Kupfer: Könnte bald knallen
Kupferpreis vor Rallye: Spricht dieses Signal für einen kräftigen Anstieg?
Preisbeben bei den Metallen – Gold und Silber mussten zuletzt kräftige Preisrückgänge hinnehmen. Kupfer hielt sich auffällig stabil, obgleich auch der Kupferpreis nachgeben musste. Ist Kupfer jetzt die bessere Wahl?
- Kupfer stabil trotz Zinsangst und starkem Dollar
- Langfristiges Kupferdefizit durch Nachfrage und KI
- Sinkende LME-Bestände könnten Rallye auslösen
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Kupferpreisentwicklung aktuell: Im Würgegriff der Zinsangst und des US-Dollars
Bange machen gilt nicht! Zwar durchkreuzten Gewinnmitnahmen den jüngsten Sturm des Kupferpreises (COMEX) in Richtung 7 US-Dollar, doch der Preis für das Industriemetall zeigt sich erstaunlich robust. Kupfer notiert noch immer oberhalb der zentralen Unterstützungszone 6,2 US-Dollar / 6,0 US-Dollar.
Nicht zuletzt trübte der US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag die Stimmung an den Edelmetall- und Rohstoffmärkten ein. Nach dessen Veröffentlichung bekamen unter anderem die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen Oberwasser und auch der US-Dollar-Index nahm Fahrt auf. Der Goldpreis brach ein und auch der Silberpreis erreichte aufgrund der Abgaben eine kritische Zone.
Die Zinsangst wird aktuell von zwei Seiten befeuert – einerseits sind es die hohen Ölpreise, die infolge der geopolitischen Gemengelage nicht von ihren exponierten Niveaus herunterkommen, andererseits bauen die anstehenden US-Preisdaten im Hinblick auf die Fed-Leitzinsentscheidung in der kommenden Woche eine Drohkulisse auf. Am Mittwoch (10. Juni) werden die wichtigen US-Verbraucherpreisdaten und am Donnerstag die US-Erzeugerpreisdaten veröffentlicht. Am 16. Juni und 17.06. tagt das FOMC der Fed.
Kupfermarkt: Kurzfristig vermeintlich gut versorgt, langfristig wohl stark defizitär
Kupfer wird in zahlreichen Zukunftstechnologien verbaut. Doch keines erhitzt die Gemüter so sehr, wie das Thema KI und die damit verbundenen Rechenzentren. Amazon, Meta Platforms, Microsoft oder aber Nvidia etwa in Verbindung mit der Deutschen Telekom bauen Rechenzentren oder wollen sie bauen. Und so blickte man angesichts des zuletzt eskalierenden KI-Hypes auch immer mit einem Auge auf den Kupferpreis. Die Auswirkungen dürften begrenzt geblieben sein. Entsprechend tangierte es den Kupferpreis auch nicht sonderlich, als der KI-Sektor zuletzt etwas Dampf ablassen müsste. Geht es nach den Analysten, dann wird das Thema KI die langfristige Defizitsituation im Kupfermarkt manifestieren, um nicht zu sagen, in Beton gießen. Kurzfristig präsentiert sich der Markt allerdings gut versorgt, wie unter anderem die in der letzten Kupfer-Kommentierung vom 26. Mai an dieser Stelle thematisierten ICSG-Daten belegen.
Sind sinkende Lagerbestände ein Indiz für bald anziehende Kupferpreise?
Ist es nun soweit? Seit Wochen beobachten wir an dieser Stelle die potenzielle Top-Bildung in der Entwicklung der Kupferlagerbestände an der LME. Zuletzt kam Bewegung in die Angelegenheit, begannen doch die Bestände an der LME deutlicher zu sinken. Noch sollte man das Ganze noch nicht überbewerten. Kurzfristige Veränderungen in der Lagerbestandsentwicklung sind noch nicht aussagekräftig. Sollte sich der Trend jedoch manifestieren und sich der Abbau womöglich sogar beschleunigen, wäre das keine allzu schlechte Voraussetzung für eine Kupferpreisrallye.
Fazit – Kupfer vor Rallye
Aus charttechnischer Sicht sorgt das kleine Doppeltop im Bereich von 6,7 US-Dollar noch für leichtes Unbehagen. Auf der Unterseite ist der Kupferpreis hingegen durch die Zone 6,2 US-Dollar / 6,0 US-Dollar abgesichert. Die technischen Indikatoren haben soweit auskorrigiert, dass auch von dieser Seite die Ampeln auf Grün springen. Kurzum: Unter charttechnischen Aspekten steht einer Wiederaufnahme der Rallye in Richtung 7,0 US-Dollar / 7,5 US-Dollar nicht viel Weg, von dem Widerstand im Bereich von 6,7 US-Dollar einmal abgesehen.
Von fundamentaler Seite bedarf es noch eines Anstoßes. Und dieser könnte unter anderem von den anstehenden US-Preisdaten kommen. Sollten sich die Zinsängste dadurch abkühlen, könnte das die Anleiherenditen beruhigen und den US-Dollar wieder in die Defensive bringen – für Gold, Silber und Kupfer wäre das nicht das schlechteste Szenario. Allerdings muss auch mit Gegenteiligem gerechnet werden.
Unterm Strich gilt dennoch, dass auf lange Sicht die Kupferstory intakt ist. Eine Belebung der Kupfernachfrage scheint nur eine Frage der Zeit zu sein und dann wird sich zeigen, ob die schwerfällige Angebotsseite in der Lage ist, mitzuhalten.
Für meinungsstarke Anleger und Investoren dürfte die aktuelle Schwäche auf lange Sicht enorme Chancen bieten. Der Fokus könnte sich dabei auf Goldproduzenten mit einem großen Kupfersegment – wie etwa Barrick oder Newmont – richten oder aber auf Kupferproduzenten mit einem großen Goldsegment, wie etwa Freeport-McMoRan oder Hudbay Minerals.
Autor: Marcel Torney, freier Redakteur, Rohstoffexperte
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