Nach 10 Jahren Streit
Merz und Macron begraben Kampfjet-Projekt: Airbus, MTU, Hensoldt gehen leer aus
Deutschland und Frankreich beenden ihr milliardenschweres Kampfjet-Projekt FCAS. Was das für Airbus, MTU und Hensoldt bedeutet, und welche drei Alternativen jetzt auf dem Tisch liegen.
- FCAS abgebrochen nach Streit um Aufgabenverteilung
- Geringe finanzielle Folgen für Airbus MTU Hensoldt
- Wahrscheinliche Zusammenarbeit mit Saab statt FCAS
- Report: Achtung, Korrektur!
Das gemeinsame Kampfflugzeugprojekt von Deutschland und Frankreich ist gescheitert. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben sich darauf verständigt, das Future Combat Air System (FCAS) in seiner bisherigen Form zu beenden. Hintergrund sind jahrelange Streitigkeiten zwischen den Industriepartnern Airbus und Dassault Aviation über die Aufgabenverteilung beim Bau des Jets.
Zudem ließen sich die militärischen Anforderungen beider Länder nicht unter einen Hut bringen: Paris braucht ein atomwaffenfähiges Trägerflugzeug, Berlin sucht einen Jet, der feindliches Territorium verdeckt angreifen kann.
Die DZ Bank bewertet das Ende des Projekts in seiner bisherigen Form ausdrücklich positiv: "Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende", heißt es in einer aktuellen Analyse der Frankfurter Bank. Der Ableger der genossenschaftlichen Finanzgruppe sieht die Entscheidung als überfällig an und hält alle drei betroffenen Aktien weiterhin für kaufenswert.
Für Airbus, MTU Aero Engines und Hensoldt hält sich der direkte finanzielle Schaden laut DZ Bank in Grenzen. Airbus hatte bislang nur einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag in das Programm investiert und dürfte in einer Nachfolgestruktur sogar mehr Aufgaben übernehmen als bisher.
Bei MTU Aero Engines, wo die laufende Projektphase noch bis Ende September läuft, liegt das Engagement aktuell im hohen zweistelligen Millionenbereich, verglichen mit dem erwarteten Jahresumsatz von rund 9,5 Milliarden Euro ist das eine überschaubare Größe. Rüstungselektronik-Spezialist Hensoldt hat rund 200 Ingenieure in das Programm eingebunden und sieht in einer Neuausrichtung des FCAS-Rahmens durchaus Chancen, da das Unternehmen sowohl im Sensorikbereich als auch bei vernetzten Systemarchitekturen gefragt bleiben dürfte.
Offen ist, wie es beim Kampfjet-Baustein weitergeht. Als Optionen nennt die DZ Bank drei Szenarien: Deutschland könnte einen eigenständigen Jet entwickeln, allerdings wäre das teuer und technisch riskant. Airbus Defence könnte versuchen, in das britisch-italienisch-japanische Projekt GCAP einzusteigen, was angesichts des weit fortgeschrittenen Projektstands jedoch sehr komplex wäre. Wahrscheinlicher gilt eine Zusammenarbeit mit dem schwedischen Rüstungskonzern Saab, dessen Gripen-Kampfjet technisch nicht weit vom europäischen Eurofighter entfernt ist.
Kritischer fällt das Urteil von M.M. Warburg-CIO Christian Jasperneite aus, der in dem Scheitern ein strukturelles Problem europäischer Rüstungskooperationen sieht. Projekte, bei denen nationale Wertschöpfungsanteile staatlich vorgeschrieben werden, produzieren nach seiner Einschätzung regelmäßig überteuerte und am Ende veraltete Ergebnisse. Als jüngstes Beispiel nennt er Frankreichs Rückzug aus dem Eurodrohnen-Projekt vor wenigen Wochen.
Jasperneite fordert, dass Europa mehr marktwirtschaftliche Prinzipien in der Rüstungsbeschaffung zulässt und auch den geplanten europäischen Kampfpanzer auf den Prüfstand stellt. Das gemeinsame FCAS-Rahmenprojekt, die sogenannte Combat Cloud zur Vernetzung verschiedener Waffensysteme und Sensoren, soll unterdessen fortgeführt werden.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
