Short-Seller haben Angst
SpaceX: Erfolg garantiert? Selbst Short-Seller schrecken vor der Aktie zurück!
Die hohe Bewertung von SpaceX ist zwar ein Angriffspunkt, trotzdem wagt sich wohl kaum ein Short-Seller gegen das Mega-IPO von Musk zu wetten. Viele haben sich an Tesla verbrannt und wollen den Fehler nicht wiederholen.
- SpaceX-Börsengang katapultiert Konzern in Top 10
- Hohe Bewertung schränkt Spielraum für Fehler ein
- Short-Seller scheuen Risiko nach Verlusten bei Tesla
- Report: Achtung, Korrektur!
Der Countdown läuft und heute ist es soweit: SpaceX startet an der Börse und wird nicht nur den größten Börsengang der Geschichte aufs Parkett legen, der von Elon Musk geführte Raumfahrtkonzern wird sich auch direkt in die höchste Liga der weltweit wertvollsten Unternehmen katapultieren.
75 Milliarden US-Dollar soll das IPO SpaceX in die Kasse spülen und bei einem Emissionspreis von 135 US-Dollar, liegt die erste Bewertung bei rund 1,75 Milliarden US-Dollar – Tendenz steigend. Damit würde SpaceX aus dem Stand an Tesla und Meta vorbeischießen und direkt in die Top 10 der weltweit größten börsennotierten Konzerne einziehen.
Von Platz 9 bis 6 ist alles möglich
Mit 1,751 und 1,77 Billionen US-Dollar liegen Saudi Aramco und Broadcom wohl noch hauchdünn vor SpaceX. Steigt die Aktie zum Börsenstart jedoch weiter, dann dürfte sie auch an den beiden Konzernen vorbeiziehen und auf Platz 7 der weltweit größten Konzerne landen. Sogar TSMC mit einer Bewertung von 2,12 Billionen US-Dollar könnte bei einem starken Börsendebüt überholt werden. Damit lägen dann "nur" noch Amazon (2,56 Billionen $), Microsoft (2,95 Billionen $), Apple (4,28 Billionen $), Alphabet (4,31 Billionen $) und Nvidia (4,85 Billionen $) vor dem Raumfahrtkonzern von Elon Musk.
IPO von "Hoffnungen und Träumen"
Die hohe Bewertung ist vielen Kritikern des Börsengangs ein Dorn im Auge. Jim Chanos, einer der bekanntesten amerikanischen Short-Seller, der durch seine Wetten gegen Enron berühmt wurde, bezeichnete den Börsengang von SpaceX als ein IPO, das von "Hoffnungen und Träumen" getrieben werde.
Auf der iConnections-Konferenz in New York stellte der Short-Seller die hohe Bewertung in Frage: "Meiner Meinung nach ist das Unternehmen auf Basis jeglicher vernünftiger Annahmen für die nächsten fünf Jahre keine 1,75 Billionen Dollar wert". Trotzdem ist SpaceX für ihn kein offensichtlicher Short-Kandidat.
"Wir können wirklich alle möglichen Geschichten erfinden: Mars-Kolonien, Fabriktunnel und Rechenzentren im Weltraum, um die Bewertung zu rechtfertigen. In Bullenmärkten zahlt man einen Aufschlag auf Versprechen, und in Bärenmärkten belegt man die Realität mit einem Abschlag', sagte er weiter.
Verbranntes Kind scheut das Feuer – Tesla-Aktie mahnt zur Vorsicht
Besonders heikel bei möglichen Wetten gegen SpaceX sind die Erfahrungen der Short-Seller mit der Tesla-Aktie. Wie S3 Partners berichtet, wurden bei Spekulationen gegen den bislang einzigen börsennotierten Konzern von Elon Musk auf dem Papier rund 27 Milliarden US-Dollar in den Sand gesetzt.
Eingerechnet sind dabei sowohl direktionale Wetten gegen die Tesla-Aktie als auch Index-Hedges zur Berücksichtigung der Aufnahme von Tesla in den S&P 500. In den letzten 10 Jahren hat der Tesla-Kurs um rund 2500 Prozent zugelegt. Daher trauen sich aktuell die wenigsten Short-Seller an das Papier von SpaceX ran, sie wollen einen ähnlichen Fehler wie bei Tesla vermeiden.
Investoren gespalten
An dem Börsengang von SpaceX scheiden sich die Geister der Anleger. Während einige vor der hohen Bewertung zurückschrecken, gehen andere davon aus, dass der Börsengang ein Selbstläufer wird. Wie Reuters zuletzt berichtete, soll das IPO mittlerweile 4-fach überzeichnet sein, was auf eine enorme Nachfrage hindeutet und zum anderen auch erklärt, warum die Short-Seller SpaceX aktuell lieber aus der Ferne beobachten.
Mein Tipp: Börsengang wird ein Erfolg
Es gibt sicherlich viele Argumente gegen die hohe Bewertung von SpaceX 2025. Ein simpler Vergleich mit Tesla macht das schon deutlich. Der Autobauer aus Kalifornien wird aktuell an der Börse in etwa mit einem Multiplikator von 14 gegenüber dem Umsatz bewertet. Bei SpaceX liegt der Multiplikator bei einem Börsenwert von 1,75 Billionen US-Dollar bei rund 90.
Aber wie schon die Aktie von Tesla gezeigt hat, sind Investoren gerne bereit solche Bewertungen auszublenden, wenn die Fantasie bei der Aktie stimmt. Wer SpaceX zeichnet oder im Anschluss an den Börsengang kauft, der wettet nicht auf die Bewertungskennziffern, er setzt auf die Visionen von Elon Musk, der auch nach dem Börsengang den Konzern kontrolliert.
SpaceX ist eines der faszinierendsten Unternehmen der Welt. Elon Musk hat mit ihm die Raumfahrt kommerzialisiert, Starlink zum erfolgreichsten Satelliten-Anbieter geformt und SpaceX in mehreren Zukunftsmärkten positioniert, die bis zur Vision von Rechenzentren im All reichen. Für Anleger ist das der Reiz, in die Aktie zu investieren, trotz aller Kritik.
Dass selbst die Short-Seller aktuell davor zurückschrecken, sich gegen die Aktie zu positionieren, ist ein weiterer Beweis dafür, dass der Börsengang ein Erfolg werden dürfte. Allerdings hat sich SpaceX noch nicht den Status einer Aktie zum Verlieben erarbeitet. Durch den Rekordbörsengang wird der Druck auf Elon Musk und seinen Konzern gewaltig.
Er muss die Fantasie bei den Anlegern weiter hoch halten, um die Zahlen in den Hintergrund zu drängen. Dass SpaceX 2025 einen Verlust von fast 5 Milliarden US-Dollar geschrieben hat, wird im Vorfeld gerne von den Anlegern verdrängt. Doch auch hier muss Musk beweisen, dass sich der Konzern weiterentwickelt.
Die Short-Seller mögen zwar aktuell die Füße stillhalten, aber sie scharren auch mit den Hufen den ersten Rückschlag auszunutzen. Daher sollten Anleger die Aktie von SpaceX nicht als Selbstläufer betrachten. Wenn die erste Euphorie um den Rekordbörsengang verflogen ist, könnte beim kleinsten Fehltritt von Elon Musk oder SpaceX die Aktie kräftig leiden.
Eins steht nämlich auch fest: Die hohe Bewertung lässt kaum Spielraum für Fehler und engt auf der anderen Seite auch ein, dass der Kurs nach dem Börsengang weiter explosiv in die Höhe springen könnte.
Markus Weingran, Chefredakteur wallstreetONLINE Börsenlounge
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