Ein neues Wasserstoff-Duell

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    Evonik oder Ceres Power: Welcher Wert passt besser ins Wasserstoff-Portfolio?

    Auf den ersten Blick passt das Duell nicht, auf den zweiten schon. Evonik will mit einer neuen Membran Wasserstoff günstiger machen. Ceres hat erfolgreich ein Kapitalerhöhung durchgeführt. Wo sollten Anleger zugreifen?

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    Ein neues Wasserstoff-Duell - Evonik oder Ceres Power: Welcher Wert passt besser ins Wasserstoff-Portfolio?

    Nicht nur KI-Werte haben zuletzt stark gelitten, auch Wasserstoff-Aktien mussten kräftig Federn lassen. Besonders hart traf es Ceres Power. Die Aktie des britischen Entwicklers sauberer Energietechnologie hat in den vergangenen fünf Handelstagen gut ein Viertel an Wert verloren. Beschleunigt wurde der Rücksetzer durch eine Kapitalerhöhung. Evonik stand ebenfalls nicht auf der Sonnenseite, gab aber nur rund 10 Prozent nach.

    Jetzt gibt es Neuigkeiten vom Spezialchemiekonzern im Bereich Wasserstoff. Evonik hat in Marl im Ruhrgebiet mit der kommerziellen Fertigung einer Spezialmembran begonnen, die die Kosten für grünen Wasserstoff deutlich senken soll. Damit stellt sich für Anleger eine spannende Frage: Wer ist beim Thema Wasserstoff besser positioniert? Der breit aufgestellte Chemiekonzern Evonik oder der hochspekulative Technologie-Play Ceres Power?

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    Evonik setzt auf neue Membran

    Bei Evonik geht es nicht um den Bau kompletter Wasserstoffanlagen, sondern um eine Schlüsselkomponente für AEM-Elektrolyseure. In solchen Anlagen wird Wasser mit Hilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Stammt der Strom aus erneuerbaren Quellen, spricht man von grünem Wasserstoff. Dieser soll in einer klimaneutralen Wirtschaft künftig eine zentrale Rolle spielen: etwa in der Stahlindustrie, in der Chemie oder bei schwer elektrifizierbaren Industrieprozessen.

    Evonik formuliert den langfristigen Rückenwind entsprechend klar: "Durch die Energiewende wird in den nächsten Jahrzehnten der Bedarf an grünem Wasserstoff stark wachsen". Der Haken: Grüner Wasserstoff ist derzeit noch teuer. Je nach Region kostet er laut Evonik etwa doppelt bis viermal so viel wie grauer Wasserstoff, der aus Erdgas gewonnen wird.

    Genau hier soll die neue Membran ansetzen. Evonik verweist darauf, dass nicht nur Strompreise, sondern auch die Elektrolysetechnologie über die Wirtschaftlichkeit entscheiden. "Neben hohen Energiepreisen beeinflusst die verwendete Elektrolysetechnologie die Wirtschaftlichkeit der grünen Wasserstoffproduktion", stellt Evonik fest.

    AEM-Technologie soll Kosten drücken

    Zum Einsatz kommt die Membran bei der sogenannten AEM-Elektrolyse. Diese Technologie gilt als Hoffnungsträger, weil sie Eigenschaften klassischer alkalischer Elektrolyse und moderner PEM-Systeme verbinden soll. Ein Vorteil: Es können edelmetallfreie Materialien verwendet werden. Zudem kann Wasserstoff direkt unter Druck erzeugt werden, wodurch zusätzliche Kompressionsschritte entfallen können.

    Für Investoren ist vor allem diese Zahl interessant: "Fachstudien sehen ein Einsparpotenzial bei den Investitionskosten von mindestens 25 Prozent", hieß es von Evonik. Sollte sich das im industriellen Maßstab bestätigen, könnte die Membran ein wichtiger Baustein werden, um grünen Wasserstoff wettbewerbsfähiger zu machen.

    Die neue Produktion in Marl ist deshalb mehr als nur ein weiteres Chemieprojekt. Evonik hat damit den Schritt vom Labor in die kontinuierliche Fertigung geschafft. Für einen Spezialchemiekonzern ist das ein klassisches Terrain: nicht die ganze Anlage bauen, sondern das Material liefern, ohne das die Anlage nicht effizient funktioniert.

    China als großer Hebel und Risiko zugleich

    Auffällig ist, dass Evonik den Blick stark nach Asien richtet. Parallel zum Produktionsstart in Deutschland hat der Konzern ein Technikzentrum in Shanghai aufgebaut. Dort sollen die in Marl produzierten Membranen unter industriellen Bedingungen mit lokalen Partnern und Kunden getestet werden.

    Evonik beschreibt die strategische Stoßrichtung so: "Das Center richtet sich an globale Abnehmer und ist zugleich eng an den stark wachsenden chinesischen Markt angebunden."

    Das ist Chance und Risiko zugleich. China ist beim Hochlauf von Elektrolyseuren einer der wichtigsten Märkte der Welt. Gleichzeitig ist der chinesische Markt extrem wettbewerbsintensiv, politisch sensibel und häufig preisdruckgetrieben. Für Evonik kann die Membran ein attraktives Spezialgeschäft werden. Für den Gesamtkonzern dürfte sie aber vorerst kaum der große Kurstreiber sein. Evonik bleibt in erster Linie ein breit aufgestellter Chemiekonzern, mit allen Vorteilen, aber auch mit allen Altlasten eines zyklischen Geschäftsmodells.

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    Ceres Power: Erst der Absturz, dann die Kapitalspritze

    Ganz anders ist die Ausgangslage bei Ceres Power. Die Briten sind kein Chemieriese, sondern ein Technologieunternehmen mit Fokus auf Festoxid-Systeme. Ceres arbeitet nicht an AEM-Membranen wie Evonik, sondern an der Solid-Oxide-Technologie. Diese kann sowohl für Brennstoffzellen zur Stromerzeugung als auch für Elektrolyseure zur Wasserstoffproduktion eingesetzt werden.

    Die jüngste Nachricht war allerdings keine operative Erfolgsmeldung, sondern eine Kapitalmaßnahme. Ceres Power hat im Rahmen einer überzeichneten Kapitalerhöhung 103 Millionen britische Pfund eingesammelt. Dafür gibt das Unternehmen 18,0 Millionen neue Aktien zu je 570 Pence aus. Der Platzierungspreis lag 6,5 Prozent unter dem Schlusskurs vom Dienstag .

    Für Altaktionäre bedeutet das zunächst Verwässerung. Die neuen Aktien entsprechen etwa 9,2 Prozent des bestehenden ausgegebenen Aktienkapitals vor der Kapitalmaßnahme. Kein Wunder also, dass der Markt verschnupft reagierte. Die Aktie geriet unter Druck.

    Doch die andere Seite der Medaille: Ceres bekommt frisches Geld zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt für dezentrale Stromversorgung wieder deutlich spannender wird. CEO Phil Caldwell sagte: "Die neuen Mittel bieten eine klare Chance, die kommerzielle Dynamik der Ceres-Technologie zu nutzen und sicherzustellen, dass wir für die Zukunft gut aufgestellt sind."

    Das Unternehmen will seine Technologieplattform weiter als Industriestandard für Festoxidsysteme etablieren.

    Warum Ceres plötzlich wieder Fantasie bekommt

    Der Reiz bei Ceres liegt weniger in der klassischen Wasserstoff-Story als in der Verbindung aus Wasserstoff, Brennstoffzellen und Rechenzentren. Der massive Strombedarf durch Künstliche Intelligenz bringt die Netze weltweit unter Druck. Betreiber großer Rechenzentren suchen nach dezentralen, skalierbaren und verlässlichen Stromlösungen.

    Genau hier könnte die Festoxid-Brennstoffzelle punkten. Solche Systeme können nahe am Verbraucher installiert werden, sind grundsätzlich brennstoffflexibel und könnten perspektivisch mit Wasserstoff oder anderen klimafreundlicheren Energieträgern betrieben werden. Für Rechenzentren zählt vor allem eines: verlässliche Leistung, möglichst unabhängig von überlasteten Stromnetzen.

    Das macht Ceres spekulativ, aber auch spannend. Das Unternehmen steht noch nicht für stabile Gewinne, sondern für Technologie, Partnernetzwerke und Skalierungsfantasie. Anleger kaufen hier keine defensive Wasserstoff-Aktie, sondern einen Hochrisiko-Play auf den Durchbruch dezentraler Energielösungen.

    Ceres Power

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    Mein Tipp: Evonik ist solider, Ceres ist explosiver

    Damit ist das Duell klarer, als es auf den ersten Blick wirkt. Evonik bietet den konservativeren Zugang. Der Konzern ist breit aufgestellt, zahlt Dividende und besitzt mit der neuen Membran ein potenziell attraktives Spezialprodukt für die Wasserstoffwirtschaft. Allerdings ist die Wasserstoff-Fantasie bei Evonik nur ein kleiner Teil der gesamten Investmentstory.

    Ceres Power ist das Gegenteil: kein defensiver Chemiewert, sondern ein Technologieunternehmen, dessen Börsenwert stark an Erwartungen hängt. Die Kapitalerhöhung verwässert zwar die Altaktionäre, stärkt aber die Bilanz. Genau das kann wichtig sein, wenn Partner, Kunden und Lizenznehmer langfristig mit Ceres planen sollen.

    Evonik punktet mit Substanz, Ceres mit Fantasie

    Evonik kann mit der neuen Membran vor allem dort punkten, wo AEM-Elektrolyseure industriell hochlaufen und das dürfte zunächst besonders stark in China der Fall sein. Für den Konzern ist das ein technologisch spannender Schritt, aber vermutlich kein Gamechanger für die gesamte Aktie.

    Ceres Power bleibt der spannendere Wasserstoff- und Energie-Play. Die Aktie ist deutlich riskanter, die Bewertung stärker von Zukunftshoffnungen abhängig und die Kapitalerhöhung hat Anleger kurzfristig verschreckt. Doch gerade der Rücksetzer könnte für risikobereite Anleger eine Gelegenheit sein. Sollte Ceres seine Technologie tatsächlich in der dezentralen Versorgung von Rechenzentren und industriellen Anwendungen platzieren kann, ist die Fantasie deutlich größer als bei Evonik.

    Für konservative Anleger bleibt Evonik die solidere Wahl. Wer aber den spekulativen Wasserstoff-Play mit KI-Stromfantasie sucht, dürfte bei Ceres Power besser aufgehoben sein.

     

    Markus Weingran, Chefredakteur wallstreetONLINE Börsenlounge

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    Verfasst vonRedakteurMarkus Weingran
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