Boomer fürchten den Absturz
Amerikas reichste Generation hat Angst, im Alter ohne Geld dazustehen
Viele ältere Amerikaner besitzen Häuser, Vermögen und Aktien – und fürchten trotzdem, dass ihre Ersparnisse für ein immer längeres Leben am Ende nicht reichen.
- Vermögen vorhanden aber viele fürchten Geldnot
- Viele sitzen auf Häusern und können kaum umziehen
- Längeres Leben Altersvorsorge reicht oft nicht
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Die wirtschaftliche Macht der Babyboomer prägt die USA bis heute – und sorgt gleichzeitig für wachsenden Frust bei jüngeren Generationen. Denn obwohl viele ältere Amerikaner den Großteil des Vermögens und der Immobilien besitzen, fühlen sich zahlreiche Babyboomer selbst alles andere als wohlhabend. Statt entspannter "goldener Jahre" dominiert bei vielen die Angst, dass das Geld vor dem eigenen Leben ausgehen könnte.
In den vergangenen Jahren haben steigende Immobilienpreise, hohe Lebenshaltungskosten und eine längere Lebenserwartung die finanzielle Unsicherheit vieler älterer Amerikaner verschärft. "Viele von uns sind nur eine schlechte Diagnose davon entfernt, alles zu verlieren", schrieb ein Babyboomer in einer Reaktion auf einen Fortune-Bericht über den Generationenkonflikt in den USA.
Besonders deutlich wird das Problem beim Thema Rente. Laut Analysen des ALI Retirement Income Institute werden rund zwei Drittel der sogenannten "Peak Boomers", die zwischen 2024 und 2030 das Rentenalter erreichen, ihren bisherigen Lebensstandard im Ruhestand finanziell nicht halten können. Mehr als die Hälfte verfügt über höchstens 250.000 US-Dollar Altersvorsorge – noch bevor mögliche Pflegekosten, Krankheiten oder Börsencrashs berücksichtigt werden.
Gleichzeitig leben viele Babyboomer deutlich länger als frühere Generationen. Laut dem Stanford Center on Longevity hat eine gesunde 60-jährige Frau heute eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent, 90 Jahre alt zu werden. Genau darin liegt für viele das eigentliche Problem: Das angesparte Vermögen muss plötzlich 20 bis 30 Jahre Ruhestand finanzieren.
Dadurch entsteht eine paradoxe Situation. Millionen ältere Amerikaner besitzen zwar große Häuser oder erhebliche Vermögenswerte auf dem Papier, können es sich aber trotzdem kaum leisten, in Rente zu gehen oder umzuziehen. Viele sitzen auf Immobilien mit niedrigen Hypothekenzinsen fest und fürchten, dass ein Verkauf ihre monatlichen Kosten am Ende sogar erhöhen würde.
"Für viele Babyboomer sind die goldenen Jahre nicht golden", schrieb ein Leser. "Sie sind in einem Leben ohne Ausweg gefangen, und ihre Zukunft sieht nicht rosig aus."
Hinzu kommt eine enorme Ungleichheit innerhalb der Generation selbst. Während einige ältere Amerikaner auf millionenschweren Immobilien sitzen, verfügen andere kaum über Rücklagen. Untersuchungen zeigen, dass sich die Vermögensungleichheit unter älteren Haushalten in den vergangenen Jahrzehnten weiter verschärft hat.
Experten sehen darin weniger ein reines Generationsproblem als vielmehr ein strukturelles Versagen des Systems. Über Jahrzehnte wurde das Risiko der Altersvorsorge zunehmend vom Staat und von Arbeitgebern auf den Einzelnen verlagert – genau in einer Zeit, in der Wohnen, Gesundheitsversorgung und Pflege massiv teurer wurden. Viele Babyboomer hätten sich schlicht auf ein System verlassen, das für deutlich kürzere Lebenserwartungen gebaut worden sei.
Von außen wirken viele ältere Amerikaner wie eine Generation, die Häuser, Vermögen und Jobs blockiert. Von innen betrachtet, so beschreibt es Fortune, fühlt sich ein großer Teil dieser Generation vor allem von der Angst getrieben, irgendwann ohne Geld dazustehen.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
