Kampf um kritische Rohstoffe
Milliardenrennen um Seltene Erden: Warum Brasilien plötzlich im Fokus steht
Westliche Konzerne investieren Milliarden in Brasiliens Rohstoffsektor. Doch das Land verweigert die Entscheidung zwischen den USA und China.
- Brasilien besitzt 21 Millionen Tonnen Seltene Erden
- Westliche Konzerne investieren Milliarden in Brasilien
- Brasilien bleibt neutral, fördert Verarbeitung im Land
- Report: Achtung, Korrektur!
Im globalen Wettkampf um Seltene Erden entwickelt sich Brasilien zu einem der wichtigsten Schauplätze. Wie das Wall Street Journal berichtet, investieren westliche Bergbauunternehmen massiv in neue Projekte und hoffen, die Abhängigkeit von China bei kritischen Rohstoffen zu verringern. Doch Brasilien verfolgt eigene Interessen und will sich weder Washington noch Peking anschließen.
Das südamerikanische Land verfügt laut Daten des United States Geological Survey über Reserven von rund 21 Millionen Tonnen Seltener Erden. Damit liegt Brasilien weltweit auf Platz 2 hinter China. Die Rohstoffe werden unter anderem für Elektroautos, Windkraftanlagen und moderne Waffensysteme benötigt.
Angriff auf Chinas Vormachtstellung
Während China etwa die Hälfte der weltweiten Reserven kontrolliert, dominiert das Land vor allem die Weiterverarbeitung. Mehr als 90 Prozent der globalen Verarbeitungskapazitäten und Magnetproduktion liegen dort. Genau an diesem Punkt wollen Investoren und die brasilianische Regierung ansetzen.
"Das ist Geologie von Weltklasse", sagte Viridis-Chef Rafael Moreno dem WSJ. Brasilien sei nun in der Lage, eine "zunehmend strategische Rolle" bei der Versorgung westlicher Volkswirtschaften mit kritischen Rohstoffen einzunehmen.
Rund um die Stadt Poços de Caldas im Südosten Brasiliens treiben Unternehmen mehrere Projekte voran. Dort eröffnete das australische Bergbauunternehmen Viridis kürzlich eine Pilotanlage. Die kommerzielle Produktion soll 2028 beginnen. Gefördert werden sollen auch besonders begehrte schwere seltene Erden, die für hitzebeständige Hochleistungsmagnete benötigt werden.
Milliardeninvestitionen fließen ins Land
Der Rohstoffboom gewann deutlich an Dynamik, nachdem China im Jahr 2025 als Reaktion auf Handelskonflikte mit den USA Exportbeschränkungen für mehrere Seltene Erden und Magnete eingeführt hatte. Die Maßnahme machte die starke Abhängigkeit westlicher Industrien sichtbar.
Seitdem fördern die USA neue Projekte weltweit mit Finanzierungen, Abnahmegarantien und Preiszusagen. Ein erheblicher Teil dieses Kapitals fließt nach Brasilien.
Zu den wichtigsten Akteuren zählen die australischen Unternehmen Viridis und Meteoric sowie das kanadische Unternehmen Aclara. Im April vereinbarte USA Rare Earth die Übernahme von Serra Verde für 2,8 Milliarden US-Dollar. Serra Verde gilt als einziger Produzent außerhalb Asiens, der Seltene Erden im industriellen Maßstab aus Tonvorkommen gewinnt.
Lula setzt auf Wertschöpfung im eigenen Land
Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva will jedoch verhindern, dass das Land lediglich Rohstoffe exportiert. Stattdessen soll eine komplette Industrie entstehen – von der Verarbeitung bis zur Herstellung hochwertiger Produkte.
Auch Energieminister Alexandre Silveira betonte die Offenheit Brasiliens. "Brasilien steht Investitionen aus jedem Land offen gegenüber, das unsere Souveränität achtet", sagte er dem WSJ. Gespräche gebe es mit den USA, der Europäischen Union, China und weiteren Partnern.
Bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump hatten Beobachter auf Fortschritte bei kritischen Mineralien gehofft. Eine Vereinbarung kam jedoch nicht zustande. Lula stellte anschließend klar: "Wir haben keine Präferenz."
Neutralität sorgt für Unsicherheit
Genau diese Haltung könnte für die USA zum größten Problem werden. Brasilien zeigt bislang kein Interesse daran, chinesische Investitionen auszuschließen. Im Gegenteil: Chinesische Unternehmen bauen ihre Präsenz im Land weiter aus. Dazu gehört auch der Elektroautohersteller BYD, der neue Industrieprojekte vorantreibt.
Für westliche Politiker und Manager entsteht damit ein Szenario, das sie vermeiden wollten: Brasilien könnte zu einer führenden Macht bei seltenen Erden aufsteigen, ohne Teil einer westlich geprägten Lieferkette zu werden.
"Hier bietet sich Brasilien eine riesige Chance", sagte Canaccord-Analyst Reg Spencer. "Erschwerend kommt jedoch ihre Entscheidung hinzu, sich nicht auf eine Seite zu stellen."
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

