Neuer Prozessor
Nvidia startet neue Offensive in China – und greift Intel und AMD an
Nvidia wirbt in China bereits für seinen neuen Vera-Prozessor. Erste Kunden testen die Technik – und der Konzern hofft auf ein Milliardengeschäft.
- Nvidia bewirbt Vera in China erste Tests laufen
- Erste Kunden testen Vera in ausländischen Rechenzentren
- Vera könnte Nvidia Milliardenumsätze ermöglichen
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Nvidia treibt die Einführung seines neuen Vera-Prozessors in China voran. Wie mit den Gesprächen vertraute Personen gegenüber Reuters berichteten, hat Nvidia chinesischen Kunden mitgeteilt, dass die neue Zentraleinheit für KI-Rechenzentren bereits ab August verfügbar sein könnte. Demnach können Interessenten schon jetzt Bestellungen vorbereiten.
Der Schritt zeigt, wie schnell Nvidia auf neue Produkte setzt, um seine Position im wichtigen chinesischen Markt zu stärken. Dort leidet das Unternehmen seit Monaten unter stockenden Auslieferungen seines KI-Chips H200. Vorstandschef Jensen Huang hatte bereits im vergangenen Jahr erklärt, Nvidias Marktanteil in China sei durch US-Exportbeschränkungen und Chinas Bestrebungen zur technologischen Eigenständigkeit faktisch auf null gefallen.
Erste Kunden zeigen Interesse
Mehrere chinesische Kunden sollen bereits Interesse an Vera signalisiert haben. Dabei handelt es sich um den ersten eigenständigen Prozessor von Nvidia, der speziell für sogenannte agentische KI-Systeme entwickelt wurde. Diese Systeme können Aufgaben weitgehend autonom erledigen.
Laut einer der Quellen plant ein großer chinesischer Cloud-Anbieter die Bestellung von mehr als 300 Servern mit jeweils zwei Vera-Prozessoren. Die Systeme sollen zunächst getestet werden. Erst danach will das Unternehmen über größere Aufträge entscheiden.
Nvidia hatte Vera im März vorgestellt. Damals sagte Huang, er erwarte, dass sich die Plattform zum nächsten Milliardengeschäft des Konzerns entwickeln werde. Zugleich erklärte Nvidia, dass unter anderem Alibaba und ByteDance bei der Einführung der Technologie zusammenarbeiten. Ob bereits Bestellungen angenommen werden, hatte das Unternehmen damals nicht offengelegt.
Milliardenpotenzial im Wettbewerb mit Intel und AMD
Der Vera-Prozessor befindet sich inzwischen in der Serienproduktion. Nvidia gibt an, dass die neue Architektur bei bestimmten Anwendungen bis zu 1,8-mal schneller arbeitet als vergleichbare Konkurrenzprodukte.
Damit tritt das Unternehmen direkt gegen Intel und AMD an, die den Markt für Server-Prozessoren bislang dominieren. Die Konkurrenz verschärft sich zusätzlich durch die starke Nachfrage nach Rechenleistung für KI-Anwendungen. Laut Reuters hatte Intel chinesische Kunden bereits über Lieferzeiten von bis zu sechs Monaten informiert. AMD sprach zuletzt von einem angespannten Marktumfeld, in dem die Nachfrage die Erwartungen übersteigt.
Nach Schätzungen des Analysehauses SemiAnalysis kostet ein einzelner Vera-Prozessor deutlich mehr als 20.000 US-Dollar vor Mengenrabatten. Ein vollständig ausgestattetes Rack mit 256 Prozessoren kann demnach rund 10 Millionen US-Dollar kosten.
Nvidia rechnet bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres Ende Januar mit Erlösen von 20 Milliarden US-Dollar aus dem Verkauf der Vera-Produkte.
China-Testlauf zunächst im Ausland
Ob aus dem ersten Interesse tatsächlich größere Aufträge entstehen, bleibt offen. Branchenkenner verweisen auf mögliche Hürden bei Software-Kompatibilität und der Umstellung bestehender Systeme, die bislang auf heimischen KI-Chips basieren.
Hinzu kommt, dass chinesische Kunden die neuen Vera-Prozessoren zunächst ausschließlich in Rechenzentren außerhalb Chinas testen wollen. Allerdings könnten die Prozessoren für Nvidia einen entscheidenden Vorteil bieten: Im Gegensatz zu leistungsstarken Grafikprozessoren unterliegen CPUs deutlich weniger strengen US-Exportbeschränkungen.
Damit könnte Vera für Nvidia zu einem wichtigen Türöffner werden, um im chinesischen KI-Markt wieder Fuß zu fassen.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

