Aktie im Stresstest
Raketen, Leerverkäufer und ein 40-Millionen-Loch: Keine Urlaubsstimmung bei TUI
Der Reisekonzern kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig: Geopolitik, steigende Ölpreise und ein prominenter Leerverkäufer, der seinen Einsatz erhöht.
- Geopolitische Spannungen Ölpreis Leerverkäufe
- Urlauber buchen später und meiden östliche Ziele
- BlackRock baut Shortpositionen aus Jefferies Hold
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Neue Meldungen über gegenseitigen Raketenbeschuss zwischen Iran und Israel haben die TUI-Aktie am Montagmorgen um mehr als zwei Prozent ins Minus gedrückt. Auch die Lufthansa verlor, wenn auch etwas weniger deutlich. Der Reisesektor reagiert auf Nahost-Nachrichten traditionell wie ein Seismograph.
Der Konflikt ist für TUI längst kein abstraktes Risiko mehr. Analysten von Jefferies hatten bereits Mitte Mai in ihrer Halbjahrsbewertung vorgerechnet, dass der anhaltende Nahost-Konflikt das operative Ergebnis im zweiten Quartal mit rund 40 Millionen Euro belastet hat.
Dazu kommt eine spürbare Verschiebung der Nachfrage: Urlauber weichen von östlichen Mittelmeerzielen auf westliche aus, buchen später als früher und zeigen sich insgesamt vorsichtiger. Jefferies fasste das nüchtern zusammen: Der Konsument werde zunehmend vorsichtig und entscheide immer näher am Abreisedatum.
Hinzu kommt der Ölpreis. Brent zog am Montag um fast fünf Prozent an, und eine Deeskalation im Nahen Osten ist nicht in Sicht. Für TUI ist das doppelt unangenehm: Der Konzern hat rund 83 Prozent seines Kerosinbedarfs für den Sommer abgesichert, was kurzfristig schützt. Mittelfristig bleibt der Kostendruck aber real.
Und dann ist da noch BlackRock. Der weltgrößte Vermögensverwalter hat seine Wettposition gegen TUI in den vergangenen Wochen mehrfach ausgebaut. Allein in der jüngsten Meldung erhöhten zwei Einheiten desselben Hauses ihre kombinierten Netto-Leerverkaufspositionen auf zusammen rund 2,6 Prozent. Wer so beständig und koordiniert gegen einen Wert wettet, sendet ein Signal, das Anleger nicht ignorieren sollten.
Jefferies stuft TUI weiterhin mit "Hold" ein und sieht das Kurspotenzial bis auf rund 8,20 Euro. Die Bewertung mit dem rund Sechsfachen des erwarteten Jahresgewinns klingt günstig, historisch lag der Wert beim Doppelten davon. Doch günstiger Preis allein ist kein Kaufargument, wenn strukturelle Risiken und Leerverkaufsdruck gleichzeitig zunehmen.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion

