Woodstock für Elon-Jünger
Musk verzaubert die Wall Street, doch in den S&P500 kommt SpaceX nicht!
Elon Musk, Jamie Dimon, ein Raum voller Milliardäre und Fragen zur Bewertung, die kaum jemand stellen wollte. Das SpaceX-Investor Event mutiert zum Musk-Festival. Der Indexbetreiber S&P bleibt unterdessen hart.
- SpaceX peilt IPO Bewertung von rund 1,8 Bio USD an
- Große Investoren halten Milliardenpositionen in SpaceX
- S&P bewahrt Sperrfrist von zwölf Monaten für Aufnahme
- Report: Achtung, Korrektur!
Jamie Dimons Konferenzräume im JPMorgan-Hauptquartier haben schon einiges gesehen. Aber ein Investor-Event, bei dem Teilnehmer offen zugeben, den Börsenprospekt nicht gelesen zu haben, dürfte selbst dort selten vorkommen. SpaceX hat diese Woche den Vermarktungsprozess für seinen Börsengang gestarte. Der Auftakt wirkte auf manche Beobachter weniger wie eine Roadshow als eine Erweckungsveranstaltung.
Der Raumfahrt-, Satelliten- und KI-Konzern aus Starbase, Texas, strebt einen Ausgabepreis von 135 US-Dollar je Aktie an, was das Unternehmen mit rund 1,8 Billionen US-Dollar bewertet. Das wäre der größte Börsengang aller Zeiten.
Die anwesenden Investoren ließen sich davon nicht schrecken, im Gegenteil. Dylan Hixon, Präsident von Arden Road Investments, der nach eigenen Angaben bereits rund ein Fünftel seines gesamten Portfolios in SpaceX investiert hat, nannte die Bewertung gegenüber Bloomberg schlicht "nicht übertrieben".
Tesla-Bulle Ronald Baron will nach dem Börsengang eine weitere Milliarde in das Unternehmen stecken – zusätzlich zu einer bereits bestehenden Position von über 15 Milliarden US-Dollar. Sein Baron-Partners-Fonds hält demnach rund ein Drittel seines Kapitals in SpaceX-Papieren.
Die Grundlage für diese Zuversicht lieferten unter anderem Research-Analysten, die Investoren Modelle präsentierten, nach denen der KI-Bereich von SpaceX bis Ende des Jahrzehnts das hundertfache seines heutigen Umsatzes erreichen soll. Ob diese Zahlen belastbar sind, bleibt offen.
Musk selbst sprach auf dem Event über Mondurlaube, eine Kolonie auf dem Mars und einen adressierbaren Gesamtmarkt von 28,5 Billionen US-Dollar, der im Prospekt ausgewiesen ist.
Für Privatanleger gibt es dabei eine wichtige Einschränkung: Der S&P 500, der weltweit größte Referenzindex für passive Investoren, bleibt SpaceX vorerst verschlossen. Der Indexanbieter S&P Dow Jones Indices hat diese Woche entschieden, seine Aufnahmeregeln nicht zu lockern. Die bisherige Sperrfrist von zwölf Monaten nach dem Börsengang bleibt bestehen, ebenso die Anforderungen an Profitabilität und Streubesitz.
Nasdaq und FTSE Russell hatten ihre Regeln bereits angepasst und ermöglichen eine deutlich schnellere Aufnahme. S&P geht diesen Weg nicht mit – was bedeutet, dass der Großteil des passiv verwalteten Kapitals weltweit frühestens ein Jahr nach dem IPO in SpaceX-Aktien fließen wird.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
