EZB-Zinsangst trifft Techwerte
Europas Aktien stehen vor dem nächsten gefährlichen Test
Europas Aktienmärkte treten auf der Stelle. Ölpreis, Nahostrisiken und Zinssorgen bremsen. Besonders Techwerte geraten nach der starken Rallye unter Druck.
- Europas Märkte stagnieren wegen Öl, Nahost, Zinsdruck
- Techsektor fällt nach Rallye und Broadcom-Enttäuschung
- Inflation und Energie treiben EZB zu 25 Basispunkten
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Der Stoxx 600 nimmt einen kleinen Wochenverlust mit. Anleger blieben wegen der unsicheren Friedensbemühungen im Nahen Osten vorsichtig.
Der Ölpreis hielt sich nahe 95 US-Dollar je Barrel. Eine diplomatische Lösung zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran wirkte weiter unsicher. Beide Länder hatten sich Anfang der Woche erneut gegenseitig angegriffen. Auch der Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon steht unter Druck, nachdem die Hisbollah das von den Vereinigten Staaten vermittelte Abkommen abgelehnt hatte.
Die hohen Energiekosten verstärken den Inflationsdruck in Europa. Die jüngsten Daten zeigten eine Beschleunigung der Teuerung in der Eurozone. Die Märkte rechnen deshalb mit einer Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank um 25 Basispunkte in der kommenden Woche.
Jeremy Batstone-Carr von Raymond James erwartet laut Reuters eine Anhebung in der nächsten Woche und wahrscheinlich eine weitere im Juli. Danach dürfte die Notenbank seiner Einschätzung nach abwarten, wie stark höhere Energiepreise auf die Inflation durchschlagen.
Techs gehörten zu den größten Verlierern
Der Sektor verlor fast zwei Prozent. Zuvor hatte er in den vergangenen zwei Monaten mehr als 33 Prozent gewonnen und war damit der stärkste Bereich im Stoxx 600. Enttäuschende Zahlen von Broadcom belasteten zusätzlich die Stimmung im globalen Technologiesektor.
Auch europäische Chipwerte standen unter Druck. Infineon und Aixtron verloren jeweils mehr als fünf Prozent.
Gleichzeitig will Europa technologisch unabhängiger werden. Die Europäische Kommission schlug in dieser Woche neue Gesetze für Cloud, künstliche Intelligenz und Halbleiter vor. Batstone-Carr sieht darin ein langfristiges Thema für Europa bis in die frühen 2030er Jahre.
Stephen Schneider von der DZ Bank beschreibt den Euro Stoxx als mühsam, aber weiter aufwärtsgerichtet. Der Index bewege sich nahe den Hochs vom Februar. Anleger hätten sich offenbar an die negative Nachrichtenlage gewöhnt und blickten wieder stärker auf zyklische Branchen.
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Nach Einschätzung der DZ Bank stehen Grundstoffe, Technologie und Chemie weiter in der Spitzengruppe. Energiewerte und Versorger zeigen zwar relative Stärke, werden in der Systematik der Bank aber wegen ihrer defensiven Ausrichtung nicht bevorzugt.
Besonders spannend bleibt der Technologiesektor. Er hat zuletzt an relativer Stärke gewonnen, obwohl die Bewertung hoch ist. Das erwartete Gewinnwachstum von rund 19 Prozent pro Jahr in den kommenden zwei Jahren kann die hohe Bewertung teilweise rechtfertigen.
Bei Grundstoffwerten sieht die DZ Bank ebenfalls Chancen. Die Bewertung liegt unter dem langfristigen Durchschnitt, während die erwartete Gewinnentwicklung dynamisch bleibt. Zudem gelten Rohstoffaktien als Frühindikator für die Konjunktur.
Schwächer bleiben Automobilwerte und konsumnahe Branchen. Auch der Pharmasektor rutschte zuletzt in die Gruppe der Underperformer. Bei Chemiewerten sieht die DZ Bank zwar Erholungspotenzial, doch die relative Stärke bestätigt bislang noch keine nachhaltige Wende.
Damit bleibt Europas Aktienmarkt in einer Zwischenlage. Nahostrisiken, Ölpreis und Zinsen bremsen die Stimmung. Gleichzeitig könnten Grundstoffe, Technologie und ausgewählte zyklische Werte profitieren, wenn sich die Konjunktur stabilisiert und der Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz anhält.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
