Neue KI-Offensive
AMDs Milliardenplan: Der nächste Angriff auf Nvidias Vormacht?
AMD investiert Milliarden in Großbritannien und greift Nvidia über KI-Supercomputer, Forschung und offene Software an. Wird das zum Wendepunkt?
- AMD investiert 2 Milliarden Pfund in britische KI
- Zusammenarbeit mit Cambridge Dell und Imperial College
- Alternative zu Nvidia durch offene Software und CPUs
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Advanced Micro Devices gab bekannt, dass das Unternehmen plant, in den nächsten fünf Jahren bis zu 2 Milliarden Pfund (2,67 Milliarden US-Dollar) in die Förderung von Computertechnologie und Forschung im Bereich der künstlichen Intelligenz in Großbritannien zu investieren. Die Initiative wurde am Montag im Rahmen der London Tech Week vorgestellt und soll ausdrücklich die britische KI-Strategie und den Aufbau sogenannter souveräner KI-Infrastruktur unterstützen.
Der Chiphersteller gab bekannt, dass er mit Dell Technologies und der Universität Cambridge zusammenarbeite, um die KI-Infrastruktur auszubauen, und mit dem Imperial College London, um die Forschung auf diesem Gebiet zu unterstützen. AMD und das Imperial College planen außerdem zu untersuchen, wie KI-Modelle und datenintensive Anwendungen auf AMD-Rechenplattformen optimiert werden können.
Besonders interessant ist die Rolle der University of Cambridge. AMD und Dell unterstützen dort zwei Systeme: den neuen Zenith AI Supercomputer sowie das Sunrise Fusion AI System. Zenith wird vom britischen Wissenschaftsministerium DSIT und UKRI finanziert, von Cambridge betrieben und mit AMD- und Dell-Technologie gebaut. Sunrise wiederum wird vom Energieministerium DESNZ finanziert, gehört der britischen Atomenergiebehörde UKAEA und ist auf Fusionsforschung ausgerichtet.
Technologisch setzt AMD dabei auf seine Instinct-GPUs, EPYC-CPUs und die offene Softwareplattform ROCm. Die Systeme sollen unter anderem für Gesundheitsforschung, Klimamodelle, Materialforschung, technische Simulationen, Fusionsforschung und wissenschaftliche KI-Modelle eingesetzt werden. Neben Cambridge ist auch Imperial College London wichtig. AMD will dort Forschungsprojekte unterstützen, die große Rechenressourcen benötigen, etwa in der Gesundheitsinnovation und Klimamodellierung. Zudem wollen AMD und Imperial untersuchen, wie KI-Modelle, wissenschaftliche Workflows und datenintensive Anwendungen besser auf AMD-Plattformen und ROCm optimiert werden können.
Ein weiterer spannender Punkt ist Oriole Networks. AMD arbeitet mit dem britischen Photonik-Spezialisten im Rahmen des ARIA Scaling Inference Lab zusammen. Dabei geht es um die Frage, wie KI-Inferenz mit optischen Netzwerken schneller, energieeffizienter und latenzärmer skaliert werden kann. AMD spricht sogar von einem erwarteten weltweit ersten großen KI-System, das von einem reinen photonischen Netzwerk angetrieben wird.
Für AMD ist das ein strategischer Baustein im Rennen gegen Nvidia. Nvidia dominiert zwar weiter den KI-Beschleuniger-Markt, aber AMD versucht, über offene Software, CPUs, GPUs, Supercomputer-Projekte und nationale KI-Infrastruktur als zweite große Plattform im KI-Rechenzentrum wahrgenommen zu werden. Dass die Partnerschaft Forschung, Supercomputing, Photonik und Fusionsenergie verbindet, macht sie für AMD wertvoller als eine reine Hardware-Lieferung.
Auch politisch passt der Schritt: Die britische Regierung baut ihre öffentliche KI-Rechenleistung massiv aus. Bereits im Januar kündigte London zusätzliche Mittel für Cambridge an; das Programm steht im Kontext von mehr als 2,67 Milliarden US-Dollar für öffentliche Compute-Infrastruktur und dem Ziel, die AI Research Resource bis 2030 um das Zwanzigfache auszubauen.
AMD greift Nvidia nicht frontal über einen einzelnen Chip an, sondern über Infrastruktur: Supercomputer, Forschungspartner, offene Software und nationale KI-Projekte. Großbritannien wird damit für AMD zu einem Schaufenster, wie sich der Konzern als ernstzunehmende Alternative im KI-Rechenzentrum positionieren will.
Die Aktie von AMD ist am Montag (14:05 Uhr, MESZ) auf Tradegate 2,69 Prozent im Plus. Ein Anteilsschein kostet 415,85 Euro.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion
Die Advanced Micro Devices Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +2,68 % und einem Kurs von 415,8USD auf Tradegate (08. Juni 2026, 14:13 Uhr) gehandelt.

