1-Milliarde-Deal
Alzheimer-Hammer: Lilly schickt Mini-Biotech um 553 % nach oben
Eli Lilly setzt mit AlzeCure auf eine Alzheimer-Tablette – und lässt die Aktie des kleinen Biotechs um mehr als 550 Prozent explodieren.
- Lilly lizenziert AlzeCure ACD680 mit 10 Mio Dollar
- ACD680 senkt Aβ42 präklinisch um über 50 Prozent
- AlzeCure Aktie steigt 553 Prozent auf 0,546 Euro
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Eli Lilly hat mit AlzeCure Pharma einen Kooperations- und Lizenzvertrag über potenziell mehr als 1 Milliarde US-Dollar für das Alzheimer-Projekt Alzstatin ACD680 von AlzeCure Pharma unterzeichnet. Das in Schweden börsennotierte, auf Alzheimer spezialisierte Unternehmen erhält von dem Pharmariesen eine Vorauszahlung von 10 Millionen US-Dollar. Laut einer Pressemitteilung vom Dienstag hat es zudem Anspruch auf Meilensteinzahlungen und gestaffelte Umsatzbeteiligungen im mittleren einstelligen Prozentbereich.
Der Abschluss des Geschäfts steht weiterhin unter dem Vorbehalt üblicher Abschlussbedingungen, einschließlich der Genehmigung gemäß den schwedischen Vorschriften für ausländische Direktinvestitionen. Lilly kauft hier nicht ein spätes Alzheimer-Asset, sondern sichert sich sehr früh ein oral einnehmbares Small-Molecule-Projekt gegen Amyloid-Ablagerungen. Das macht den Deal strategisch interessant, aber auch hochriskant.
Das Projekt befindet sich laut Reuters und AlzeCure noch in der präklinischen Entwicklung. Die 1 Milliarde US-Dollar ist also kein fixer Kaufpreis, sondern der mögliche Gesamtwert aus Entwicklungs- und kommerziellen Meilensteinen. Sicher ist zunächst nur die Vorauszahlung von 10 Millionen US-Dollar plus mögliche Lizenzgebühren im mittleren einstelligen Prozentbereich auf spätere Umsätze.
ACD680 ist ein Gamma-Sekretase-Modulator. Der Wirkstoff soll die Produktion des toxischen Amyloid-beta-Proteins Aβ42 senken, das als Baustein der typischen Alzheimer-Plaques gilt. Gleichzeitig soll ACD680 die Bildung kürzerer Aβ-Varianten wie Aβ37 und Aβ38 erhöhen, die nach Darstellung von AlzeCure weniger aggregationsfreudig sind und die Plaquebildung begrenzen könnten.
Lilly ist mit Kisunla bereits im Alzheimer-Markt vertreten. Kisunla ist ein Antikörper gegen Amyloid-Plaques und wurde 2024 in den USA für frühe symptomatische Alzheimer-Erkrankung zugelassen. Lilly berichtete damals, dass Kisunla in der Phase-3-Studie den kognitiven und funktionellen Abbau bei bestimmten Patientengruppen um bis zu 35 Prozent verlangsamte.
ACD680 wäre strategisch eine andere Art von Alzheimer-Wette: Tablette statt Infusion, früherer Einsatz, potenziell auch ergänzend zu Antikörpern. AlzeCure argumentiert, dass ein Small-Molecule-Wirkstoff leichter oral verabreicht werden kann, kostengünstiger herzustellen ist und besser die Blut-Hirn-Schranke erreichen könnte als große biologische Therapien. Auf der Alzstatin-Seite schreibt das Unternehmen zudem, der Kandidat habe in vivo eine Reduktion toxischen Aβ42 von mehr als 50 Prozent gezeigt; das ist allerdings präklinisch und damit noch kein klinischer Wirksamkeitsnachweis beim Menschen.
Das ist weniger ein kurzfristiger Umsatztreiber für Lilly als ein strategischer Optionsschein auf die nächste Alzheimer-Therapiewelle. Für AlzeCure ist es dagegen ein Validierungsereignis: Ein globaler Pharmakonzern zahlt für ein präklinisches Projekt, das noch weit vom Markt entfernt ist. Genau darin liegt die Story: kleiner schwedischer Alzheimer-Spezialist, großer Lilly-Scheck, aber noch ein langer Weg bis zur Tablette gegen Plaques.
Die Aktie von AlzeCure ist am Dienstag (10:30 Uhr, MESZ) auf der Deutschen Börse Frankfurt 553,11 Prozent im Plus. Ein Anteilsschein kostet 0,546 Euro.
Die Aktie von Eli Lilly ist am Dienstag (10:30 Uhr, MESZ) 0,80 Prozent im Plus. Ein Anteilsschein kostet 1004,20 Euro.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion

