EU bremst Apple: Siri AI für iPhone und iPad in Europa vorerst blockiert
Apple hat die Einführung seiner neuen KI-Plattform Siri AI in der Europäischen Union verschoben. Der Konzern begründet den Schritt mit den Anforderungen des Digital Markets Act (DMA) und damit verbundenen Vorgaben zur Interoperabilität, die nach eigener Darstellung eine sichere Einführung konkurrierender digitaler Assistenten neben Siri AI nicht zuließen. Apple brachte laut Unternehmensangaben mehrere Lösungen ein, darunter einen sogenannten „Trusted System Agent“ und einen gestaffelten Rollout über 18 Monate, die jedoch von den EU-Behörden abgelehnt worden seien. Craig Federighi, Senior Vice President Software Engineering, drückte Enttäuschung über die ausbleibende Verfügbarkeit für iPhone- und iPad-Nutzer in der EU aus und kündigte an, Apple werde weiter an einer Lösung arbeiten, ohne jedoch einen Zeitplan zu nennen.
Die Europäische Kommission weist Apples Darstellung entschieden zurück. Sprecher Thomas Regnier erklärte, die Entscheidung, Siri AI nicht in der EU zur Verfügung zu stellen, liege allein bei Apple. Die Kommission moniert, Apple habe versucht, von den Interoperabilitätsvorgaben des DMA ausgenommen zu werden. Apple habe keine technischen Lösungen vorgelegt, die den in der EU geltenden Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen genügen. Statt die Vorgaben umzusetzen, habe Apple eine Ausnahmeregelung beantragt, so die Kommission.
Konkreter Streitpunkt ist, inwieweit konkurrierende KI-Systeme Zugriff auf sensible Nutzerdaten und Gerätemfunktionen erhalten dürfen. Apple warnt vor erheblichen Sicherheits- und Datenschutzrisiken, sollten die von der Kommission geforderte Auslegung des DMA und entsprechende Schnittstellen umgesetzt werden. Die EU hingegen betont die Notwendigkeit von Interoperabilität zur Sicherstellung von Wettbewerb und Nutzerwahlfreiheit.
Praktisch bedeutet die Entscheidung, dass iPhone-, iPad- und Apple-Watch-Nutzer in der EU vorerst auf Siri AI verzichten müssen. Mac- und visionOS-Nutzer mit macOS 27 beziehungsweise visionOS 27 sollen dagegen Zugriff erhalten. Der Vorfall illustriert, wie neue europäische Digitalregeln die Markteinführung moderner KI-Dienste beeinflussen und die Spannungen zwischen großen Technologieunternehmen und Regulierungsbehörden verschärfen.
Aus Sicht der Kapitalmärkte bleibt die Bewertung von Apple zurückhaltend: Das Analysehaus Jefferies bestätigte die Einstufung „Hold“ mit einem Kursziel von 299,88 US-Dollar und bezeichnete Apples KI-Strategie als evolutionär statt revolutionär. Anleger sollten laut Einschätzung den Fokus auf die Integration von KI in bestehende Produkte und Services legen.
Die Auseinandersetzung könnte Signalwirkung für andere US-Technologiekonzerne haben, die ihre KI-Angebote in der EU skalieren wollen: Die Kommission beweist mit ihrer Auslegung des DMA, dass Interoperabilität und Datenschutz nicht verhandelbar sind. Für Apple steht nun die Aufgabe an, technische Kompromisse zu entwickeln, die sowohl regulatorische Vorgaben erfüllen als auch Apples Sicherheitsprinzipien wahren, andernfalls drohen weiterhin regionale Einschränkungen und Reputationsrisiken. Die Verhandlungen zwischen Apple und Brüssel bleiben damit intensiv.
Die Apple Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,35 % und einem Kurs von 291,6EUR auf Nasdaq (11. Juni 2026, 02:00 Uhr) gehandelt.
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