Höchster Abfluss aller Zeiten
Die Tech-Korrektur hat begonnen – Anleger ziehen 10,8 Milliarden Dollar ab
Anleger verkauften zuletzt Tech-Aktien im Rekordwert von 10,8 Milliarden US-Dollar. JPMorgan sieht Anzeichen dafür, dass die Korrektur im Technologiesektor bereits begonnen hat.
- Rekordabfluss von 10,8 Mrd USD aus Techaktien
- iShares Semiconductor ETF verlor 10,4 Prozent
- JPMorgan sieht Korrektur im Technologiesektor
- Report: Achtung, Korrektur!
Die Stimmung rund um Technologie- und KI-Aktien kippt immer weiter. Nach dem stärksten Ausverkauf bei Chipwerten seit der Corona-Pandemie warnen Strategen und Marktbeobachter vor einer möglichen Korrektur im Technologiesektor. Gleichzeitig ziehen Anleger in Rekordtempo Kapital aus Tech-Aktien ab.
Nach Daten der Bank of America verkauften Investoren in der vergangenen Woche Technologieaktien im Wert von 10,8 Milliarden US-Dollar – der höchste jemals gemessene Abfluss aus dem Sektor seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2008. Insgesamt trennten sich Kunden der Bank von Aktien im Wert von 14,2 Milliarden US-Dollar. Auch Aktienrückkäufe der Unternehmen selbst gingen deutlich zurück, besonders im Technologiesektor.
Der jüngste Kursrutsch hat vor allem den Halbleiterbereich getroffen. Der iShares Semiconductor ETF brach allein am Freitag um 10,4 Prozent ein – der stärkste Tagesverlust seit Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020. Einige Analysten sehen darin mehr als nur eine normale Gewinnmitnahme nach der starken Rallye der vergangenen Jahre.
Gabriela Santos, Chef-Marktstrategin für Amerika bei JPMorgan Asset Management, glaubt, dass sich der Markt bereits mitten in einer Korrektur des Technologiesektors befinden könnte. Auslöser seien unter anderem enttäuschende Unternehmenszahlen sowie zunehmende Sorgen darüber, wie die gewaltigen Investitionen in künstliche Intelligenz künftig finanziert werden sollen.
Die Strategin beschreibt die KI-Investitionen als ein "riesiges Sauggeräusch", das Kapital aus anderen Marktbereichen abzieht. Unternehmen finanzierten ihre KI-Ambitionen zunehmend über Anleiheemissionen, Aktienverkäufe und andere Kapitalmaßnahmen statt allein aus dem laufenden Geschäft.
Zusätzliche Nervosität entsteht durch den bevorstehenden Börsengang von SpaceX. Marktbeobachter vermuten, dass Anleger bereits Liquidität freisetzen, um sich an dem erwarteten Mega-IPO beteiligen zu können. Gleichzeitig kursierten zuletzt Spekulationen über eine Baupause bei einem Rechenzentrum in Wyoming, die als mögliches Signal für eine nachlassende Nachfrage nach KI-Infrastruktur interpretiert wurde. Das betroffene Unternehmen widersprach dieser Darstellung jedoch.
Trotz der Turbulenzen hält Santos an ihrer positiven Einschätzung des KI-Trends fest. Die Gewinnentwicklung vieler Unternehmen sei weiterhin außergewöhnlich stark. Anleger sollten jedoch stärker diversifizieren und neben Technologie auch andere Bereiche berücksichtigen. Als attraktive Alternativen nennt sie insbesondere Finanzwerte sowie Value-Märkte in Europa und Japan.
Kurzfristig bleibt die Lage jedoch angespannt. Technische Analysten sehen bei Chip-Aktien weiteres Rückschlagpotenzial. Die Kombination aus Rekordabflüssen, schwächerer Dynamik und wachsender Skepsis gegenüber dem KI-Boom deutet darauf hin, dass die aktuelle Schwächephase noch nicht beendet sein könnte.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

