Warnung vor KI-Crash
Warum dieser Analyst sagt: "Es ist schlimmer als bei Dotcom"
In einem umfangreichen Marktkommentar mit dem Titel "Es ist schlimmer als die Dotcom-Blase" warnt Tech-Analyst Ed Zitron vor einer KI-Blase. Warum jeder KI-Anleger diesen Text kennen sollte. Die Hintergründe.
Die Dotcom-Blase gilt bis heute als Mahnmal der Börsengeschichte. Doch Tech-Analyst Ed Zitron hält den aktuellen KI-Hype für noch gefährlicher. Seine im Januar ausgesprochene, aber wenig beachtete Warnung: Nicht nur die Bewertungen vieler KI-Aktien könnten aus dem Ruder geraten sein, sondern das gesamte Fundament des KI-Booms sei wackliger, als viele Anleger glaubten.
Zitron zufolge war die Dotcom-Blase schlimm, aber nach dem Crash blieb wenigstens etwas Nützliches übrig: Glasfasernetze, die später genutzt wurden. Bei KI könnte es anders sein. In Chips, Rechenzentren und KI-Modelle wurden bereits mehr als eine Billion US-Dollar investiert – das sind Tausend Milliarden. Diese Technik sei extrem teuer, verschlinge Unmengen an Strom und könnte schneller überholt sein als die Glasfasernetze damals. Wenn KI-Dienste am Ende nicht genug Geld einbringen, bleibe wenig Nutzbares übrig.
Zitron betrachtet Venture Capital besonders kritisch. Seiner Darstellung zufolge legen Investoren immer mehr Geld in KI-Firmen an, obwohl viele Geschäftsmodelle nicht profitabel seien. Je mehr Nutzer hinzukommen, desto stärker können die Kosten steigen. Genau das macht die Lage so problematisch: Wachstum, das früher als Beweis für Erfolg galt, könnte im KI-Zeitalter zum Risiko werden.
Die von Zitron genannten Zahlen klingen wie ein Warnsignal. So sollen KI-Start-ups im 4. Quartal 2025 bereits 65 Prozent aller Venture-Capital-Mittel erhalten haben. Insgesamt seien 2025 338,3 Milliarden US-Dollar an Risikokapital eingesammelt worden, davon ein großer Teil für KI. Zum Vergleich: Die US-Venture-Investitionen der Dotcom-Jahre 1997 bis 2000 hätten inflationsbereinigt zusammen bei rund 344,49 Milliarden US-Dollar gelegen.
Zitron warnt vor einer gefährlichen Kettenreaktion: Überteuerte Start-ups, unprofitable KI-Dienste und teure Infrastruktur treffen auf Anleger, die sich einreden, dass selbst ein Crash am Ende etwas Nützliches hinterlässt. Genau daran zweifelt er.
Für Anleger ist das die eigentliche Schockbotschaft: Die KI-Story muss nicht falsch sein, damit sie an der Börse gefährlich wird. Es reicht, wenn Erwartungen, Kosten und Bewertungen schneller steigen als die Gewinne. Dann könnte aus dem größten Zukunftsversprechen der Märkte plötzlich das werden, was kaum jemand hören will: ein Crash mit Ansage.
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

