Aufnahme in den S&P500
Marvell dreht nach brutalem KI-Abverkauf blitzschnell wieder
Freitag minus 16 Prozent, Montag vorbörslich fast plus 10: Marvell Technology liefert einen Lehrstunde in Volatilität. Der Grund für die schnelle Erholung ist diesmal kein Hype, sondern Pflichtprogramm.
- S&P-Aufnahme erzwingt ETFs Käufe bis Stichtag
- Freitag Einbruch knapp 17 Prozent Montag +8 Prozent
- Boom durch Custom Chips für Cloud und Lob von Huang
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Marvell Technology steigt in den S&P 500 auf. Das gab der Indexbetreiber S&P Dow Jones Indices am Freitagabend bekannt. Ab dem 22. Juni ersetzt der Chipentwickler den Poolausrüster Pool Corp im bekanntesten Aktienindex der Welt.
Die Reaktion am Montagmorgen war eindeutig: Die Aktie legte im vorbörslichen Handel um mehr als acht Prozent zu.
Die Indexaufnahme hat einen handfesten Mechanismus dahinter: Passiv verwaltete Fonds und ETFs, die den S&P 500 abbilden, sind gezwungen, Marvell-Aktien bis zum Stichtag zu kaufen. Das erzeugt strukturelle Nachfrage, unabhängig vom operativen Geschäft.
Für den Aufstieg war außerdem entscheidend, dass Marvell zuletzt die Profitabilitätshürde überwand: Das Unternehmen wies sowohl im Quartal bis Dezember als auch in den zurückliegenden vier Quartalen nach GAAP-Standard einen Gewinn aus, eine formale Voraussetzung für die S&P-Mitgliedschaft.
Ausgerechnet am Freitag war die Marvell-Aktie um fast 17 Prozent eingebrochen, mitgerissen von einem Ausverkauf im gesamten Halbleitersektor, der insgesamt rund 1,3 Billionen US-Dollar an Börsenwert vernichtete. Auslöser war ein enttäuschender Ausblick des Konkurrenten Broadcom sowie starke US-Beschäftigungsdaten, die Zinssenkungsfantasien dämpften.
Trotzdem steht Marvell auf Jahressicht glänzend da. Seit dem 27. Mai hat die Aktie rund 60 Prozent zugelegt und sich seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht. Angetrieben wird das vor allem durch den Boom bei sogenannten Custom Chips: Marvell entwickelt maßgeschneiderte Prozessoren für Cloud-Konzerne wie Google oder Amazon, die angesichts der Engpässe bei Nvidias KI-Chips dringend nach Alternativen suchen.
Für zusätzlichen Rückenwind sorgte Nvidia-Chef Jensen Huang, der Marvell öffentlich als künftigen "Billion-Dollar-Konzern" bezeichnete, eine Einschätzung, die in der Branche durchaus Gewicht hat.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
