Silber: Anleger in Angst
Silberpreis erreicht kritische Zone. Droht Silber jetzt ein 20%-Abverkauf?
Die Handelswoche endete für Silber mit einem gewaltigen Knall. Die Schockwellen sind noch nicht abgeklungen, da kündigt sich für die nächsten Tage bereits der nächste Knall an – die US-Inflationsdaten.
- Gefahr in Verzug - Silber kracht unter die 70 USD
- Anleiherenditen und starker Dollar würgen Silber ab
- nächstes Preisbeben kündigt sich an
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Silberpreis aktuell: Warum Anleger jetzt alarmiert sind
Der überraschend starke US-Arbeitsmarktbericht für Mai löste am Freitag veritable Schockwellen aus. Nicht zuletzt gab es im Edelmetallbereich im Anschluss an die Veröffentlichung kräftige Verwerfungen. Rote Vorzeichen dominierten das Handelsgeschehen. Der Abverkauf vom Freitag drückte den Silberpreis unter die eminent wichtige Marke von 70 US-Dollar. Anleger sind jetzt alarmiert, gelten die 70 US-Dollar inkl. der dort verlaufenden 200-Tage-Linie doch als kritischer Preisbereich. Doch nicht nur bei Silber brannte es lichterloh. Auch der Goldpreis brach ein. Und auch bei Gold geht die Angst vor den nächsten US-Preisdaten um.
Silbermarkt vor Zerreißprobe: Anleiherendite und Greenback vs. strukturelles Defizit
In der aktuellen Situation muss zwischen den kurzfristigen Belastungsfaktoren und den langfristigen Preistreibern unterschieden werden. Der Arbeitsmarktbericht befeuerte die Anleiherenditen und riss den US-Dollar aus seiner Lethargie – das sind zwei für Gold und Silber problematische Entwicklungen. In Zahlen: Die Renditen der wichtigen 10-jährigen US-Staatsanleihen kehrten über die 4,5 Prozent zurück. Eine Erholung auf 4,7 Prozent zeichnet sich ab. Hochgradig problematisch würde es, sollte es darüber hinausgehen. Ein Ausbruch über die 5 Prozent käme wohl einem Todesstoß für Silber gleich.
Der US-Dollar-Index rüttelt mit Vehemenz an seinem Korrekturszenario. Die Marke von 100 Punkten bildete in den letzten Monaten die obere Begrenzung der Bodenbildungsformation. Sollte es dem US-Dollar-Index nunmehr gelingen, den Ausbruch zu manifestieren und eine Erholung zu starten, wäre das die nächste Hiobsbotschaft für Gold und Silber.
Ungeachtet der kurzfristigen Belastungsfaktoren profitiert Silber auf lange Sicht vom langjährigen strukturellen Defizit. The Silver Institute (Branchenorganisation der Silberindustrie) erwartet Stand April für 2026 ein Defizit in Höhe von 46,3 Mio. Unzen Silber und somit das sechste Defizitjahr in Folge.
Silber zittert vor US-Inflationsdaten und US-Notenbank
Für die Edelmetalle bricht nun eine ganz heiße Phase an. Am kommenden Mittwoch (10. Juni) werden die US-Verbraucherpreise für Mai veröffentlicht, einen Tag später die US-Erzeugerpreise für Mai. Über den Veröffentlichungen liegt bereits der Schatten des nächsten FOMC-Termins. Das FOMC der US-Notenbank tagt am 16. Juni und 17. Juni – bekanntlich zum ersten Mal unter Kevin Warsh. Von den genannten Terminen geht ein erhebliches kurzfristiges Risiko für den Silberpreis aus.
Fazit - Droht Silber jetzt ein 20%-Abverkauf?
Der Rücksetzer unter die 70 US-Dollar bringt Silber nun aus charttechnischer Sicht in die Bredouille. Das daraus resultierende Verkaufssignal könnte den Silberpreis nun in Richtung 60 US-Dollar führen. Jedoch ist auch ein Abverkauf auf 54,5 US-Dollar / 54 US-Dollar nicht auszuschließen. Dort liegt ein ehemaliges Doppeltop. Ausgehend vom aktuellen Preisniveau wären das noch einmal knapp 20 Prozent. Nur eine dynamische Erholung des Silberpreises über die 70 US-Dollar würde dieses Schreckgespenst vertreiben. Eine Bewegung deutlich unter die 54 US-Dollar würde hingegen eine Neubewertung notwendig machen.
Die Entwicklungen am Anleihemarkt dürften das Handelsgeschehen bei Silber zunächst weiterhin maßgeblich beeinflussen. Neben den Inflationsdaten ist unverändert auf die weitere Entwicklung der Ölpreise zu achten.
Zusammengefasst: Der Silbermarkt tritt in eine entscheidende Phase ein. Inflationsdaten, Ölpreise und Fed-Termin kreieren eine kritische Gemengelage. Kurzfristig ist mit weiteren Preisturbulenzen zu rechnen. Ein Test der 54 US-Dollar ist dabei nicht auszuschließen. Gleichzeitig bietet eine ausgeprägte Preisschwäche meinungsstarken Anlegern und Investoren unter antizyklischen Aspekten langfristige Chancen bei Silber und Silberminenaktien.
Autor: Marcel Torney, freier Redakteur, Rohstoffexperte
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