von 90 US-Dollar im Fokus. Sollte es darunter gehen, könnte es für den Ölpreis rasch auf 80 US-Dollar oder gar 70 US-Dollar gehen. Allerdings hat die jüngere Vergangenheit gelehrt, dass das Eskalationspotenzial im Nahen Osten jederzeit aktiviert werden kann, sodass selbst eine Bewegung auf 150 US-Dollar Stand heute nicht kategorisch auszuschließen ist.
Aufgrund der Ambivalenz der Konstellation ist das Risiko, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, derzeit außerordentlich hoch.
Autor: Marcel Torney, freier Redakteur, Rohstoffexperte
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