Exportexplosion in China
KI-Chips, Autos, Rekorde: Chinas neue Handelsmacht wächst rasant
Der Boom bei KI-Chips und Hightech-Produkten beschert China überraschend starke Exportzahlen. Gleichzeitig wachsen neue Risiken im Welthandel.
- KI-Chips und Hightech beflügeln Chinas Exportwachstum
- Halbleiterexporte steigen massiv und treiben Rekorde
- Geopolitische Spannungen und Schwächen im Außenhandel
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Chinas Exportwirtschaft hat im Mai deutlich an Tempo gewonnen, wie Reuters berichtet. Die Ausfuhren stiegen im Jahresvergleich um 19,4 Prozent und übertrafen damit sowohl den Aprilwert von 14,1 Prozent als auch die Prognose der Ökonomen von 15 Prozent deutlich.
Auch die Importe entwickelten sich überraschend stark. Sie legten um 27,4 Prozent zu, nachdem bereits im April ein Plus von 25,3 Prozent verzeichnet worden war.
Vor allem die weltweit hohe Nachfrage nach Halbleitern, Fahrzeugen und weiteren Hightech-Produkten trieb das Wachstum an. Damit profitiert China weiterhin vom globalen Boom rund um Künstliche Intelligenz.
Halbleiter treiben Rekordzuwächse
Nach Daten der chinesischen Zollbehörden stiegen die Exporte von Geräten zur automatisierten Datenverarbeitung um 66,1 Prozent. Die Ausfuhren von Hightech-Produkten legten um 50,9 Prozent zu. Fahrzeugexporte erhöhten sich um 39 Prozent.
Besonders stark entwickelte sich der Halbleitersektor. Xing Zhaopeng, China-Stratege bei ANZ, sagte: "Die steigenden Chip-Preise stützen weiterhin die Exporte: Die Speicherpreise stiegen im Monatsvergleich um 20 Prozent, wodurch das Exportwachstum bei integrierten Schaltkreisen in diesem Monat auf 111 Prozent stieg."
Der Experte sieht weiterhin großes Potenzial. "Mit Blick auf die Zukunft ist das Thema KI noch lange nicht abgeschlossen – Chips verändern Chinas Handelslandschaft grundlegend", erklärte Xing.
Erste Schwächesignale außerhalb des Technologiesektors
Abseits der KI-getriebenen Industrien zeigen sich jedoch erste Bremsspuren. Die Möbelexporte stiegen lediglich um 1,9 Prozent. Spielzeugausfuhren gingen um 7 Prozent zurück. Die Exporte von Schuhen sanken sogar um 10,4 Prozent.
Zudem deuteten aktuelle Konjunkturdaten auf eine deutlich schwächere Nachfrage bei neuen Exportaufträgen hin. Damit wächst die Sorge, dass die Dynamik im Außenhandel nachlassen könnte.
Trotzdem bleibt der Exportsektor ein zentraler Wachstumstreiber für die chinesische Wirtschaft. Im Mai stieg der Handelsüberschuss auf 105,43 Milliarden US-Dollar nach 84,8 Milliarden US-Dollar im Vormonat.
Handelskonflikte bleiben ein Risiko
Mit den starken Exportzahlen wächst zugleich die internationale Kritik an Chinas Industriepolitik. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass fast 60 Prozent der Marktanteilsgewinne chinesischer Unternehmen auf staatliche Subventionen zurückzuführen seien.
Zhiwei Zhang, Chefökonom von Pinpoint Asset Management, warnte: "Besondere Aufmerksamkeit muss dem Risiko einer Eskalation zwischen China und wichtigen Handelspartnern wie Europa gewidmet werden", so Reuters.
Tatsächlich stiegen die chinesischen Exporte nach Europa im Mai um 7,6 Prozent. Die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten legten um 35,4 Prozent zu. Lieferungen nach Südostasien erhöhten sich um 24,3 Prozent.
Seltene Erden und KI bleiben die Trumpfkarten
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält China durch seine Dominanz bei seltenen Erden. Die Ausfuhren der für Elektroautos, Windkraftanlagen und Verteidigungstechnologien wichtigen Rohstoffe erreichten im Mai den höchsten Stand seit vier Monaten.
Sheana Yue von Oxford Economics erwartet deshalb weiterhin Rückenwind für die chinesische Wirtschaft. "Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Exporte auch im Jahr 2026 Chinas wichtigster Wachstumsmotor sein werden, gestützt durch anhaltende Exporte von Hightech- und Cleantech-Produkten, trotz der durch den Krieg bedingten Belastungen für die weltweite Nachfrage."
Damit bleibt der KI-Boom vorerst der wichtigste Wachstumsmotor für Chinas Außenhandel. Gleichzeitig nehmen die Risiken durch geopolitische Spannungen und zunehmende Handelskonflikte weiter zu.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
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