EPH Group
EPH Group: „Im Luxussegment sehen wir eine starke internationale Nachfrage“
Mit Hilfe einer Kapitalerhöhung will die EPH Group ihr Portfolio weiter ausbauen. Welche Pläne der Projektentwickler im Bereich Luxustourismus hat, erläutert CEO Alexander Lühr in einem Exklusivinterview.
Bei der EPH Group läuft derzeit eine Kapitalerhöhung. Fast 143.000 neue Aktien können von Investoren bis zum 26. Juni zu je 72,00 Euro gezeichnet werden. Mit dem frischen Geld entwickelt EPH hochwertige Resortprojekte im Luxusbereich. Betreiber der Projekte in Bayern und Österreich werden danach bekannte internationale Hotel-Marken. Lühr geht in dem Interview auf die erste Projektübergabe sowie auf die Pipeline der Österreicher ein. Die Finanzierung der Projekte kommt ebenso zur Sprache wie die Positionierung von EPH. Die Gesellschaft setzt auf außergewöhnliche Standorte, wie Lühr deutlich macht. Dabei sieht der CEO für EPH eine große Chance: „Im Bereich der Premium- und Luxushotelentwicklung in Europa gibt es aktuell keinen dominanten, börsennotierten Player. Genau diese Lücke schließen wir.“
Die EPH Group ist seit Ende 2025 gelistet, am Markt aber noch nicht so sehr bekannt. Was machen Sie?
Lühr: Wir entwickeln renditestarke Hotel- und Resort-Projekte im Premium- und Luxussegment in Österreich, Deutschland und weiteren europäischen Top-Destinationen. Unser Fokus liegt auf der frühen Entwicklungsphase: Wir sichern attraktive Standorte und entwickeln diese bis zur Baureife inklusive Betreiberkonzept, bevor sie anschließend von internationalen Hotelmarken geführt werden.
Sie sind reiner Projektentwickler, gebaut wird von der EPH Group demnach nicht, oder?
Lühr: Der Schwerpunkt liegt derzeit auf der frühen Entwicklungsphase hochwertiger Resortprojekte. Unser Ziel ist es, die Projekte bis zur Baureife zu entwickeln und anschließend flexibel auf das jeweilige Marktumfeld zu reagieren.
Ermöglicht die Marktsituation eine Finanzierung durch die EPH selbst, realisieren wir die Projekte eigenständig. Alternativ veräußern wir die baureifen Projekte an internationale Investoren.
Dieser Ansatz erlaubt es uns, mehrere Projekte parallel zu entwickeln und gleichzeitig flexibel auf Marktchancen sowie Kapitalanforderungen zu reagieren.
Welche Kunden haben Sie, welche Betreiber könnten später ihre Projekte übernehmen?
Lühr: Zu unseren potenziellen Investoren zählen institutionelle Anleger, Immobilienfonds, Versicherungen, Family Offices sowie Investoren mit Fokus auf Hotels und Tourismusimmobilien. Auf Betreiberseite sprechen wir mit bekannten internationalen Marken aus dem Luxus- und Premiumsegment.
Gerade im Luxussegment sehen wir weiterhin eine starke internationale Nachfrage, insbesondere nach hochwertigen Boutique-Resorts, Premium-Wellness-Destinationen und nachhaltigen High-End-Konzepten. Genau in diesem Segment bewegen wir uns.
Wann werden Sie das erste Projekt übergeben können?
Lühr: Nach aktueller Planung rechnen wir noch im Jahr 2026 mit dem ersten Projektverkauf. Hotelprojektentwicklungen haben allerdings lange Zyklen. Zwischen Grundstückssicherung, Genehmigungen, Betreiberkonzept und Verkauf liegen oft mehrere Jahre.
Wie sieht Ihre Pipeline für neue Projekte aus?
Lühr: Wir haben aktuell neun gesicherte und fortgeschrittene Projekte, unter anderem in den Kitzbüheler Alpen, in Bayern, Kärnten, Vorarlberg und Oberösterreich.
Mit der Kapitalerhöhung stärken wir unsere Eigenkapitalbasis und schaffen die Grundlage, die bestehenden Projekte weiterzuentwickeln und neue Projekte zu sichern. Die Pipeline wächst kontinuierlich. Der Markt bietet derzeit sehr gute Möglichkeiten, weil viele Eigentümer oder kleinere Entwickler aufgrund gestiegener Finanzierungskosten nach Kapitalpartnern suchen oder ihr Projekt gänzlich abgeben möchten.
Kann es sein, dass ein Projekt scheitert, da Sie nicht die notwendigen Genehmigungen erhalten?
Lühr: Natürlich gibt es dieses Risiko. Gerade im Alpenraum spielen Raumordnung, Naturschutz oder Umweltverträglichkeit eine wichtige Rolle.
Wir versuchen Risiken frühzeitig zu erkennen, etwa durch Machbarkeitsstudien, Behördenabstimmungen und lokale Partner. Zudem erfolgen unsere Grundstücksankäufe meist unter der aufschiebenden Bedingung einer Baugenehmigung. Dieser Ansatz reduziert viel Risiko. Aber kein seriöser Entwickler kann garantieren, dass jedes Projekt genau wie geplant umgesetzt werden wird.
Ihr Listing bringt den Vorteil, dass Sie Grundstücke auch in Aktien bezahlen können. Wie ist die Reaktion der Verkäufer auf diese „Land-for-Equity“-Strategie?
Lühr: Das Interesse ist derzeit sehr groß, insbesondere bei Eigentümern, die langfristig an der Entwicklung partizipieren möchten. Unser Börsenlisting schafft hier die Grundlage. Das Land-for-Equity-Modell schont unsere Liquidität und verbessert mit jedem Deal unsere Bilanzstruktur sowie unser Eigenkapital. Für Verkäufer entsteht die Möglichkeit, Aktionär eines wachsenden Hotelentwicklungsunternehmens zu werden und am Erfolg aller unserer Projekte zu partizipieren. Gleichzeitig achten wir selbstverständlich auch auf die Interessen bestehender Aktionäre.
Sie haben 2023 und Anfang 2025 Anleihen begeben. Wie groß ist das bisher ausgegebene Volumen?
Lühr: Wir haben bislang zwei Unternehmensanleihen platziert: die EPH Bonds 2023–2030 sowie die EPH Bonds 2025–2032. Das bisher platzierte Volumen liegt bei rund 13 Millionen Euro. Sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer Wachstumsfinanzierung.
Und wie haben Sie das eingesammelte Geld genutzt?
Lühr: Im Wesentlichen für Projektankäufe und laufende Projektentwicklungen. Wir befinden uns weiterhin in einer frühen Wachstumsphase. Deshalb investieren wir derzeit hauptsächlich in Pipeline und Strukturaufbau.
Ist Luxustourismus in diesen Tagen überhaupt noch angesagt?
Lühr: Absolut. Gerade das Premium- und Luxussegment hat sich in den vergangenen Jahren als bemerkenswert resilient erwiesen. Premium-Reisedestinationen sind für vermögenden Zielgruppen längst zu einem festen Lifestyle-Bestandteil geworden.
Der globale Markt für Luxusreisen wächst laut McKinsey und Deloitte deutlich schneller als der klassische Massentourismus. Besonders gefragt sind neuwertige und nachhaltige High-End-Konzepte. Genau dort sehen wir uns positioniert.
Welche Zielgruppe soll später in die Hotels kommen?
Lühr: Unsere Projekte richten sich vor allem an internationale Individualreisende im gehobenen und Luxus-Segment, Premium-Familienreisende sowie anspruchsvolle Wellness- und Geschäftsreisende.
Gefragt sind heute hochwertige und erlebnisorientierte Hotels und Resorts statt standardisierte Hotelanlagen.
Wie viele Projekte können Sie realistisch jährlich bewältigen?
Lühr: Unser Geschäftsmodell erlaubt es uns, mehrere Projekte parallel zu entwickeln. Entscheidend bleibt für uns aber die Qualität der Projekte. Kurzfristig sehen wir eine niedrige bis mittlere einstellige Zahl neuer Projekte pro Jahr als realistisch.
Welche Expertise haben Sie im Bereich der Projektentwicklung von Tourismusobjekten?
Lühr: Unser Team vereint umfassendes Know-how aus den Bereichen Immobilienentwicklung, Hospitality, Recht, Finanzierung und Kapitalmarkt. Genau diese Kombination ist entscheidend, denn insbesondere die Finanzierung ist heute ein zentraler Erfolgsfaktor in der Projektentwicklung.
Gerade in einem Marktumfeld, in dem klassische Bankfinanzierungen nur eingeschränkt verfügbar sind, liegt unsere besondere Stärke in der kapitalmarktbasierten Finanzierung von Projekten. Unser Team verfügt hierbei über umfangreiche Expertise – von der Emission von Anleihen über Barkapitalerhöhungen bis hin zu Sachkapitalerhöhungen, insbesondere im Rahmen unseres Land-for-Equity-Modells, sowie weiteren innovativen Finanzierungsinstrumenten.
Genau diese Kapitalmarktkompetenz stellt unseren USP dar und unterscheidet uns klar von vielen klassischen Projektentwicklern am Markt.
Wie muss ein Grundstück sein, damit es für Sie interessant ist?
Lühr: Entscheidend sind Lage, internationale Erreichbarkeit, touristische Attraktivität und ganzjähriges Potenzial. Wir suchen keine beliebigen Grundstücke, sondern außergewöhnliche Standorte mit langfristiger Nachfragequalität.
Wie viele Luxushotels und Resorts werden in Österreich und Bayern noch benötigt?
Lühr: Entscheidend ist weniger die Anzahl als die Qualität der Standorte. Viele bestehende Häuser entsprechen heute nicht mehr den Erwartungen internationaler Premiumgäste. Gefragt sind nachhaltige, designorientierte und ganzjährig nutzbare Konzepte. Dort sehen wir weiterhin erhebliches Potenzial.
Die Analysten von NuWays sehen das Kursziel für die EPH-Aktien bei 102 Euro. Können Sie damit leben?
Lühr: Analystenziele kommentieren wir grundsätzlich nicht, aber es freut uns natürlich, wenn externe Analysten das Potenzial unseres Geschäftsmodells erkennen. Wesentlich ist für uns aber die langfristige Wertschaffung und nicht die kurzfristige Kursbewegung.
Wie sieht der Markt derzeit aus, wer sind Ihre Mitbewerber?
Lühr: Wir stehen weniger im Wettbewerb mit klassischen Hotelbetreibern als vielmehr mit Immobilienentwicklern, Family Offices und Investoren im Premium- und Luxussegment. Was den Markt aber besonders spannend macht: Im Bereich der Premium- und Luxushotelentwicklung in Europa gibt es aktuell keinen dominanten, börsennotierten Player. Genau diese Lücke schließen wir.
In Deutschland wird häufig über bürokratische Hemmnisse geklagt. Wie empfinden Sie dies bei Projekten in Österreich?
Lühr: Genehmigungsverfahren sind komplex, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich. Gerade im alpinen Raum spielen Umwelt-, Raumordnungs- und Infrastrukturthemen eine große Rolle.
Wir sehen die Vorgaben aber nicht nur als Hürde, sondern auch als Qualitätsfilter. Sie verhindern ein unkontrolliertes Überangebot und sorgen dafür, dass langfristig hochwertige Standorte entstehen.
Dieses Interview ist eine Kooperation von wallstreetONLINE mit der Redaktion von www.4investors.de.

