Kampf um Unternehmenskunden
KI-Boom unter Druck: OpenAI bereitet sich auf harten Wettbewerb vor
OpenAI prüft deutliche Preissenkungen für KI-Dienste. Hintergrund ist der wachsende Druck durch Anthropic und eine zunehmende Kostenskepsis bei Unternehmen.
- OpenAI überlegt Preissenkungen wegen Anthropic
- Unternehmen zweifeln am Nutzen und fürchten Kosten
- Preiskrieg könnte Geschäftsmodelle vor Börsstart testen
- Report: SpaceX-Hype zu teuer – Diese 5 Aktien bieten bessere Chancen
OpenAI prüft offenbar deutliche Preisnachlässe für seine KI-Dienste, wie das Wall Street Journal berichtet. Das Unternehmen reagiert damit auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck durch den Rivalen Anthropic und auf die wachsende Zurückhaltung vieler Unternehmenskunden bei den Ausgaben für Künstliche Intelligenz.
OpenAI denkt über niedrigere Preise nach
Nach Informationen aus mit den Überlegungen vertrauten Kreisen erwägt OpenAI erhebliche Senkungen bei den sogenannten Tokens. Diese bilden die zentrale Abrechnungseinheit vieler KI-Anwendungen. Hintergrund ist die Erwartung, dass auch Anthropic seine Preise reduzieren könnte.
Die Diskussionen befinden sich demnach noch in einem frühen Stadium. Dennoch zeigt die Debatte, wie intensiv der Wettbewerb zwischen den beiden führenden Anbietern inzwischen geworden ist.
Unternehmen hinterfragen ihre KI-Ausgaben
Viele Firmen haben zuletzt die hohen Kosten für KI-Anwendungen kritisiert. OpenAI-Chef Sam Altman räumte bei einer Veranstaltung ein, dass die Ausgaben mittlerweile "ein großes Problem" geworden seien.
Zugleich kündigte er an: "Ich glaube, wir werden viele Möglichkeiten haben, den Menschen dabei zu helfen, mehr für weniger Geld zu bekommen"
Deutliche Preisnachlässe könnten allerdings die Profitabilität der Branche weiter belasten. Sowohl OpenAI als auch Anthropic schreiben trotz stark steigender Umsätze weiterhin hohe Verluste. Ursache sind die enormen Rechenkosten, die für den Betrieb moderner KI-Systeme anfallen.
Anthropic setzt OpenAI unter Druck
Besonders im Geschäft mit Unternehmenskunden ist der Wettbewerb zuletzt schärfer geworden. Anthropic konnte stark von der Popularität seines Programmierwerkzeugs Claude Code profitieren. Das Produkt verbreitete sich rasant unter Softwareentwicklern und trug zu einem kräftigen Umsatzwachstum bei.
Die Entwicklung verschärfte den Druck auf OpenAI. Das Unternehmen hat deshalb sein eigenes Programmierwerkzeug Codex stärker in den Mittelpunkt gerückt.
Gleichzeitig mehren sich bei Kunden die Fragen nach dem tatsächlichen Nutzen der Investitionen. So erklärte ein Manager von Uber Anfang des Jahres, das Budget des Konzerns für autonome KI-Anwendungen bis 2026 sei bereits ausgeschöpft. Ein weiterer Unternehmensvertreter äußerte zuletzt Zweifel daran, ob sich Produktivitätsgewinne durch KI-gestützte Programmierung direkt in neue Kundenfunktionen übersetzen lassen.
Börsenpläne rücken näher
In der Technologiebranche wird inzwischen intensiv über den Trend des sogenannten "Tokenmaxxing" diskutiert. Gemeint ist die möglichst umfangreiche Nutzung von KI-Modellen, um Produktivität zu steigern – selbst dann, wenn der wirtschaftliche Nutzen nicht eindeutig nachweisbar ist.
Ein möglicher Preiskrieg könnte damit zu einem wichtigen Belastungstest für die Geschäftsmodelle von OpenAI und Anthropic werden. Investoren beobachten seit Langem das Risiko, dass Kunden vergleichsweise leicht zwischen den Anbietern wechseln können.
Die Frage gewinnt zusätzlich an Bedeutung, weil beide Unternehmen auf einen Börsengang zusteuern. OpenAI hat nach Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens bereits vertraulich Unterlagen für einen Börsengang eingereicht. Laut einem internen Slack-Beitrag stellte Altman einen Gang an die Börse "innerhalb des nächsten Jahres" in Aussicht.
Gleichzeitig betonte das Unternehmen in seiner Einreichung, dass es noch Vorhaben gebe, die sich als privates Unternehmen leichter umsetzen ließen. Weitere Details nannte OpenAI nicht.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

