Wasserverbrauch für KI
Wie durstig sind Rechenzentren wirklich? Amazon liefert neue Antworten
Amazon veröffentlicht erstmals detaillierte Daten zum Wasserverbrauch seiner Rechenzentren. Die Zahlen könnten die hitzige Debatte neu entfachen.
- Amazon veröffentlicht erstmals detaillierte Wasserzahlen
- AWS nennt 0,12 l pro kWh und besseren Vergleich
- Konflikte und Transparenzforderungen führen zu Prüfungen
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Amazon hat erstmals veröffentlicht, wie viel Wasser seine Rechenzentren weltweit verbrauchen. Nach Angaben des Konzerns wurden im vergangenen Jahr rund 2,5 Milliarden Gallonen Wasser genutzt. Das entspricht etwa 5 Prozent des jährlichen Wasserverbrauchs der Metropolregion Seattle.
Mit der Veröffentlichung will Amazon zeigen, dass seine Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) beim Kühlen von Serveranlagen effizienter arbeitet als viele Wettbewerber. Die Angaben kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der Ressourcenverbrauch von Rechenzentren zunehmend unter politischem und gesellschaftlichem Druck steht.
Streit um Wasser und Strom wächst
In mehreren Städten und Bundesstaaten der USA werden neue Rechenzentrumsprojekte inzwischen kritischer geprüft. Teilweise wurden Baustopps verhängt oder diskutiert, um die Auswirkungen auf Wasser- und Stromversorgung genauer zu untersuchen.
Umweltforscher und Bürgerinitiativen fordern seit Jahren mehr Transparenz. Iris Stewart-Frey, Professorin für Umweltwissenschaften an der Santa Clara University und Hauptautorin einer Studie zum Wasserverbrauch von Rechenzentren in Kalifornien, sagte laut Bloomberg: "Wir brauchen mehr Transparenz." Erst dann könnten Gemeinden beurteilen, welche Vor- und Nachteile solche Anlagen mit sich bringen. Die Auswirkungen seien "von Ort zu Ort sehr unterschiedlich".
Zuletzt wurden in den USA weitere Daten öffentlich. Nach einem langen Rechtsstreit veröffentlichte die Stadt The Dalles im Bundesstaat Oregon Informationen zum Wasserverbrauch von Google-Rechenzentren. Utah verabschiedete zudem ein Transparenzgesetz, das neue große Rechenzentrumsprojekte zur Offenlegung ihrer Wasserentnahmen verpflichtet.
Amazon weist Kritik zurück
Kerry Person, bei AWS für den Betrieb der Rechenzentren verantwortlich, hält viele Vorwürfe für überzogen. "Wenn man sich die aktuellen Medienberichte ansieht, könnte man meinen, die Rechenzentrumsbranche verbrauche das gesamte Wasser der Welt", sagte er in einem Interview. "Wenn man sich jedoch die Daten und die Details genauer ansieht, könnte nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein."
AWS nutzt zur Kühlung seiner Server überwiegend Außenluft. Erst bei Temperaturen von mehr als 85 Grad Fahrenheit (knapp 30 Grad Celsius) wird die Luft zusätzlich über wassergetränkte Filter geführt. In besonders trockenen Regionen wie der Gegend um Phoenix oder in Saudi-Arabien setzt Amazon nach eigenen Angaben auf geschlossene Kühlsysteme, die ohne externe Wasserquellen auskommen.
Effizienter als die Konkurrenz?
Amazon zufolge lag die Wassereffizienz seiner Rechenzentren zuletzt bei 0,12 Litern pro Kilowattstunde Strom. Im Vorjahr waren es noch 0,15 Liter gewesen. Zum Vergleich: Microsoft meldete zuletzt einen Wert von 0,27 Litern pro Kilowattstunde. Den Branchendurchschnitt beziffert AWS auf 0,84 Liter.
Allerdings weist Amazon selbst darauf hin, dass direkte Vergleiche schwierig sind. Der Konzern berücksichtigt in seinen Berechnungen sowohl verdunstetes Wasser als auch Wasser, das nach der Nutzung wieder in Abwasser- oder andere Systeme abgegeben wird. Viele Wettbewerber rechnen anders.
Ziel für 2030
Amazon verfolgt das Ziel, bis 2030 mehr Wasser an Umwelt und Gemeinden zurückzugeben, als das Unternehmen selbst entnimmt. Dafür finanziert der Konzern unter anderem Projekte zur Wiederherstellung von Wassereinzugsgebieten sowie die Modernisierung von Brunnen und Wassersystemen.
Bereits heute leitet Amazon aufbereitetes Wasser zu 26 eigenen Rechenzentren. Mehr als 100 weitere Projekte zur Wasserrückgewinnung befinden sich nach Unternehmensangaben in Arbeit.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

