Erholung in größter Gefahr?
SAP: Plötzlich geht es für die Aktie schon wieder um Alles!
In den vergangenen Wochen präsentierte sich die SAP-Aktie erholt, Käuferinnen und Käufer fassten neuen Mut. Doch jetzt ist schon wieder Gefahr im Anmarsch.
- SAP-Aktie zeigt Erholung aber erneuter Druck
- 50-Tage-Linie und MACD entscheiden über Trend
- Attraktive Bewertung, Rücksetzer bis 140 nutzen
- Report: SpaceX-Hype zu teuer – Diese 5 Aktien bieten bessere Chancen
Sektorrotation hält an: KI pfui, Value hui!
Der Abverkauf bei Technologie- und Wachstumswerten ist am Mittwoch in die Verlängerung gegangen. Die erneute Eskalation geopolitischer Spannungen im Nahen Osten mit einem offenen Schlagabtausch zwischen Israel und den USA auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite sorgte für einen weiteren Energiepreisanstieg. Gleichzeitig trieben hohe Inflationsdaten die Zinserwartungen weiter in die Höhe.
Das belastete vor allem die in den vergangenen Wochen stark gelaufenen Halbleiter und KI-Infrastrukturwerte. Umgekehrt legten defensive Basiswerte und Konsumgüteraktien gegen den schwachen Gesamtmarkttrend zu. Sie profitieren von moderaten Unternehmensbewertungen, nachdem sie in diesem Jahr bislang nicht gefragt waren.
SAP und Siemens Energy geraten unter Druck
Während im Dow-Jones-Index am Mittwochabend Werte wie Coca-Cola, Verizon und Procter & Gamble den Ton angeben, legten zuvor im DAX-Handel die Deutsche Telekom, Adidas sowie die drei Versicherungskonzerne Münchner Rück, Hannover Rück und Allianz zu.
KI-nahe Werte wie SAP und Siemens Energy landeten dagegen am Ende der Kurstafeln. Für die Aktie von Siemens Energy sind die Verluste der vergangenen Tage bereits in Problem. Für SAP könnten sie das jetzt werden, wie der Blick in den Chart zeigt:
SAP-Aktie: Diese Erholung war so vielversprechend, doch ...
Nach dem zermürbenden Abwärtstrend der vergangenen Monate hatte SAP seit Anfang April wieder positive Tendenzen gezeigt. Im Bereich von 140 Euro ist der Aktie, begünstigt von bullishen Divergenzen insbesondere im Trendstärkeindikator MACD, eine Bodenbildung gelungen.
Auf Erfolge mussten Anlegerinnen und Anleger zwar einige Zeit warten, doch die Geduld zahlte sich aus, nachdem die SAP-Aktie nach weiteren Verbesserungen der technischen Indikatoren schließlich über die 50-Tage-Linie geklettert ist und einen Aufwärtstrendkanal etablieren konnte.
Mit dessen Hilfe gelang der Aktie ein weiteres Kaufsignal, denn der MACD hatte sein Vorzeichen gewechselt und bestätigte den Erholungstrend der Aktie. Damit gelang schließlich der Sprung an den Widerstandsbereich bei 160 Euro.
... machen die Bären den Bullen jetzt einen Strich durch die Rechnung?
Dieser droht nun jedoch durch den Kursrückgang der vergangenen Tage bestätigt zu werden. Aktuell ist der Ausbruchsversuch als Fehlausbruch zu interpretieren, was die jüngste Zuversicht und damit auch das Kaufinteresse zerschmettern könnte.
Gerade jetzt wäre SAP aber auf Käuferinnen und Käufer angewiesen, denn die 50-Tage-Linie steht unter Druck, während der MACD unter seine Signallinie gefallen ist und Kurs auf die Nulllinie nehmen könnte. Damit wären die mühsam erarbeiteten Kaufsignale der letzten Wochen zunichte gemacht.
Noch gibt es keinen Anlass zur Sorge
Doch noch besteht keinen Grund zur Panik, denn trotz des schwachen Handelsumfelds zur Wochenmitte haben die Bullen ihre Bereitschaft, die 50-Tage-Linie zu verteidigen, beweisen. Das zeigt die aktuelle Tageskerze mit einem Handelsschluss knapp oberhalb der wichtigen Durchschnittslinie an. Außerdem sind die technischen Indikatoren aktuell noch eher bullish als bearish zu lesen.
Solange SAP die 50-Tages-Linie auch auf Wochenschlusskursbasis verteidigen kann, sollte bereits in Kürze ein weiterer Anstiegsversuch erfolgen. Für eine dauerhafte Trendwende sind aber nach wie vor Kurse oberhalb von 180 Euro sowie der 200-Tage-Linie bei rund 190 Euro nötig. Das aktuelle charttechnische Setup gibt das, weitere Verschlechterungen außen vor gelassen, durchaus her.
Fazit: Bewertung dürfte nach unten absichern, bei Rücksetzern einsammeln!
Unterdessen ist die Unternehmensbewertung mit einem KGVe von 21,7 für 2026 und von 18,4 für das darauffolgende Geschäftsjahr attraktiv – in den vergangenen 10 Jahren handelten die Walldorfer im Schnitt mit ein KGV von 39,3. Auch die Cashflow-Rendite von 5,8 Prozent (laut der Daten von MarketScreener) kann sich sehen lassen.
Die bietet dem Unternehmen die Möglichkeit, einerseits zu investieren und andererseits den Kurs mit weiteren Aktienrückkäufen oder einer besonders kräftigen Anhebung der Dividende aufzupolieren. Aus fundamentaler Perspektive sind die Risiken zur Unterseite bei SAP daher begrenzt.
Solange der Kurs nicht nachhaltig (also mindestens auf Wochenschlusskursbasis) unter den Boden bei 140 Euro fällt, können Anlegerinnen und Anleger mit dem Aufbau von Positionen beginnen.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


