Krypto-Angst ist zurück
4 Milliarden US-Dollar raus: Bitcoin-ETFs senden Warnsignal
Bitcoin kämpft mit ETF-Abflüssen, Zinssorgen und Konkurrenz durch KI-Investments. Die Marke von 60.000 US-Dollar wird zur Schicksalslinie für die Krypto-Bullen.
- Massive Bitcoin-Spotfondsabflüsse über vier Milliarden
- Höhere Anleiherenditen und KI-IPOs ziehen Kapital
- Marke 60.000 US-Dollar als Schicksalslinie für Bitcoin
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Bitcoin bleibt nach Einschätzung von Jonathan Osswald, Analyst der DZ Bank, anfällig. Die größte Kryptowährung der Welt fiel zuletzt zeitweise unter die Marke von 60.000 US-Dollar. Dieses Niveau hatte Bitcoin zuletzt im September 2024 gesehen.
Osswald nennt mehrere Belastungsfaktoren. Dazu zählen schwache saisonale Muster, hohe Abflüsse aus Bitcoin-Spotfonds und ein harter Wettbewerb um Anlegerliquidität. Der Mai gilt für Bitcoin historisch als schwieriger Monat. Auch in diesem Jahr setzten die Verkäufe bereits Mitte Mai ein.
Besonders deutlich zeigen sich die Abflüsse bei Bitcoin-Spotfonds. Über 13 Handelstage summierten sich die Nettoabflüsse laut DZ Bank auf mehr als vier Milliarden US-Dollar. Es war die bislang längste und größte Verlustserie seit Auflage dieser Produkte im Jahr 2024.
Der Rückgang ist laut Osswald aber mehr als ein reines Kryptothema. Höhere Renditen am Anleihemarkt und eine große Welle geplanter Börsengänge erhöhen die Konkurrenz um Kapital. Marktbeobachter rechnen in diesem Jahr mit Börsengängen von bis zu 160 Milliarden US-Dollar. Dazu kommen Kapitalerhöhungen und Anleiheemissionen großer Technologiekonzerne, die ihre Infrastruktur für Künstliche Intelligenz ausbauen wollen.
Für Bitcoin ist das problematisch. Institutionelle Anleger müssen Kapital zwischen Aktien, neuen Emissionen, Anleihen, Künstlicher Intelligenz und Kryptowährungen aufteilen. Wenn kurzfristig mehr Fantasie im KI-Sektor liegt, sinkt die relative Nachfrage nach Bitcoin.
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Zusätzlichen Druck brachte ein symbolischer Verkauf von Strategy. Das Unternehmen verkaufte am 1. Juni 32 Bitcoin, um Vorzugsdividenden zu finanzieren. Es war der erste Bitcoin-Verkauf seit 2022. Die Menge war gering, die Signalwirkung aber groß. Wenige Tage später kaufte Strategy jedoch 1.550 Bitcoin für 101 Millionen US-Dollar zurück. Eine strategische Abkehr sieht Osswald deshalb nicht.
Die schwachen Fondsflüsse und das Strategy-Signal verschlechterten die Stimmung. Fallende Kurse lösten am Derivatemarkt Margin Calls und Zwangsliquidationen aus. Der Crypto Fear and Greed Index fiel wieder in den Bereich extremer Angst.
Osswald sieht den Bitcoin-Rückgang daher als Teil einer breiteren Reallokation von Risiko- und Liquiditätsbudgets. Begrenztes Kapital fließt derzeit eher in Aktien, neue Börsengänge und Wachstumsthemen rund um Künstliche Intelligenz. Krypto gerät dadurch kurzfristig unter Druck.
In den kommenden Wochen dürfte Bitcoin volatil bleiben. Stabilisieren sich die Kapitalflüsse in den Spotfonds, könnte sich im Bereich von 60.000 US-Dollar ein Boden bilden. Ein nachhaltiger Rutsch unter diese Marke würde dagegen neue Liquidationen auslösen und die Stimmung weiter belasten.
Saisonal könnte der Juli zwar eine Erholung bringen. Nachhaltig bessere Chancen sieht die historische Auswertung aber eher ab Oktober. Dieser Monat brachte Bitcoin in der Vergangenheit im Schnitt positive Renditen von rund 20 Prozent. Beruhigen sich nach dem Sommer die Fondsflüsse und die Börsengangswelle, könnte Bitcoin zum Jahresende das Momentum zurückgewinnen.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
