Pharma & Biotechnologie
11 Milliarden US-Dollar für die Zukunft: GSK greift im Krebsmarkt an
GSK übernimmt Nuvalent für 10,6 Milliarden US-Dollar und stärkt sein Krebsgeschäft. Der Rekorddeal soll Wachstum sichern und Patentrisiken abfedern.
- GSK kauft Nuvalent für 10,6 Milliarden Dollar
- Zwei Lungenkrebswirkstoffe stehen vor Zulassung
- Übernahme soll Patentverlusten und Umsatzeinbruch begegnen
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Der britische Pharmakonzern GSK treibt den Umbau seines Krebsgeschäfts mit der bislang größten Übernahme der Unternehmensgeschichte voran. Für rund 10,6 Milliarden US-Dollar will der Konzern das US-Biotechunternehmen Nuvalent kaufen, wie Reuters berichtet. Die Transaktion soll im dritten Quartal abgeschlossen werden.
Mit dem Zukauf erhält GSK Zugriff auf zwei fortgeschrittene Wirkstoffkandidaten gegen Lungenkrebs, die noch in diesem Jahr eine Zulassung in den Vereinigten Staaten erhalten könnten. Der Deal ist ein zentraler Baustein der Strategie von Konzernchef Luke Miels, der seit Jahresbeginn an der Spitze des Unternehmens steht.
"Unsere Strategie bestand darin, Schritt für Schritt vorzugehen", sagte Miels nach Bekanntgabe der Übernahme vor Journalisten.
Rückkehr in ein einst aufgegebenes Geschäft
GSK hatte sich vor rund einem Jahrzehnt weitgehend aus der Onkologie zurückgezogen und Vermögenswerte im Rahmen eines mehr als 16 Milliarden US-Dollar schweren Tauschs an Novartis abgegeben. Viele Investoren sehen diesen Schritt heute kritisch.
"Es war definitiv ein Fehler, 2015 den Onkologie-Geschäftsbereich zu verkaufen", sagte Markus Manns, Portfoliomanager beim GSK-Aktionär Union Investment.
Der Strategiewechsel zurück zur Krebsforschung begann bereits unter Miels Vorgängerin Emma Walmsley. Seitdem investierte GSK Milliarden in Übernahmen und Lizenzvereinbarungen. Die Nuvalent-Transaktion markiert nun den bislang größten Schritt.
Nach Angaben einer mit der Angelegenheit vertrauten Person gab es mehrere Interessenten für Nuvalent. Das habe mit dazu beigetragen, dass GSK einen Aufschlag von rund 40 Prozent auf den vorherigen Börsenkurs des Unternehmens zahlte. Die Quelle sagte Reuters zudem, Nuvalent habe wegen seiner weit entwickelten Krebsmedikamente seit mindestens 18 Monaten auf den Beobachtungslisten großer Pharmakonzerne gestanden.
Patentabläufe erhöhen den Druck
Für GSK kommt die Übernahme zu einem wichtigen Zeitpunkt. In den kommenden Jahren drohen auslaufende Patente die Umsätze wichtiger HIV-Medikamente zu belasten. Analysten erwarten für das laufende Jahr Arzneimittelumsätze von rund 34 Milliarden Pfund.
Die neuen Medikamente von Nuvalent richten sich gegen bestimmte genetische Mutationen bei Lungenkrebs. Allerdings müssen sie sich gegen etablierte Präparate von Pfizer und Roche behaupten. Analysten der Barclays sehen zwar eine strategisch sinnvolle Übernahme, halten die Wirkstoffe jedoch nicht für potenzielle Megablockbuster.
GSK setzt darauf, dass die Therapien Patienten über viele Jahre mit weniger Nebenwirkungen behandeln können und dadurch trotz kleiner Zielgruppen erhebliche Umsätze erzielen.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

