Börsengang als Zeitbombe
SpaceX könnte diese Woche einen 50-Milliarden-Sell-off bei KI-Aktien lostreten
Strategen warnen vor einer gefährlichen Kettenreaktion: Anleger könnten Tech- und KI-Aktien im Wert von bis zu 50 Milliarden US-Dollar verkaufen, um beim SpaceX-IPO dabei zu sein.
- SpaceX-IPO zieht Kapital aus Tech- und KI-Markt
- Nasdaq-Regeln erhöhen Indexgewicht und Zwangskäufe
- Zinsangst und Inflation machen Techaktien fragil
- Report: Achtung, Korrektur!
Der bevorstehende Börsengang von SpaceX könnte nach Einschätzung mehrerer Strategen massive Turbulenzen an den Aktienmärkten auslösen. Hintergrund ist die enorme Nachfrage nach Aktien des Elon-Musk-Konzerns, die Anleger dazu zwingen könnte, große Positionen in anderen Tech- und KI-Werten zu verkaufen, um Kapital für den wohl größten Börsengang aller Zeiten freizumachen.
SpaceX will beim IPO mindestens 75 Milliarden US-Dollar einnehmen und strebt eine Bewertung von rund 1,77 Billionen US-Dollar an. Damit würde das Unternehmen sofort zu den wertvollsten börsennotierten Konzernen der USA gehören. Der Handelsstart an der Nasdaq unter dem Kürzel SPCX ist für Freitag geplant.
Greg Boutle, Leiter der US-Aktienderivatstrategie bei BNP Paribas, warnt bereits vor erheblichen Marktverwerfungen. Besonders problematisch sei, dass sich zahlreiche Kapitalströme gleichzeitig in dieselbe Richtung bewegen könnten. Neben passiven Fonds dürften vor allem Privatanleger massiv Geld in die Aktie schieben.
"Wenn alle gleichzeitig kaufen oder verkaufen wollen, steigt das Risiko einer Preisverzerrung erheblich", zitiert Fortune Boutle. Er rechnet damit, dass Privatanleger und passive Investoren zusammen Aktien im Wert von bis zu 50 Milliarden US-Dollar verkaufen könnten, um SpaceX-Aktien zu kaufen.
Besonders betroffen könnten ausgerechnet die bisherigen Gewinner des KI-Booms sein. Laut Boutle könnten Anleger verstärkt Gewinne bei Halbleiter- und KI-Aktien mitnehmen, um Mittel für den IPO freizusetzen. Das Marktblutbad bei Chip-Aktien am Freitag könnte bereits ein erstes Warnsignal gewesen sein.
Zusätzlichen Druck erzeugen neue Regeln im Nasdaq 100, die SpaceX trotz eines geringeren Streubesitzes eine deutlich höhere Indexgewichtung verschaffen könnten. Dadurch drohen nach dem Börsengang noch stärkere Kursausschläge, weil Fonds und ETFs gezwungen sein könnten, die Aktie nachzukaufen.
Auch andere Strategen sehen den Börsengang als möglichen Wendepunkt für den Markt. Philip Blancato von Osaic sprach gegenüber CNBC von einem "wegweisenden Ereignis". Der Markt müsse sich nun mit mehreren Billionen-Dollar-Börsengängen auseinandersetzen, darunter auch die geplanten IPOs von OpenAI und Anthropic.
Gleichzeitig verschlechtert sich das Umfeld für Technologieaktien ohnehin bereits. Starke US-Arbeitsmarktdaten haben Sorgen vor länger hohen Zinsen geschürt, während die Inflation weiter anzieht. Der Nasdaq verzeichnete seine schwächste Woche des Jahres, nachdem Chip-Aktien zum Ende des Wochenverlaufs massiv eingebrochen waren.
Die Sorge vieler Strategen: Der historische Hype rund um SpaceX könnte genau in dem Moment Liquidität aus dem Markt ziehen, in dem die Stimmung für Tech- und KI-Aktien ohnehin fragiler wird.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
Der US Tech 100 wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +1,36 % und einem Kurs von 29.368PKT auf Ariva Indikation (08. Juni 2026, 16:08 Uhr) gehandelt.

