Traum vom KI-Durchbruch
China lockt KI-Eliten aus dem Silicon Valley – und verfolgt einen neuen Plan
China gewinnt zunehmend KI-Talente aus den USA zurück. Tencents neuer KI-Chef verfolgt ein Ziel, das bislang vor allem Silicon-Valley-Konzerne prägte.
- China gewinnt zunehmend KI-Spitzenkräfte aus USA
- Tencents KI-Chef Yao will AGI-Organisation aufbauen
- US-Warnungen wachsen, Wettbewerb um Talente steigt
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Im globalen Wettlauf um Künstliche Intelligenz verschiebt sich das Kräfteverhältnis laut CNBC zunehmend. Chinesische Technologiekonzerne gewinnen immer mehr Spitzenforscher aus den USA für sich und übernehmen damit auch ambitionierte Ziele, die bislang vor allem im Silicon Valley verfolgt wurden.
Ein prominentes Beispiel ist Yao Shunyu. Der frühere OpenAI-Forscher wechselte innerhalb des vergangenen Jahres zu Tencent und verantwortet dort inzwischen als Chief AI Scientist die strategische Ausrichtung im Bereich Künstliche Intelligenz.
Auf einer von Tencent gemeinsam mit lokalen Behörden veranstalteten Konferenz in Peking skizzierte Yao seine langfristige Vision. "Mein persönliches Ziel ist es, in China eine langfristig angelegte AGI-Organisation aufzubauen", sagte er. AGI steht für künstliche allgemeine Intelligenz und beschreibt Systeme, die menschliche Fähigkeiten erreichen oder übertreffen können.
Tencent sieht Potenzial für mehrere KI-Super-Apps
Bislang galten vor allem US-Unternehmen wie OpenAI, Anthropic oder Alphabet als Treiber der AGI-Entwicklung. Chinesische Konzerne konzentrierten sich dagegen stärker auf konkrete Anwendungen in Industrie, Produktion und Unterhaltungselektronik.
Yao sieht jedoch Raum für deutlich größere Ambitionen. "Ich glaube nicht, dass ChatGPT oder Claude die einzigen Super-Apps sein werden", sagte er. Das bislang ungenutzte Marktpotenzial liege seiner Einschätzung nach bei "Billionen von Dollar".
Entscheidend seien vor allem die Leistungsfähigkeit von KI-Systemen und deren Kosten. Für China sieht Yao den erfolgversprechenden Weg in kleineren Modellen mit einer besonders zuverlässigen Bearbeitung grundlegender Aufgaben.
Vorsicht in den USA wächst
Während chinesische Unternehmen optimistischer auftreten, nehmen die Warnungen in den USA zu. Das KI-Start-up Anthropic erklärte kürzlich, moderne Spitzenmodelle näherten sich einem Punkt, an dem sie sich ohne menschliche Kontrolle selbst verbessern könnten. Das Unternehmen sprach sich deshalb für eine Verlangsamung oder zeitweise Aussetzung der Entwicklung neuer Modelle aus, um gesellschaftliche Risiken zu begrenzen.
Anthropic hatte zudem bereits Anfang des Jahres gefordert, den technologischen Vorsprung der USA gegenüber chinesischen KI-Modellen zu sichern. Kritiker werfen dem Unternehmen allerdings vor, Sicherheitsbedenken auch als Wettbewerbsinstrument einzusetzen.
Wettbewerb um Talente verschärft sich
Ein wichtiger Treiber für die Rückkehr chinesischer Forscher sind Unsicherheiten bei der US-Einwanderungspolitik. Gleichzeitig investiert China massiv in Grundlagenforschung und Programme zur Anwerbung hochqualifizierter Fachkräfte.
Mehrere spektakuläre Personalwechsel unterstreichen diesen Trend. Medienberichten zufolge wechselte der DeepMind-Forscher Hao Zhou von Google zu Alibaba, um an der Weiterentwicklung des KI-Modells Qwen zu arbeiten. Bereits Anfang 2025 verließ Wu Yonghui seine Position als Forschungs-Vizepräsident bei Google DeepMind und übernahm die Leitung der Forschungseinheit ByteDance Seed. Auch das Start-up Moonshot wurde von Yang Zhilin gegründet, der zuvor für Meta AI und Google Brain tätig war.
Damit wird deutlich: China versucht nicht mehr nur, bei Künstlicher Intelligenz aufzuholen. Das Land will künftig selbst die Richtung der Entwicklung bestimmen.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion


