USDT als Dollar-Ersatz
Tether verdient Milliarden: Wird dieser Stablecoin jetzt zur Gefahr für Banken?
Tether verdient mit US-Staatsanleihen Milliarden und drängt in den Zahlungsverkehr. Doch je größer USDT wird, desto lauter wird eine Frage: Stablecoin-Revolution oder neues Systemrisiko?
- Tether verdient Milliarden mit US-Staatsanleihen
- USDT als Liquiditätstreiber mit 500 Millionen Nutzern
- Wachsende USDT-Größe erhöht Systemrisiko und Ansteckung
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Tether hat sich von einem umstrittenen Krypto-Anbieter zu einem zentralen Akteur der digitalen Finanzwelt entwickelt. Das schreibt Jonathan Osswald, Analyst der DZ Bank, in einer aktuellen Analyse. Der Emittent des Stablecoins USDT kommt demnach auf eine Marktkapitalisierung von rund 190 Milliarden US-Dollar. Für 2025 meldete das Unternehmen einen Gewinn von rund zehn Milliarden US-Dollar.
USDT ist an den US-Dollar gekoppelt. In westlichen Ländern dient der Token vor allem als Handelsinstrument auf Kryptobörsen. In Ländern mit hoher Inflation und schwachen Währungen wird er dagegen zunehmend als digitaler Ersatz für Bargeld in US-Dollar genutzt.
Tether spricht inzwischen von mehr als 500 Millionen Nutzern. Das Handelsvolumen liegt laut des Unternehmens häufig im hohen zweistelligen Milliardenbereich in US-Dollar. Damit ist USDT eines der wichtigsten Liquiditätsinstrumente im Kryptomarkt.
Das Geschäftsmodell ist einfach und profitabel. Für jeden ausgegebenen USDT hält Tether nach eigenen Angaben Reserven im Gegenwert von einem US-Dollar. Rund 140 Milliarden US-Dollar davon sollen laut Osswald in US-Staatsanleihen liegen. Die Zinserträge daraus machen Tether zu einer extrem profitablen Firma.
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Das Unternehmen sitzt in El Salvador und beschäftigt nur rund 300 Mitarbeitende. Der Gewinn pro Kopf ist damit außergewöhnlich hoch. Gleichzeitig bleibt Tether umstritten. Kritiker stellen seit Jahren Fragen zur Transparenz und zur tatsächlichen Deckung der Reserven.
Tether investiert inzwischen auch in Gold, Bitcoin, Land und Unternehmensbeteiligungen. Allein im vergangenen Jahr kaufte das Unternehmen laut Osswald rund 70 Tonnen Gold. Insgesamt hält Tether mehr als 140 Tonnen.
Auch im klassischen Zahlungsverkehr will Tether wachsen. Mit USAT hat das Unternehmen einen regulierten Stablecoin für den amerikanischen Markt vorgestellt. Händler könnten damit Kreditkartengebühren vermeiden und Zahlungen schneller abwickeln.
Mit der Größe steigen die Risiken
USDT verbindet Kryptobörsen, Wallets, dezentrale Finanzanwendungen und Derivatemärkte. Gerät ein großer Stablecoin unter Druck, könnten Liquidität, Besicherung und Preisbildung im Kryptomarkt gleichzeitig leiden.
Auch die Verbindung zur traditionellen Finanzwelt wächst. Börsengehandelte Fonds auf Kryptowährungen und tokenisierte Vermögenswerte erhöhen die Ansteckungsgefahr. Der Internationale Währungsfonds warnt bereits vor Risiken für die globale Finanzstabilität durch stark wachsende Stablecoins.
Für Tether werde Vertrauen deshalb zur entscheidenden Währung, so Osswald. Eine angekündigte vollständige Prüfung durch KPMG könnte Zweifel an den Reserven ausräumen. Zugleich sieht der Analyst großes Zukunftspotenzial. Stablecoins könnten im Zeitalter Künstlicher Intelligenz zur Zahlungsinfrastruktur für autonome digitale Agenten werden.
Tether steht an einem Wendepunkt
Das Unternehmen ist längst mehr als ein Krypto-Dienstleister. Es ist Stablecoin-Emittent, Großinvestor in US-Staatsanleihen, Goldkäufer und möglicher Herausforderer im Zahlungsverkehr. Genau diese Größe mache Tether aber auch zu einem Risiko, das Anleger und Regulierer nicht mehr ignorieren können.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
