Zins-Hammer in Europa
Europäische Zentralbank greift durch: Jetzt rückt das Stagflationsrisiko näher!
Die Europäische Zentralbank erhöht erstmals seit Jahren wieder die Zinsen. Inflation, Energiepreise und schwaches Wachstum bringen Anleger in eine heikle Lage.
- EZB erhöht Leitzins erstmals seit fast drei Jahren
- Energiepreisschock erhöht Inflationsrisiko und Druck
- Anleger spüren Druck durch höhere Zinsen und Kosten
- Report: Achtung, Korrektur!
Die Europäische Zentralbank hat erstmals seit fast drei Jahren die Zinsen erhöht. Der Einlagensatz steigt von zwei Prozent auf 2,25 Prozent. Die Notenbank reagiert auf den zunehmenden Inflationsdruck durch den anhaltenden Krieg im Iran.
Ökonomen und Investoren hatten den Schritt erwartet. Die Märkte rechnen bereits mit einer weiteren Anhebung um 25 Basispunkte im September. Die Europäische Zentralbank machte aber klar, dass sie sich nicht vorab festlegen will.
In ihrer Erklärung verwies die Notenbank auf Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wachstum. Entscheidend sei, wie stark und wie lange der Energiepreisschock anhält. Auch indirekte Effekte und Zweitrundeneffekte bleiben im Fokus.
An den Märkten blieb die Reaktion zunächst ruhig. Europäische Anleihen hielten ihre Gewinne. Die Rendite zehnjähriger Papiere sank um drei Basispunkte auf 3,05 Prozent. Der Euro notierte gegenüber dem US-Dollar kaum verändert. Der paneuropäische Index EURO STOXX 600 legt gar zu.
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Die Zinserhöhung ist die erste geldpolitische Reaktion einer großen Zentralbank auf den Ölpreisschock durch den Nahostkonflikt. Die Europäische Zentralbank fürchtet, dass sich der Preisdruck über Energie hinaus ausbreitet und nicht allein durch ein mögliches Friedensabkommen eingedämmt wird.
Die neuen Prognosen zeigen diese Sorge. Die Verbraucherpreise dürften in diesem Jahr stärker steigen als bislang erwartet. Erst 2028 soll die Inflation wieder das Ziel von zwei Prozent erreichen. Zugleich schwächt sich das Wachstum ab. Höhere Preise und steigende Kreditkosten belasten die Kaufkraft.
Erinnerung an 2022 wirkt nach
Damals löste Russlands Angriff auf die Ukraine eine Rekordinflation aus. Der Europäischen Zentralbank wurde anschließend vorgeworfen, zu spät reagiert zu haben. Diesmal will sie offenbar früher gegensteuern.
Mark Wall, Chefökonom für Europa bei der Deutschen Bank, sieht in der Entscheidung einen wichtigen Moment. Die Europäische Zentralbank zeige, dass ein einfaches Durchschauen des Energiepreisschocks keine robuste Strategie sei. Er erwartet aber nur noch eine weitere Zinserhöhung im September.
Auch Thomas Altmann von QC Partners hält die Entscheidung für wenig überraschend. Der Markt habe sie bereits eingepreist. Die Notenbank zeige mit der Zinserhöhung, dass sie entschlossen gegen die aktuelle Inflationswelle vorgehen wolle.
Altmann sieht in den neuen Projektionen dennoch ein Warnsignal. Die Europäische Zentralbank senkt ihre Wachstumserwartungen für dieses und das kommende Jahr jeweils um 0,1 Prozentpunkte. Gleichzeitig hebt sie die Inflationserwartungen für beide Jahre zusammen um 0,7 Prozentpunkte an. Aus seiner Sicht rückt damit das Risiko einer Stagflation näher.
Für Anleger wird die Lage schwieriger. Die Zinserhöhung war erwartet worden. Entscheidend ist nun, ob im September der nächste Schritt folgt. Höhere Energiepreise, schwächeres Wachstum und steigende Finanzierungskosten bleiben ein gefährlicher Mix.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
