Halbleiter-Schock an der Börse
$1,3 Billionen weg: Der Helium-Engpass könnte die Lage sogar verschärfen
Der Chipsektor erlebt den heftigsten Absturz seit der Corona-Krise. Nvidia, Micron und AMD verlieren massiv. Jetzt stellt sich die Frage: Kaufchance oder Anfang einer großen Neubewertung?
- Heftigster Chip-Absturz seit März 2020 massiv
- Broadcom Bericht zeigt schwächere KI Chipnachfrage
- Lieferkettenrisiken Helium und Kupfer verstärken Sorgen
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Die in den Vereinigten Staaten notierten Chiphersteller sind am Freitag massiv eingebrochen. Laut Reuters verloren sie zusammen rund 1,3 Billionen US-Dollar an Börsenwert. Besonders hart traf es Schwergewichte rund um Künstliche Intelligenz wie Nvidia, Micron Technology und Advanced Micro Devices (AMD).
Nvidia verlor rund sechs Prozent und büßte mehr als 300 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung ein. Micron Technology stürzte um 13 Prozent ab und verlor rund 150 Milliarden US-Dollar an Börsenwert. Marvell Technology gab 17 Prozent nach. Advanced Micro Devices fiel um fast elf Prozent. Der Philadelphia-Halbleiterindex brach um 10,3 Prozent ein. Das war der stärkste Tagesverlust seit März 2020.
Auslöser war vor allem der Quartalsbericht von Broadcom. Der Konzern zeigte, dass die Nachfrage nach maßgeschneiderten Chips für Künstliche Intelligenz hinter den hohen Erwartungen zurückblieb. Anleger zogen daraufhin bei vielen hoch bewerteten Chipwerten die Reißleine.
Der Sektor war zuvor stark gelaufen. Der Halbleiterindex hatte erst am Mittwoch ein Rekordhoch erreicht. Trotz des Einbruchs liegt er seit Jahresbeginn noch immer über 70 Prozent im Plus.
Zusätzlichen Druck brachten die Zinsen. Starke Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten schürten die Sorge, dass die Federal Reserve die Zinsen länger hoch halten oder sogar anheben könnte.
Broadcom selbst fiel um 7,9 Prozent. Über zwei Handelstage summierte sich der Verlust auf fast 20 Prozent. Ohsung Kwon, Chef-Aktienstratege bei Wells Fargo, sieht den Rückgang vor allem als Korrektur nach einer Übertreibung. Der Halbleitersektor sei stark überkauft gewesen. Das Ende des Bullenmarktes bei Halbleitern sieht er laut Reuters aber nicht.
Auch Rohstoff- und Lieferkettenrisiken rücken stärker in den Fokus. Joel Frick, Investment Lead bei der Bendura Bank, verweist auf angespannte Kupferlagerbestände und eine wachsende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Elektrifizierung, erneuerbare Energien und Investitionen in Stromnetze dürften den Kupferverbrauch weiter treiben. Die Minenproduktion und das Recycling könnten nach seiner Einschätzung nicht schnell genug folgen.
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Zugleich sieht Frick weiter hohe Schwankungen am Ölmarkt. Geopolitische Risiken hätten im April einen deutlichen Risikoaufschlag in den Preisen hinterlassen. Selbst nach einer leichten Entspannung bleibe die Unsicherheit über gestörte Energieflüsse hoch.
Weiteres Risiko für die Chipbranche
Frick warnt vor einer neuen Verwundbarkeit in der globalen Halbleiter-Lieferkette. Der Konflikt im Nahen Osten habe die Versorgung mit Helium belastet. Angriffe auf Energieinfrastruktur in Katar hätten die Erdgasförderung gestoppt und damit schätzungsweise 30 bis 40 Prozent der weltweiten Heliumproduktion beeinträchtigt.
Helium macht nur einen kleinen Teil der Kosten in der Chipproduktion aus. Für moderne Fertigungsprozesse bleibt es aber unverzichtbar. Dazu zählt die Lithografie mit extrem ultraviolettem Licht. Nach Einschätzung von Frick dürften Chipproduzenten und medizinische Einrichtungen bei knappen Lieferungen bevorzugt versorgt werden.
Der Chip-Crash zeigt damit mehrere Risiken zugleich. Hohe Bewertungen, steigende Zinssorgen, enttäuschte Erwartungen bei Künstlicher Intelligenz und neue Lieferkettenprobleme treffen auf einen Markt, der lange nur eine Richtung kannte. Für Anleger wird die Frage nun lauter, ob der Rücksetzer eine Kaufchance ist oder der Beginn einer größeren Neubewertung.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion

