Neue Zweifel
Analysten schlagen Alarm: Nike verliert an Tempo
Nike kommt beim Umbau voran. Doch Analysten sehen den Konzern langsamer als erwartet. Nun senkt RBC die Einstufung der Aktie und kappt das Kursziel.
- RBC stuft Nike ab und senkt Kursziel auf 50 Dollar
- Fortschritte begrenzt auf wenige Produktbereiche
- Konkurrenz gewinnt, Nike verliert Marktanteile
- Report: Achtung, Korrektur!
Die Hoffnungen auf eine schnelle Trendwende bei Nike erhalten einen Dämpfer. Die kanadische Bank RBC Capital Markets hat die Aktie des Sportartikelherstellers von "Outperform" auf "Sector Perform" abgestuft. Gleichzeitig senkten die Analysten ihr Kursziel auf 50 US-Dollar. Das liegt laut Daten von SeekingAlpha unter dem Durchschnitt der Wall Street Analysten von 59,58 US-Dollar.
Zwar erkennen die Experten Fortschritte beim Umbau des Konzerns unter Vorstandschef Elliott Hill. Diese fallen jedoch geringer aus als erwartet.
Fortschritte sichtbar, aber nur in wenigen Bereichen
Analyst Piral Dadhania, laut TipRanks mit einer Erfolgsrate von 34 Prozent jedoch wenig zuverlässig, sieht bei Nike erste Erfolge. Die Verbesserungen seien erkennbar, allerdings beschränkten sie sich bislang auf einen relativ kleinen Teil des Produktportfolios.
Nach Einschätzung von RBC bleibt die Marktposition in wichtigen Segmenten unter Druck. Dadhania schrieb, dass das Lifestyle-Schuhgeschäft von Nike weiterhin eine führende Stellung einnehme. Im Laufschuhmarkt hätten jedoch Wettbewerber wie On Running, Hoka und New Balance die Führung bei höheren Preispunkten übernommen. Im Bereich Damenbekleidung besetzten Marken wie Vuori, Alo Yoga und Lululemon die Premiumsegmente.
Konkurrenz gewinnt an Boden
Die Analysten sehen deshalb die Gefahr, dass Nike in einzelnen Produktkategorien Marktanteile verliert. Das erschwere den geplanten Turnaround zusätzlich.
Seit ihrem Rekordhoch Ende 2021 hat die Nike-Aktie mehr als 70 Prozent an Wert verloren. Auch seit der Rückkehr von Elliott Hill, der aus dem Ruhestand kam, um den Konzern neu auszurichten, ging es für die Aktie weiter nach unten. In dieser Zeit verlor das Papier rund 45 Prozent.
Hoffnung auf die Fußball-Weltmeisterschaft
Für die Vorlage der Quartalszahlen am 30. Juni erwartet Dadhania dennoch positive Impulse. Vor allem die Nachfrage rund um die FIFA-Weltmeisterschaft könnte die Umsätze stützen und dazu beitragen, die Erwartungen des Marktes zu übertreffen.
Weniger optimistisch blickt RBC dagegen auf das Direktkundengeschäft. Dort rechnen die Analysten kurzfristig nicht mit einer spürbaren Verbesserung.
Gewinnprognosen sinken
Dadhania hat seine Schätzungen für den Gewinn je Aktie reduziert. Als Gründe nennt er schwächeres Umsatzwachstum und eine langsamere Erholung der Profitabilität.
Zudem komme der Konzern bei der Einführung neuer Produkte und beim Abbau von Lagerbeständen langsamer voran als erhofft. "Die Umsetzung von Produkt- und Lagerräumungen verläuft nicht so zügig, wie wir es uns wünschen", schrieb der Analyst. Daher sei für den verbleibenden Teil des Kalenderjahres 2026 voraussichtlich nicht mit einem positiven Umsatzwachstum zu rechnen.
Damit bleibt der Weg zurück zu nachhaltigem Wachstum für Nike länger und schwieriger als viele Investoren bislang erwartet hatten. Während der US-Konzern weiter an seiner Neuausrichtung arbeitet, läuft es beim deutschen Rivalen Adidas operativ deutlich besser. Die Aktie des Sportartikelherstellers legte seit Montag deutlich zu und zählte auch am Mittwoch zu den stärksten Werten im DAX.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
