E-Auto-Hoffnung VinFast
VinFast liefert mehr Autos – aber der Preis dafür ist gewaltig
VinFast steigert Umsatz und Auslieferungen kräftig, doch der Milliardenverlust wirft eine heikle Frage auf: Wie teuer darf Wachstum sein?
- Umsatz im Q1 stark gestiegen auf 23,11 Billionen Dong
- Nettoverlust Q1 rund 28,11 Billionen Dong 1,07 Mrd USD
- Verkauf Vietnamwerke und enge Verflechtung mit Gründer
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Der vietnamesische Automobilhersteller VinFast meldete am Montag einen Anstieg des Umsatzes im ersten Quartal um fast 42 Prozent, was auf die starke Nachfrage nach seinen Elektrofahrzeugen aus wichtigen Märkten in Südostasien zurückzuführen ist. Der Quartalsumsatz des Unternehmens belief sich auf 23,11 Billionen Dong (877,24 Millionen US-Dollar), verglichen mit einem Umsatz von 16,31 Billionen Dong (619,1 Millionen US-Dollar) im Vorjahresquartal.
Da die Verkäufe von Elektrofahrzeugen in Ländern wie den Vereinigten Staaten schleppend verlaufen, hat VinFast seinen Fokus auf seinen Heimatmarkt Vietnam sowie auf andere bevölkerungsreiche Länder wie Indien und Indonesien verlagert. Allerdings weitete sich der Nettoverlust des Unternehmens im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um etwa 59 Prozent auf 28,11 Billionen Dong (1,07 Milliarden US-Dollar) aus, da es hohe Ausgaben tätigt, um die hohe Nachfrage in diesen Märkten zu befriedigen, indem es neue Fabriken errichtet und die Produktion ausbaut.
Im vergangenen Monat gab VinFast bekannt, dass es im Rahmen einer Umstrukturierung seiner lokalen Geschäftstätigkeit plane, seine Produktionsstätten in Vietnam an eine Käufergruppe zu verkaufen, zu der auch der Gründer und Geschäftsführer Pham Nhat Vuong gehört. Im Mai vereinbarte das Unternehmen außerdem, GSM, ein von Vuong gegründetes Taxiunternehmen, zwischen 2026 und 2030 mit rund 1 Million Elektrofahrzeugen und 4 Millionen E-Scootern zu beliefern. Das sichert theoretisch enorme Absatzmengen – wirft aber zugleich die Frage auf, wie viel der Nachfrage wirklich aus einem unabhängigen Markt kommt und wie stark VinFast auf verbundene Unternehmen angewiesen bleibt.
Der Umsatzsprung im 1. Quartal wirkt stark, doch der Nettoverlust von 28,11 Billionen Dong entspricht umgerechnet rund 1,07 Milliarden US-Dollar und liegt damit sogar über dem Quartalsumsatz von 877 Millionen US-Dollar. Operativ steckt VinFast in einer riskanten Skalierungsphase. Im 1. Quartal lieferte der Konzern 58.577 Elektroautos aus, ein Plus von 61 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die stärksten Modelle waren laut Reuters der Limo Green mit 12.693 Auslieferungen und der kleine VF 3 mit 11.088 Auslieferungen.
Die Wachstumsstory verlagert sich klar nach Asien. VinFast hat in Nordamerika und anderen internationalen Märkten bislang nur begrenzt Fuß gefasst, während Vietnam, Indien, Indonesien, Malaysia, Thailand und die Philippinen stärker in den Fokus rücken. Für 2026 peilt VinFast weltweit 300.000 EV-Auslieferungen an, nach knapp 197.000 Fahrzeugen im Jahr 2025.
Der auffälligste Punkt ist die enge Verflechtung mit Gründer Pham Nhat Vuong. Im Mai kündigte VinFast eine Umstrukturierung an: Das Unternehmen will seine vietnamesischen Produktionsanlagen verkaufen und dadurch stärker auf ein sogenanntes asset-light-Modell umstellen. Laut Reuters geht es um einen Verkauf der Vietnam-Fertigung für rund 506 bis 530 Millionen US-Dollar; zugleich sollen fast 6,9 Milliarden US-Dollar an Schulden auf externe Investoren übertragen werden. Das hat bei Analysten und Investoren Governance-Fragen ausgelöst, weil Käufer und Umfeld eng mit Vuong beziehungsweise Vingroup verbunden sind.
Der US-Markt bleibt derweil eine Baustelle. VinFast hatte seine geplante Fabrik in North Carolina bereits verschoben; im März sagte das Unternehmen, es wolle den Bau wieder aufnehmen und peile einen Soft Launch im Jahr 2028 an. Im 4. Quartal 2025 belasteten Wertanpassungen auf die US-Anlage das Ergebnis mit 235,6 Millionen US-Dollar.
VinFast ist derzeit keine klassische profitable Auto-Story, sondern eine aggressive Expansionswette. Der Konzern kauft sich Wachstum über neue Werke, hohe Investitionen, Sonderprogramme und große Abnahmeverträge. Das kann funktionieren, wenn Südostasien, Indien und verbundene Flottenkunden die Stückzahlen tatsächlich tragen. Für Anleger bleibt aber die harte Gegenfrage: Wie lange kann VinFast Milliardenverluste finanzieren, bevor aus Wachstum auch nachhaltige Marge wird?
Die Aktie ist am Montag (15:00 Uhr, MESZ) auf Tradegate 3,24 Prozent im Minus. Ein Anteilsschein kostet 2,69 Euro.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion
Die VinFast Auto Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,75 % und einem Kurs von 2,67EUR auf Tradegate (09. Juni 2026, 08:27 Uhr) gehandelt.

