Milliarden-Zuflüsse
Warum Staatsanleihen jetzt das große Comeback starten
Nach herben Verlusten schichten Profis heimlich um: Historisch hohe Renditen und Milliarden-Zuflüsse machen Staatsanleihen plötzlich wieder zur echten Aktien-Alternative.
- Profis schichten heimlich in Staatsanleihen um
- Historisch hohe Renditen locken wieder Anleger an
- Kapitalzuflüsse deuten auf Kurssteigerungen hin
- Report: SpaceX-Hype zu teuer – Diese 5 Aktien bieten bessere Chancen
Das bisherige Jahr war für Anleiheinvestoren eine historische Belastungsprobe. Anstatt in turbulenten Zeiten sofort als gewohnter "sicherer Hafen" zu fungieren, erlitten festverzinsliche Wertpapiere zunächst empfindliche Kursverluste. Inflationssorgen trieben die Renditen – und damit auch die Finanzierungskosten der Staaten – auf Mehrjahreshöchststände. Da steigende Renditen spiegelbildlich zu fallenden Kursen bereits existierender Papiere führen, gerieten die Portfolios von Rentenanlegern massiv unter Druck.
Doch genau diese schmerzhafte Korrektur hat nun das Fundament für ein beachtliches Comeback gelegt. Immer mehr Bond-Experten und globale Fondsmanager signalisieren, dass der Tiefpunkt am Rentenmarkt durchschritten sein könnte und festverzinsliche Wertpapiere vor einer spürbaren Renaissance stehen.
Durch den drastischen Renditeanstieg der letzten Monate sind Anleihen so günstig zu haben wie seit Jahren nicht mehr. Im direkten Gegenzug verharren die weltweiten Aktienindizes nahe ihren Rekordhochs und weisen zunehmend ambitionierte, teure Bewertungen auf. Bond-Investoren erhalten nun wieder eine ganz ordentliche Verzinsung für ihr Kapital – und das selbst in Regionen, die jahrelang von einer Null- oder Negativzinspolitik geprägt waren.
Deutsche Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren locken mittlerweile mit Renditen von rund 3,1 Prozent und markieren damit ein 15-Jahres-Hoch. Noch eindrucksvoller ist die Entwicklung in Japan: 10-jährige japanische Staatsanleihen werfen mit 2,6 Prozent so viel ab wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr.
Der klassische Nutzen eines gemischten Portfolios – die Annahme, dass Anleihen die Verluste bei fallenden Aktienmärkten effektiv abfedern – stand in den vergangenen Monaten stark unter Druck, da beide Anlageklassen zeitweise parallel fielen. Sobald der Markt seinen Fokus von der Inflation wieder auf das nachlassende globale Wirtschaftswachstum verlagert, werden Anleihen ihre traditionelle Pufferwirkung als risikoarme Anlageklasse vollständig entfalten, erwarten Experten.
Ihre Prognosen sind nicht unbegründet. Trotz der volatilen Performance der letzten Monate ist bereits ein massives institutionelles Interesse messbar. Seit dem Ausbruch der jüngsten Marktunsicherheiten flossen netto 12 Milliarden US-Dollar in Rentenfonds für Staatsanleihen aus entwickelten Märkten, belegen die jüngsten Daten des Finanzdatendienstleisters Lipper. Große Asset Manager nutzen das aktuell günstige Zinsumfeld folglich sehr aktiv und gezielt zum langfristigen Positionsaufbau.
Der Markt insgesamt legt allerdings noch ganz andere Schwerpunkte. Aktuell sind Investoren im Bereich Anleihen so stark untergewichtet sind wie seit Sommer 2022 nicht mehr, zeigt die jüngste weltweite Fondsmanager-Umfrage der Bank of America. Wer also zum jetzigen Zeitpunkt einsteigt, zählt eher zu den Außenseitern. Sollte der Markt aber tatsächlich drehen und die breite Masse der Anleger zwingen, ihre Untergewichtung aufzuholen, würde dies für zusätzlichen Kaufdruck und damit potenziell steigende Kurse führen.
Die Ausgangslage für Staatsanleihen ist heute so robust wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Die Kombination aus historisch hohen laufenden Renditen, im Vergleich zu Aktien sehr günstigen Kursbewertungen und den ersten messbaren, milliardenschweren Kapitalzuflüssen deutet darauf hin, dass die lange Durststrecke am Rentenmarkt ihr Ende finden könnte. Für Investoren mit einem längeren Anlagehorizont, die ihr Portfolio stabilisieren und von verlässlichen Erträgen profitieren wollen, bietet das aktuelle Marktumfeld einen der attraktivsten Einstiegspunkte seit sehr vielen Jahren.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

