Was ist mit der Aktie los?
Neue Aufträge und trotzdem nix los: Nordex wirft langsam Fragen auf!
Für den Hersteller von Windkraftanlagen läuft es unverändert gut, wie neue Aufträge zeigen, doch die Aktie kann davon nicht profitieren, sie fällt sogar.
- Anhaltend starke Auftragslage inkl Serviceverträgen
- Nordex-Aktie fällt unter 40 Euro, Gap bei rund 35 Euro
- Bewertungskorrektur bietet Chancen für Geduldige
- Report: SpaceX-Hype zu teuer – Diese 5 Aktien bieten bessere Chancen
Trotz starker Auftragslage: Nordex-Aktie geht die Puste aus
Nach einem sehr starken Börsenjahr 2025 und einem schwungvollen Jahresauftakt scheint bei der Aktie von Nordex inzwischen die Luft raus zu sein. Seit dem Erreichen eines Mehrjahreshochs bei 51,70 Euro geht es für die Anteile des Windkraftanlagenherstellers bergab – trotz anhaltend hoher Energiepreise und einer unverändert starken Auftragslage.
Auch am Dienstag steht das Papier unter erheblichem Verkaufsdruck, obwohl Nordex am frühen Morgen per Pressemitteilung den Erhalt neuer, großer Aufträge bekannt gegeben hatte – nur einen Tag nach einem noch deutlich größeren Auftragseingang.
Viele neue Aufträge aus Südeuropa, darunter auch der Türkei
Verträge über die Installation von 34 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 155 Megawatt hat Nordex in den vergangenen Wochen nach eigenen Angaben erhalten. Dabei soll es sich neben südeuropäischen Kunden auch um die Türkei als Abnehmer handeln. Genauere Angaben zu den Einzelkunden wollte Nordex jedoch nicht machen. Erst Ende Mai hatte das Unternehmen einen 110 Megawatt starken Auftrag aus der Türkei erhalten. Das zeigt die wachsende Bedeutung des Marktes.
Was der Konzern jedoch betonte, war der Umstand, dass die Verträge nicht nur die Lieferung, sondern auch die Wartung und Instandhaltung der Anlagen umfasst. Langfristige Service- und Wartungsverträge sind für Nordex besonders wichtig, weil sie als margenstark gelten und die finanzielle Visibilität verbessern, da sie für berechenbare Cashflows sorgen.
Auch aus Deutschland kommen unverändert viele Buchungen
Bereits zum Wochenauftakt hatte Nordex eine ganze Reihe von Aufträgen aus dem deutschen Heimatmarkt mitgeteilt. Für nicht weniger als 14 Projekte wird Nordex in den kommenden Jahren insgesamt 39 Anlagen liefern. Auch diese Aufträge sehen Serice- und Wartungsdienstleistungen vor.
Nordex hob insbesondere einen 35-Megawatt-Auftrag hervor, der aus einem Bürgerwindprojekt entstanden ist, und betonte: "Die wachsende Bedeutung lokaler Beteiligungsmodelle für den weiteren Ausbau der Windenergie in Deutschland. Bürgerwindparks ermöglichen es Kommunen und Anwohnern, direkt an Erlösen der Windparks zu partizipieren und profitieren gleichzeitig von moderner, effizienter Anlagentechnologie."
Aktie weitet Verluste aus, Gap-Close zu befürchten
Obwohl die wiederholten Erfolgsmeldungen einen anhaltend starken Auftragseingang belegen und Sorgen um die Nachhaltigkeit des Nachfragebooms adressieren, profitiert die Nordex-Aktie derzeit nicht. Am Montag startete sie zwar schwungvoll in die neue Handelswoche, angetrieben vom neuerlichen Anstieg der Energiepreise, konnte diese Gewinne aber nicht halten.
Am Dienstagvormittag verliert sie rund 3 Prozent an Wert. Mit Kursen unter 40 Euro handelt die Aktie gegenüber ihren erst kürzlich erzielten Mehrjahreshochs bereits mit einem Abschlag von 20 Prozent, wodurch die 50-Tage-Linie als Unterstützung bereits aufgegeben wurde und es zu einem ersten Verkaufssignal gekommen ist. Gelingt den Bullen kein rascher Konter und eine Rückeroberung der 40-Euro-Marke, dürfte die bei rund 35 Euro noch offene Kurslücke zeitnah geschlossen werden. Auch ein Test der 200-Tage-Linie bei 33,22 Euro ist denkbar.
Fazit: Bewertungskorrektur mit Chancen für Geduldige
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung steht für 2026 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20,9 zu Buche, für das darauffolgende Geschäftsjahr ist Nordex mit rund dem 17-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet. Das entspricht in etwa den Vielfachen von Mitbewerbern wie Orsted und Vestas und deutet darauf hin, dass die jüngste Korrektur eine zwischenzeitliche Überbewertung der Aktie gegenüber dem Rest der Branche abbaut.
Für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger ist das ein gutes Zeichen, da es die Aktie um überbordende Spekulation bereinigt und den Kursanstieg auf eine nachhaltige Basis stellt. Sollte Nordex bis 35 Euro zurücksetzen, um die hier liegende Kurslücke zu schließen, böte das eine sowohl technisch als auch fundamental aussichtsreiche Einstiegschance.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion
Die Nordex Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -1,09 % und einem Kurs von 39,82EUR auf Tradegate (09. Juni 2026, 10:08 Uhr) gehandelt.
