China bricht weg
Der China-Markt kippt: Wird Volkswagen jetzt abgehängt?
Chinas Automarkt rutscht weiter ab, doch E-Autos dominieren. Für Volkswagen wird der Kampf gegen BYD, Tesla und Co. zur Bewährungsprobe.
- Chinas Pkw-Markt schrumpft seit acht Monaten deutlich
- NEV dominieren mit 63 Prozent Marktanteil im Mai
- VW unter Druck muss China-spezifische E-Autos liefern
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Der Abwärtstrend bei den Autoverkäufen in China setzte sich im Mai fort und hat sich zu einer Belastungsprobe für ausländische Autohersteller entwickelt, allen voran Volkswagen, das versucht, sein China-Geschäft durch lokal entwickelte Elektrofahrzeuge wiederzubeleben. Die Verkäufe sanken im vergangenen Monat im Vergleich zum Vorjahr um 22,3 Prozent auf 1,53 Millionen Fahrzeuge. Dies ist der achte Monat in Folge mit rückläufigen Verkaufszahlen, wie Daten des chinesischen Pkw-Verbandes am Montag zeigten.
In den ersten fünf Monaten sanken die Verkäufe um 19,7 Prozent auf 7,18 Millionen Fahrzeuge. Der chinesische Automarkt schwächelt nicht wegen fehlender E-Auto-Dynamik, sondern wegen schwacher Inlandsnachfrage, hoher Vorjahresbasis, auslaufender beziehungsweise geringerer Förderimpulse und massivem Druck auf klassische Verbrenner sowie ausländische Marken.
New Energy Vehicles bleiben deutlich stabiler als der Gesamtmarkt. Im Mai wurden laut dem chinesischen Pkw-Verband (CPCA) rund 974.000 NEV im Einzelhandel verkauft, nur 5 Prozent weniger als im Vorjahr, aber 15 Prozent mehr als im April. Dadurch stieg der NEV-Anteil am Pkw-Markt auf 63 Prozent – ein neuer Höchstwert. Der eigentliche Absturz trifft vor allem klassische Antriebe. CPCA-nahe Daten zeigen, dass die Produktion reiner Kraftstofffahrzeuge im Mai um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr einbrach. Die Branche verweist dabei auf schwache Nachfrage, hohe Ölpreise, geringere Förderwirkung und eine angespannte Lage bei Händlern und Margen.
VW hatte sich in den ersten 2 Monaten 2026 in China mit seinen Joint Ventures FAW und SAIC zwar wieder an die Spitze des Pkw-Marktes gesetzt, mit 13,9 Prozent Marktanteil. Gleichzeitig meldete der Konzern im 1. Quartal aber einen Rückgang der China-Auslieferungen um 15 Prozent. Reuters beschreibt China für VW, BMW und Mercedes als zunehmend schwierigen Markt, weil lokale Wettbewerber schneller, günstiger und technologisch aggressiver auftreten. Die Gegenstrategie von VW ist klar: mehr lokale Entwicklung, mehr China-spezifische Modelle, mehr Partnerschaften. Reuters berichtete, dass Volkswagen die Serienproduktion des ersten gemeinsam mit Xpeng entwickelten Modells gestartet hat und 2026 mehr als 20 neue E-Modelle in China auf den Markt bringen will.
Auch bei BYD zeigt sich die Schwäche im Heimatmarkt: Der Konzern steigerte seine weltweiten Verkäufe im Mai zwar leicht um 0,3 Prozent auf 383.453 Fahrzeuge, doch die Verkäufe in China fielen um 24 Prozent. Das Auslandsgeschäft legte dagegen um 80,4 Prozent zu und stützte die Gesamtzahlen. Tesla wirkt kurzfristig robuster: Die Verkäufe chinesisch gebauter Tesla-Fahrzeuge stiegen im Mai um 39,4 Prozent auf 85.982 Einheiten, wobei diese Zahl auch Exporte aus dem Werk Shanghai umfasst. Gleichzeitig steht Tesla in China unter Druck, weil lokale Anbieter bei Fahrerassistenzsystemen und Smart-Car-Funktionen schneller vorankommen.
Der China-Automarkt sendet ein Warnsignal: Der größte Automarkt der Welt bleibt zwar elektrifiziert wie kaum ein anderer, aber das Wachstum verschiebt sich brutal. Gewinner sind Hersteller mit günstigen, smarten NEV-Modellen und starkem Exportgeschäft. Verlierer sind klassische Verbrenner, mittel- bis hochpreisige Joint-Venture-Modelle und westliche Hersteller, die bei Software, Tempo und Preis nicht mithalten. Für VW wird China damit zur Bewährungsprobe: Der Konzern muss beweisen, dass lokal entwickelte E-Autos nicht nur strategisch sinnvoll klingen, sondern auch gegen BYD, Geely, Leapmotor, Xiaomi und Tesla bestehen können.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion

