Hohe Preise fressen Rücklagen

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    US-Verbrauchern geht das Geld aus

    Rekordschulden bei Autos und Kreditkarten treffen auf galoppierende Inflation – Amerikas Mittelschicht rutscht immer tiefer in die Zinsfalle und kämpft um das finanzielle Überleben.

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    Hohe Preise fressen Rücklagen - US-Verbrauchern geht das Geld aus

    Autokredite und Kreditkarten werden für Millionen US-Haushalte zur Belastungsprobe. Die Schulden steigen, die Zinsen drücken – und der Alltag wird teurer. Der enorme Anstieg der Inflation – vor allem seit Beginn des Nahost-Kriegs – schnürt den US-Bürgern die Luft ab. Im April 2026 kletterte die Inflationsrate bereits auf 3,8 Prozent. Prognosen der Federal Reserve Bank of Cleveland deuten darauf hin, dass die Teuerungsrate im Mai auf ein Drei-Jahres-Hoch von 4,18 Prozent hochgeschnellt sein dürfte. Die offiziellen Zahlen werden am 10. Juni bekannt gegeben.

    In einer Umfrage der Online-Plattform Resume Now gaben nur magere 12 Prozent der Arbeitnehmer an, dass ihre Einkommen mit den Preisen Schritt halten und darin sind die neuesten Entwicklungen noch gar nicht enthalten. Millionen Amerikaner finanzieren ihren Alltag gezwungenermaßen auf Pump. Das Ergebnis ist eine historisch beispiellose Schuldenspirale.

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    Der US-Automarkt hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Der Markt für bezahlbare Neuwagen existiert praktisch nicht mehr: Gab es 2017 noch 36 Fahrzeugmodelle für unter 25.000 US-Dollar, sind es heute gerade noch vier. Der Durchschnittspreis für einen Neuwagen liegt bei fast 49.000 US-Dollar. Gebrauchtwagen sind unter 20.000 US-Dollar fast gar nicht mehr zu haben.

    Die gesamten Autokredite in den USA erreichten Ende 2025 die astronomische Summe von 1,68 Billionen US-Dollar – ein Zuwachs von 37 Prozent seit 2018. Rund ein Viertel aller Amerikaner steht bei Autofinanzierern in der Kreide. Die typische monatliche Rate ist auf über 680 US-Dollar geklettert. Besonders alarmierend: Jeder fünfte Neuwagenkäufer (20 Prozent) muss mittlerweile eine monatliche Rate von 1.000 US-Dollar oder mehr stemmen.

    Um die monatliche Last irgendwie zu drücken, greift fast ein Viertel der Käufer zu Kreditlaufzeiten von sieben Jahren oder länger. Das erhöht das Risiko, bald mehr für das Auto zu schulden, als es überhaupt noch wert ist. Geringverdiener mit schlechter Bonität werden zusätzlich durch Zinsen von über 18 Prozent ausgeblutet.

    Weil das Geld am Monatsende für Lebensmittel und Energie nicht mehr reicht, mutieren Kreditkarten vom bequemen Zahlungsmittel zum Instrument für das nackte wirtschaftliche Überleben. Im ersten Quartal 2026 knackten die US-Kreditkartenschulden die Marke von 1,25 Billionen US-Dollar – der höchste je in einem ersten Quartal gemessene Wert. Im Schnitt trägt jeder Karteninhaber 6.500 bis 6.700 US-Dollar Plastikschulden mit sich herum.

    Anfang 2026 lagen die durchschnittlichen Kartenzinsen bei astronomischen 21 Prozent, wie aus Daten der US-Notenbank hervorgeht, 2022 lag der Schnitt noch bei 14,6 Prozent. Für viele ist die Belastungsgrenze längst überschritten. 5,6 Prozent der Karteninhaber sind mindestens 60 Tage im Zahlungsverzug. In einkommensschwachen Regionen liegt diese Quote sogar bei 8 Prozent.

    Die Schulden bei Autos und Kreditkarten sind jedoch nur die sichtbaren Symptome einer tiefer liegenden, strukturellen Erschwinglichkeitskrise, die fast alle wichtigen Lebensbereiche erfasst: Für fast die Hälfte der Amerikaner hat sich die finanzielle Lage 2025 drastisch verschlechtert. Gewaltige 92 Prozent gaben an, ihre Ausgaben eingeschränkt zu haben. Besonders dramatisch: 40 Prozent der Menschen müssen bereits beim Essenskauf und den täglichen Lebensmitteln sparen. Um Löcher zu stopfen, mussten 49 Prozent der Verbraucher bereits ihre Notreserven und Ersparnisse angreifen.

     

    Ähnlich traurig sieht die Lage bei den Wohnkosten aus. Steigende Mieten und hohe Hypothekenzinsen fressen den Großteil des verfügbaren Einkommens auf und lassen keinen Spielraum für den Abbau von Konsumschulden. Die medizinische Versorgung wird auch zunehmend unbezahlbar. 37 Prozent der Amerikaner klagen über erdrückende Gesundheitskosten; mehr als jeder Fünfte (21 Prozent) spart bereits an notwendigen Arztbesuchen oder verschriebenen Medikamenten.

    Weil das Geld im Hier und Jetzt fehlt, gerät die Zukunft ins Hintertreffen. Immer mehr Arbeitnehmer plündern vorzeitig ihre betrieblichen Rentenkonten (was in den USA problemlos möglich ist), was die Gefahr von Altersarmut in den kommenden Jahrzehnten drastisch erhöht.

    Der US-Verbraucher, traditionell der Motor der globalen Wirtschaft, läuft auf Reserve. Die Kombination aus stagnierenden Reallöhnen, teurer Basisversorgung und historisch hohen Zinsen hat ein System geschaffen, in dem das Leben auf Pump für Millionen Menschen vom Lebensstil zur bitteren Notwendigkeit geworden ist.

    Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


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    Verfasst vonRedakteurIngo Kolf
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