Schlechteste Aktien der Welt
Indonesiens Kollaps an den Märkten ist erst der Anfang
Der aktuell schlechteste Aktienmarkt der Welt befindet sich im freien Fall: Wie Verstaatlichung, Korruption und der Verlust der Zentralbank-Unabhängigkeit das Vertrauen der Welt zerstören.
- Indonesischer Aktienmarkt stürzt 32 Prozent ab
- Regierung verstaatlicht Rohstoffe und zerstört Vertrauen
- Zentralbank entmachtet und Schattenverschuldung wächst
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Südostasiens größte Volkswirtschaft befindet sich im Juni 2026 im Auge eines makroökonomischen Sturms. Während die weltweiten Aktienmärkte neue Höchststände markieren, hat sich die indonesische Wirtschaft komplett von der globalen Dynamik entkoppelt. Es handelt sich nicht mehr um einen generellen Ausverkauf der Schwellenländer, sondern um ein tiefgreifendes, hausgemachtes Länderrisiko.
Der indonesische Leitindex, der Jakarta Composite Index (JCI), hat im bisherigen Jahresverlauf über 32 Prozent an Wert verloren und ist damit das weltweite Schlusslicht unter 90 von Bloomberg beobachteten Aktienindizes. Der JCI ist in diesem Jahr jeden Monat gefallen und steuert auf den größten Jahresverlust seit 2008 zu. Zeitgleich durchbrach die Landeswährung, die indonesische Rupiah, die historische Marke von 18.000 IDR je US-Dollar. Angesichts schwindender Devisenreserven auf einem Zweijahrestief und beschleunigtem Kapitalabzug – ausländische Fonds haben bereits über 3,2 Milliarden US-Dollar abgezogen – signalisieren alle Indikatoren massives, weiteres Abwärtspotenzial für Währung und Aktien.
Die Ratingagenturen wie Moody’s und Fitch haben ihre Ausblicke für das Land auf "Negativ" gesenkt und verweisen auf das rasant schwindende Vertrauen in die Berechenbarkeit der indonesischen Wirtschaftspolitik. Die Ankündigung der Regierung unter Präsident Prabowo Subianto, die direkte staatliche Kontrolle über die Exporte strategisch wichtiger Schlüssel-Rohstoffe zu übernehmen, hat den Markt schockiert. Der Teilindex für Basismaterialien brach daraufhin im Vormonat um fast 23 Prozent ein. Globale Fonds werten dies als Abkehr von marktwirtschaftlichen Prinzipien. Zudem werden der Regierung mangelnde Fiskaldisziplin und Korruption vorgeworfen.
Präsident Prabowo Subianto verfolgt eine aggressive "Big Growth"-Agenda, um ein Bruttoinlandsprodukt-Wachstum von 8 Prozent bis 2029 zu erzwingen. Die schiere Fülle an parallel laufenden, astronomisch teuren Großprojekten droht die Staatskassen zu sprengen:
- Die neue Hauptstadt Nusantara: Mitten im Dschungel von Borneo entsteht für geschätzte 35 Milliarden Dollar eine neue Metropole. Da ausländische Privatinvestoren ausbleiben, bleibt die Last fast vollständig beim indonesischen Steuerzahler.
- Aufrüstung der Armee: Der ehemalige General treibt ein milliardenschweres Modernisierungsprogramm der Streitkräfte voran, darunter den teuren Kauf westlicher Kampfjets und U-Boote.
- Staatliche Food Estates: Gigantische, staatlich gelenkte Agrarzonen werden reaktiviert. Trotz historischer Misserfolge und massiver Kritik wegen Regenwaldrodungen wird erneut viel Staatsgeld in diese ineffizienten Strukturen gesteckt.
Da Indonesiens gesetzliches Defizit-Limit streng auf 3 Prozent des BIP begrenzt ist, greift die Administration zu risikoreichen Instrumenten zur Finanzierung der Megaprojekte. Über den neu gegründeten Super-Staatsfonds Danantara sollen spezielle Staatsanleihen – die umstrittenen Patriot Bonds und "Red and White"-Anleihen – emittiert werden. Ökonomen warnen vor einer unkontrollierten Schattenverschuldung am Parlament vorbei, um die Defizitgrenzen zu umgehen. (Böse Zungen könnten Vergleiche zu den "Sondervermögen" Deutschlands ziehen.)
Um den finanziell fragwürdigen Kurs politisch abzusichern, verabschiedete das Parlament ein weitreichendes Gesetz, das die Unabhängigkeit der Zentralbank (Bank Indonesia) de facto aushebelt. Die Politik kann nun "bindende Empfehlungen" an die Währungshüter aussprechen und unliebsame Gouverneure über neue Mechanismen vorzeitig absetzen. Zudem wurde das Mandat der Bank politisiert und um die explizite Förderung des Realwachstums erweitert.
Für den Devisen- und Aktienmarkt ist dies das finale Signal für eine anhaltende Talfahrt: Wenn geldpolitische Stabilität dem politischen Wachstumswunsch geopfert wird, droht eine unkontrollierbare Währungsabwertung. Andere Länder, wie die Türkei, haben drastisch vor Augen geführt, wohin ein solcher Kurs führt.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

