Es herrscht schon wieder Krise
SAP-Mitbewerber ServiceNow: Auch das sieht jetzt gar nicht gut aus ...
Die Anteile von ServiceNow konnten sich zuletzt zwar gut erholen, doch die Verluste der vergangenen Handelstage gefährden die jüngsten Fortschritte erheblich.
- ServiceNow Erholung durch jüngste Verluste gefährdet
- 100 US-Dollar als Schicksalslinie für Stabilität
- Teure Bewertung trotz attraktivem PEG und Chance
- Report: Achtung, Korrektur!
Software-Aktien: Hier scheint die Luft schon wieder raus ...
Die zwischenzeitlich hochdynamische Erholung bei Software- und Clouddienstleistern hat in den vergangenen Tagen nach empfindlichen Verlusten der Aktien einen erheblichen Dämpfer erlitten.
Nicht nur für das DAX-Schwergewicht SAP hat sich die Ausgangslage damit aus charttechnischer Perspektive wieder erheblich eingetrübt, auch die bei Anlegerinnen und Anlegern hochgehandelte ServiceNow-Aktie befindet sich erneut in Gefahr – trotz Rückendeckung von Nvidia-CEO Jensen Huang, welcher noch in der vergangenen Woche von gewaltigen Chancen für die Software-Branche durch Künstliche Intelligenz gesprochen hatte.
Nach SAP jetzt auch ServiceNow unter Druck
Zwar konnte die Aktie gegenüber ihren Mehrjahrestiefs zuletzt zwischenzeitlich über 70 Prozent zulegen, doch nach einem Zwischenhoch bei 140 US-Dollar belaufen sich die Verluste schon wieder auf knapp ein Viertel. Damit steht seit dem Jahreswechsel eine enttäuschende Bilanz von -32,7 Prozent zu Buche. Gelingt hier nicht rasch ein erneuter Konter, könnte der zuletzt mühsam gebildete Boden in Gefahr geraten und die Aktie vor weiteren Verlusten stehen:
Tiefster Stand seit mehr als drei Jahren
Schon seit rund eineinhalb Jahren befindet sich die ServiceNow-Aktie jetzt in einem übergeordneten Abwärtstrend. Zwar wächst der Spezialist für Workflow-Automatisierung rasch, doch die Unternehmensbewertung war der Geschäftsentwicklung zeitweise weit vorausgeilt. Das rächt sich jetzt angesichts wachsender Disruptionssorgen umso mehr.
Handelte das Papier lange in unmittelbarer Nähe zu ihren Durchschnittslinien sorgte ein Gap Down im vergangenen Herbst für eine Beschleunigung des Abwärtstrends mit wachsendem Abstand zur 50- und 200-Tage-Linie. Das Ergebnis war Ende März der tiefste Stand seit 3 Jahren. Solche Mehrjahrestiefs bedeuten in der technischen Analyse starke Verkaufssignale.
Zwischenerholung droht zu verpuffen
Weitere Verluste blieben jedoch aus, nachdem es insbesondere im Trendstärkeindikator MACD zu bullishen Divergenzen gekommen war. Dieser befindet sich bereits seit Ende Januar in einem Aufwärtstrend, was eine Erholung der Aktie grundsätzlich begünstigt. Zuletzt gelang ihm dabei der Vorzeichenwechsel, was einen neuen Aufwärtstrend anzeigte. Das ist auch aktuell noch der Fall, doch die Verlustserie der vergangenen Tage hat zu einem Unterschreiten der (roten) Signallinie geführt, was den Verlust von Momentum anzeigt – ein erstes Warnsignal.
Für das zweite Warnsignal sorgt der Relative-Stärke-Index (RSI), der seinen die Erholung der Aktie begleitenden Aufwärtstrend vorerst aufgegeben hat. Außerdem ist er unter den neutralen Wert von 50 Punkten gefallen und zeigt damit wieder Schwäche an.
100 US-Dollar werden zur Schicksalslinie
Das Timing hierfür könnte nicht schlechter sein, denn die Aktie nimmt inzwischen Kurs auf 100 US-Dollar, wo auch die 50-Tage-Linie verläuft. Sollte diese unterschritten werden, brächte das sämtliche in den vergangenen Wochen erzielten Fortschritte in Gefahr, da dann nur noch eine bislang nicht erneut getestete Aufwärtstrendlinie noch als Unterstützung zur Verfügung stünde.
Werden 100 US-Dollar hingegen erfolgreich getestet, was der Fall sein dürfte, solange der MACD nicht erneut sein Vorzeichen wechselt, dürfte das für Sicherheit unter Investorinnen und Investoren sorgen, sodass zeitnah ein Anstieg bis zurück auf 125 US-Dollar bevorstehen dürfte. Das bietet ein Potenzial von immerhin rund 25 Prozent. Für eine dauerhafte Trendwende gilt es jedoch, die 200-Tage-Linie zu überwinden so den Bereich zwischen 150 und 160 US-Dollar.
Fazit: Korrektur könnte Einstiegschance liefern
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung ist ServiceNow aktuell nichts Ganzes und nichts Halbes. Das KGVe für 2026 liegt mit 25 zwar deutlich unter dem historischen Mittelwert von 62, ist aber noch immer deutlich teurer als andere Software- und Clouddienstleistungsunternehmen wie Adobe und Salesforce, die inzwischen im niedrigen zweistelligen Bereich liegen. Auch SAP ist mit einem KGVe 2026 von 20 günstiger bewertet als ServiceNow, wenngleich die Wachstumsdynamik hier derzeit deutlich geringer ist.
Wo ServiceNow überzeugen kann, ist das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG). Das liegt mit 1,03 knapp über dem Wert von 1, der in der Fundamentalanalyse als günstig gilt. Auch beim Kurs-Cashflow-Verhältnis schneidet ServiceNow besser ab als der Rest der Branche – das könnte den Ausschlag zugunsten einer weiteren Erholung liefern. Bestätigt die Aktie die Unterstützung bei 100 US-Dollar, böte das für Anlegerinnen und Anleger eine Einstiegschance.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


