Sündenbock gesucht
Saylor gibt KI die Schuld am Bitcoin-Crash – doch alle anderen zeigen auf ihn
Während Saylor den Bitcoin-Crash auf den KI-Boom schiebt, sehen Kritiker zunehmend Strategy selbst als aktuell größtes Risiko für Bitcoin.
- Strategy-Verkauf von 32 Bitcoin löste Abverkauf aus
- Dorman warnt vor Zwangsverkäufen und anhaltendem Druck
- Saylor sieht KI-Boom als Ursache, Kritiker bezweifeln
- Report: Achtung, Korrektur!
Der heftige Bitcoin-Abverkauf der vergangenen Woche entwickelt sich zunehmend zu einer offenen Schuldzuweisung innerhalb der Kryptobranche. Während Saylor den jüngsten Kurssturz auf massive Kapitalumschichtungen in den KI-Sektor zurückführt, halten Kritiker diese Erklärung für vorgeschoben und sehen stattdessen Strategy selbst als Auslöser der Panik am Markt.
Bitcoin verliert zweistellig
Bitcoin verlor in der vergangenen Woche 15 Prozent und fiel zeitweise auf 60.000 US-Dollar zurück. Der Abverkauf begann nachdem Strategy den Verkauf von 32 Bitcoin bekanntgegeben hatte. Zwar entsprach die Transaktion lediglich rund 2,5 Millionen US-Dollar und wirkt angesichts der weiterhin mehr als 845.000 gehaltenen Bitcoin unbedeutend.
Wird Strategy zum Zwangsverkäufer?
Laut Jeff Dorman, Chief Investment Officer der Krypto-Investmentfirma Arca, ging es aber auch nie um die 32 verkauften Bitcoin selbst. Entscheidend sei vielmehr gewesen, was dieser Verkauf impliziere, nämlich dass Strategy möglicherweise gezwungen sein könnte, künftig deutlich größere Mengen an Bitcoin zu liquidieren, um finanzielle Verpflichtungen bedienen zu können.
Dorman warnt davor, dass Strategy nach aktuellen Berechnungen nur noch über rund fünf Monate finanziellen Spielraum verfügen könnte.
"Wenn der größte Käufer der Welt zum Zwangsverkäufer wird, wird der Markt so lange Druck ausüben, bis Blut fließt“, schrieb Dorman.
Laut Dorman sei Saylor "praktisch süchtig danach, Bitcoin zu kaufen." Statt einer einmaligen milliardenschweren Kapitalaufnahme, die die Vorzugsdividenden für Jahre absichern könnte, erwartet Arca daher weitere schrittweise Verkäufe kleiner Bitcoin-Mengen — jeweils gerade groß genug, um laufende Verpflichtungen zu erfüllen. Genau diese Unsicherheit könnte den Markt dauerhaft unter Druck setzen.
Saylors KI-Erklärung sorgt für Gegenwind
Michael Saylor selbst machte für den Crash nicht interne Finanzierungsprobleme verantwortlich, sondern den weltweiten KI-Boom. Die enormen Investitionen in KI-Infrastruktur würden derzeit historisch große Mengen Kapital absorbieren und dadurch temporären Druck auf globale Märkte ausüben. Bitcoin bleibe seiner Ansicht nach dennoch langfristig der wichtigste digitale Wertspeicher.
Autor: Pascal Grunow, wallstreetONLINE Redaktion

