Nur 23,50 Euro je Aktie
Kontron-Übernahme: Da geht noch mehr, glauben Analysten
Die Foxconn-Tochter Ennoconn hat die 30-Prozent-Schwelle bei Kontron überschritten und ist zur Abgabe eines Pflichtangebots verpflichtet. Der gebotene Preis liegt laut Analysten allerdings weit unter dem fairen Wert.
- Ennoconn überschreitet 30% und Pflichtangebot
- Gebot 23,50€ deutlich unter fairem Firmenwert
- Analysten sehen Wachstumsstory und Kooperation
- Report: Achtung, Korrektur!
Beim österreichischen Technologiekonzern Kontron hat Großaktionär Ennoconn die gesetzlich relevante Beteiligungsschwelle von 30 Prozent der Stimmrechte überschritten. Das zwingt das taiwanesische Unternehmen, allen übrigen Aktionären ein Barangebot zu unterbreiten. Der gebotene Preis beläuft sich auf 23,50 Euro je Aktie. Anleger, die dem Angebot folgen, erhalten damit gerade einmal 2,4 Prozent mehr als den Schlusskurs vom 9. Juni. Für die Analysten ist klar: Das Angebot spiegelt den Wert des Unternehmens bei weitem nicht wider.
Gleich drei Investmentbanken haben ihre Kaufempfehlung für Kontron nach der Meldung bekräftigt. Die Hamburger Analyseboutique mwb research sieht den fairen Wert bei 34 Euro und damit mehr als 50 Prozent über dem aktuellen Kurs von 22,40 Euro. Die DZ Bank veranschlagt den Wert je Aktie auf 31 Euro, Warburg Research auf 28,50 Euro. Allen Einschätzungen gemeinsam ist die Bewertung des Angebots als reines Pflichtangebot ohne echte Übernahmeprämie. Die DZ Bank bezeichnete das Angebot, das laut ihrer Rechnung lediglich einem Bewertungsniveau von etwa dem Siebenfachen des für 2027 erwarteten Betriebsergebnisses entspricht, als Lockvogelangebot.
Die DZ Bank erwartet, dass Ennoconn den Preis nachbessern muss, wenn der Konzern seine strategische Kontrolle bei Kontron weiter ausbauen will. Auch der Umstand, dass Vorstandschef Hannes Niederhauser angekündigt hat, seine rund 2,2 Prozent umfassende Beteiligung nicht einzureichen, wird von Analysten als Vertrauenssignal gewertet.
Als kurzfristig negativen Effekt gilt die bis zum Abschluss des Angebotsverfahrens ausgesetzte Aktienrückkaufprogramm. Kontron hatte im März 2026 ein neues Buyback-Programm gestartet, das nun bis auf weiteres pausiert. Das entzieht der Aktie einen regelmäßigen Käufer, könnte den Kurs im laufenden Verfahren aber auch annähernd bei der Angebotsschwelle stabilisieren.
Mittelfristig sehen die Analysten die Wachstumsstory intakt. Kontron profitiert vom Rüstungsboom sowie von steigenden Investitionen in Bahn- und Transportinfrastruktur. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen an einem Cybersecurity-Softwaregeschäft, das künftig auf Abonnementbasis vermarktet werden soll. Eine vertiefte Kooperation mit der Foxconn-Tochter Ennoconn soll den adressierbaren Markt ab der zweiten Jahreshälfte 2026 ausweiten. Konkrete Beiträge zum Umsatz werden allerdings erst ab 2028 erwartet.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
Die Kontron Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +1,72 % und einem Kurs von 23,62EUR auf Tradegate (11. Juni 2026, 12:39 Uhr) gehandelt.
