KI-Notbremse für Regierungen?
Fable 5: Das stärkste Claude-Modell ist jetzt für alle da
Anthropic macht sein mächtigstes KI-Modell öffentlich, allerdings mit harten Sicherheitsgrenzen und dem Ruf nach staatlicher Notbremse.
- Anthropic macht Fable 5 öffentlich gegen Bezahlung
- Fable 5 leitet riskante Anfragen an Opus 4.8 weiter
- Anfragen an Fable 5 werden 30 Tage gespeichert
- Report: Achtung, Korrektur!
Anthropic bringt sein leistungsstärkstes KI-Modell erstmals auf den Massenmarkt. Der Entwickler des KI-Assistenten Claude hat sein sogenanntes Fable-5-Modell für alle Nutzer über die API und Enterprise-Pläne freigegeben. Gleichzeitig fordert Firmengründer Dario Amodei Regierungen auf, sich das Recht zu sichern, gefährliche KI-Systeme notfalls zu stoppen.
Fable 5 basiert auf der Mythos-Modellreihe, die Anthropic im April zunächst nur ausgewählten Partnern zur Verfügung gestellt hatte, unter anderem wegen Bedenken rund um Cybersicherheit. Vergangene Woche wurde der Zugang auf mehrere Hundert Organisationen in 15 Ländern ausgeweitet, mit Schwerpunkt auf Betreibern kritischer Infrastruktur. Nun steht das Modell grundsätzlich jedem offen, der über die API oder verbrauchsbasierte Enterprise-Tarife auf Claude zugreift.
Fable 5 überzeugt laut Anthropic vor allem bei Softwareentwicklung, komplexen Wissensaufgaben und der Verarbeitung visueller Inhalte. Doch das Unternehmen setzt klare Grenzen: In Hochrisikobereichen wie Biologie, Chemie und Cybersecurity verweigert das Modell Antworten und leitet Anfragen automatisch an das ältere Modell Opus 4.8 weiter.
Interne Stresstests mit mehr als tausend Stunden Angriffsversuchen hätten keine universellen Sicherheitslücken zutage gefördert, schreibt Anthropic. "Wir haben mit externen Red-Teaming-Organisationen zusammengearbeitet, die ebenfalls keine universellen Schwachstellen finden konnten", heißt es seitens des Unternehmens.
Neu ist auch die Datenrichtlinie: Alle Anfragen an Fable 5 und das parallel aktualisierte Mythos 5 werden künftig 30 Tage lang gespeichert – auch wenn Unternehmenskunden zuvor Null-Speicher-Vereinbarungen hatten. Die Daten sollen ausschließlich zur Abwehr neuartiger Angriffe genutzt werden, nicht zum Training. Analysten sehen darin einen möglichen Branchenstandard: Wer die stärksten Modelle nutzen will, akzeptiert künftig eine Mindestüberwachung als Sicherheitsmaßnahme.
Parallel dazu tritt Amodei öffentlichkeitswirksam für strengere staatliche Kontrolle ein. In einem Blogbeitrag forderte er, dass Regierungen KI-Systeme auf Risiken in Bereichen wie Cyberangriffe, Biowaffen und unkontrollierte Selbstoptimierung prüfen lassen können – ähnlich wie es Luftfahrtbehörden mit Flugzeugen tun. Anthropic warnte zudem, KI-Systeme könnten sich bald eigenständig weiterentwickeln, ohne menschliche Eingriffe. Dieser Vorstoß brachte dem Unternehmen bereits Kritik aus Teilen der Branche und dem Weißen Haus ein.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion

