Börsengang
SpaceX IPO: Ich habe gezeichnet – und verkaufe sofort wieder
SpaceX gibt beim größten Börsengang der Geschichte nur 4 Prozent der Aktien aus – das treibt den Kurs am ersten Tag künstlich, während Sperrfrist-Freigaben monatelang Druck erzeugen.
- SpaceX gibt nur vier Prozent der Aktien beim IPO
- Zeichner nutzen oft die Eröffnungsrallye zum Verkauf
- Alle zwei bis drei Wochen kommen neue Aktienmengen
Ich habe SpaceX gezeichnet – und plane, die zugeteilten Aktien so schnell wie möglich wieder zu verkaufen. Das ist kein Widerspruch, sondern der einzig logische Umgang mit einem Börsengang, dessen Konstruktion Zeichner und Börsen-Käufer in völlig unterschiedliche Ausgangssituationen versetzt.
Nur 4 Prozent – der entscheidende Unterschied
SpaceX legt den Ausgabepreis auf 135 US-Dollar fest und möchte damit 75 Milliarden US-Dollar einsammeln. Es ist der größte Börsengang der Geschichte. Was dabei leicht übersehen wird: Das Unternehmen gibt beim IPO lediglich 4 Prozent seiner Aktien aus. Normalerweise sind es 20 Prozent – bei 10 Prozent spricht man bereits von Salamitaktik. SpaceX treibt das ins Extrem.
Das Ergebnis ist absehbar: Institutionelle Investoren erhalten weniger Aktien zugeteilt als sie zeichnen wollen und müssen die fehlenden Anteile über die Börse nachkaufen. Index-Zertifikate sind sofort kaufpflichtig, sobald SpaceX aufgenommen wird – die Indexregeln wurden eigens angepasst, um die sonst geltende Mindesthandelsdauer von sechs Monaten zu umgehen. Dazu kommen Kleinanleger, die Kauforders häufig unlimitiert aufgeben. Mangels Angebot treibt das den Kurs am ersten Tag bei geringen Handelsumsätzen nach oben – manche Marktteilnehmer rechnen mit einer Bewertung von bis zu 4 Billionen US-Dollar zur Eröffnung.
Wer zum Ausgabepreis von 135 US-Dollar zugeteilt wurde, kann diese Rallye nutzen. Ich habe deshalb gezeichnet. Ein Vorbehalt bleibt: Nicht selten dauert es mehrere Tage, bis neue Aktien im Ausland ins Depot gebucht und verkaufbar sind. Wo der Kurs dann steht, lässt sich nicht vorhersagen.
Haben Sie SpaceX gezeichnet – oder planen Sie, am ersten Handelstag über die Börse einzusteigen? Ich lese Ihre Einschätzung gerne. Kommentieren Sie gerne unten.
Was der IPO-Prospekt über die nächsten Monate verrät
Die eigentliche Gefahr liegt nicht im ersten Tag, sondern danach. Im IPO-Prospekt sind Sperrfristen hinterlegt, die früher als üblich große Stückzahlen freigeben. In den ersten sechs Monaten werden insgesamt 40 Prozent aller SpaceX-Aktien handelbar. Das bedeutet: Alle zwei bis drei Wochen kommen weitere Aktien im Wert von rund 75 Milliarden US-Dollar auf den Markt. Der größte Börsengang der Geschichte wiederholt sich in regelmäßigen Abständen.
Wer am ersten Handelstag über die Börse kauft, läuft dieser Welle hinterher. In meiner Heibel-Ticker-Ausgabe 2026/23 habe ich diesen Mechanismus ausführlich analysiert – und darauf ungewöhnlich viele Rückmeldungen erhalten.
Der strukturelle Druck auf KI-Aktien
SpaceX steht nicht allein. Anthropic hat seine IPO-Unterlagen bereits bei der US-Wertpapieraufsicht SEC eingereicht, noch vor dem Konkurrenten OpenAI. Beide werden auf Marktkapitalisierungen von jeweils knapp unter einer Billion US-Dollar geschätzt. Parallel dazu hat Alphabet in der vergangenen Woche die größte Aktienzweitplatzierung aller Zeiten abgeschlossen und 85 Milliarden US-Dollar eingesammelt – Berkshire Hathaway beteiligte sich mit 10 Milliarden.
Fondsmanager, die an diesen Transaktionen teilnehmen wollen, müssen Platz im Depot schaffen. Die naheliegendste Quelle: die bisherigen Highflyer – Nvidia, Palo Alto, KI-Infrastrukturwerte. Ich habe in meinem Portfolio bereits reagiert: Nvidia und Palo Alto auf Zielgrößen reduziert, Cash-Quote auf rund 19 Prozent erhöht. Nicht aus Angst, sondern um in turbulenten Phasen kaufen zu können statt verkaufen zu müssen.
Das Muster erinnert an die Internetrallye 2000. Sie endete nicht, weil Anleger den Glauben an das Internet verloren, sondern weil so viele Unternehmen an die Börse kamen, dass nicht mehr genug Kapital vorhanden war, sie alle zu kaufen.
Sehen Sie das ähnlich – oder rechnen Sie damit, dass der Markt die Angebotsschwemme problemlos absorbiert?

