Schulden untragbar
Den USA droht schon in 13 Jahren der Staatskollaps
Die USA könnten schon 2039 den Punkt erreichen, ab dem sie nicht mehr in der Lage sind, ihre Schulden noch zu bedienen. Dafür müsste es nur so weiterlaufen wie bisher.
- US-Staatsverschuldung könnte bereits 2039 kollabieren
- Steigende Gesundheitskosten treiben Verschuldung stark
- Dauerhafte 15 Prozentpunkte Steuer auf Arbeitseinkommen erforderlich
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Der Schuldenberg der USA ist in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter und weiter gestiegen. Während er Anfang der 1980er Jahre noch weniger als 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betrug, pendelt er aktuell knapp unter der Marke von 100 Prozent (gemessen an den bereinigten Schulden im Besitz der Öffentlichkeit, "Debt Held by the Public"). Diese Entwicklung könnte in den nächsten Jahren an Schwung gewinnen und die weltgrößte Volkswirtschaft in die Insolvenz treiben, zeigt eine aktuelle Untersuchung der renommierten Wharton School.
Während offizielle Prognosen die absolute Belastungsgrenze der US-Verschuldung noch in weiter Ferne sehen, zeigt das hochentwickelte Wirtschaftsmodell der Forscher, dass der finanzielle Kollaps unter unglücklichen Bedingungen dramatisch schnell näher rücken könnte. Im schlimmsten Fall trennen die größte Volkswirtschaft der Welt nur noch 13 Jahre von der rechnerischen Insolvenz.
Das Modell der Wharton-Forscher definiert die äußerste Grenze für die US-Verschuldung bei 210 Prozent des BIP. Sobald diese Marke überschritten wird, bricht das System mathematisch zusammen. Dass dieses Schreckensszenario bereits im Jahr 2039 Realität werden könnte – wofür das Modell eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent errechnet –, liegt an der fatalen Kombination von zwei Haupttreibern. Das größte Problem der US-Defizite sind die staatlichen Sozial- und Gesundheitsprogramme (wie Medicare). Steigen die Kosten pro Kopf im historischen Trend der letzten Jahrzehnte weiter an (statt sich wie von der Haushaltsbehörde CBO gehofft einzupendeln), steigert dies die Staatsverschuldung um astronomische Summen.
Hinzu kommen die Auswirkungen der protektionistischen Politik der US-Regierung. Das Standardmodell der USA basiert darauf, dass ausländische Investoren rund 40 Prozent der US-Schulden aufkaufen. Werden jedoch dauerhafte, hohe Zölle auf Importe erhoben, schrumpft dieser internationale Kapitalzufluss drastisch (auf geschätzte 20 Prozent), da die US-Wirtschaft für globales Kapital weniger attraktiv und wettbewerbsfähig wird. Zölle verkürzen die verbleibende Zeit bis zum Kollaps um zwei bis vier Jahre, warnen die Forscher.
Wenn sich die USA dieser 210-Prozent-Grenze nähern, hat das verheerende Auswirkungen auf die Anleihemärkte. Da der Staat für seine Schuldenfinanzierung immer mehr Treasuries auf den Markt wirft, müssen die Zinsen dafür massiv angehoben werden, um überhaupt noch Käufer zu finden. Dadurch würde sich der risikofreie Zins laut der Studie nahezu verdoppeln. Da der Staat dann aber alles verfügbare Geld der Sparer und Märkte aufsaugt, bleibt kein Kapital mehr für produktive Investitionen in der Privatwirtschaft. Die Folge: Die Infrastruktur verfällt, die Wirtschaft schrumpft, die Löhne sinken (bis 2060 um rund 6 Prozent).
Das größte Risiko ist jedoch, dass die Märkte nicht warten, bis die 13 Jahre abgelaufen sind. Sobald die Investoren den Glauben verlieren, dass der Kongress und der Präsident jemals die fiskalische Reißleine ziehen, droht ein Ausverkauf bei den US-Staatsanleihen, die Renditen würden schlagartig goch katapultiert werden. Wenn die Märkte abrupt die Refinanzierung verweigern, rutschen die USA in die Illiquidität und den Zahlungsausfall. Das Vertrauen ist das Fundament; bricht es weg, schrumpfen alle theoretischen Fristen sofort auf null.
Rein rechnerisch kann die Entwicklung gestoppt werden, indem am Tag X radikale Maßnahmen ergriffen werden, um die Schuldenquote stabil bei 210 Prozent einzufrieren, erklären Autoren Kent Smetters und Hangjun He, die Autoren der Studie. Dafür bräuchte es allerdings eine permanente, zusätzliche Steuer von rund 15 Prozentpunkten auf ALLE Arbeitseinkommen – und zwar ohne die bisher üblichen Beitragsbemessungsgrenzen, die hohe Einkommen schützen. Diese neue Steuer würde mehr Geld verschlingen als die gesamten heutigen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge für die US-Rentenversicherung (Social Security) und die staatliche Krankenversicherung (Medicare Part A) zusammen.
Dieser mathematische Rettungsanker gleicht allerdings einer wirtschaftlichen und politischen Kernschmelze. Der Bevölkerung wären solche Einschnitte kaum vermittelbar und jede Regierung stünde vor dem Aus, wenn sie so etwas auch nur vorschlagen würde. Je länger Washington die Augen vor den steigenden Gesundheitskosten und den Gefahren des Protektionismus verschließt, desto brutaler wird der Aufprall an der harten Wand der Realität. Viel Zeit bleibt nicht mehr.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


