Der 60-Mrd.-Dollar-Albtraum
Bayer-Aktie vor dem Endspiel: 50 Euro oder Absturz auf 30 Euro?
Seit der Monsanto-Übernahme hat Bayer mehr als 60 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren. Nun könnten zwei Urteile darüber entscheiden, ob die Aktie Richtung 50 Euro steigt – oder auf 30 Euro fällt.
- Bayer hat seit Übernahme 60 Mrd Börsenwert verloren
- Zwei US-Urteile könnten Aktie auf 50 oder 30 lenken
- Über 65.000 Roundup-Klagen und Milliarden Vergleiche
- Report: Achtung, Korrektur!
Die Bayer-Aktie steht vor entscheidenden Wochen. Zwei anstehende Gerichtsentscheidungen in den USA könnten darüber bestimmen, ob der Konzern die milliardenschweren Altlasten aus der Monsanto-Übernahme endlich hinter sich lassen kann – oder ob die Rechtsrisiken das Unternehmen noch viele Jahre begleiten werden.
Im Mittelpunkt steht zunächst ein Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof der USA. Bayer versucht dort, eine zentrale Argumentationslinie in den Roundup-Klagen zu stoppen. Das Unternehmen argumentiert, dass Bundesrecht Klagen ausschließen müsse, die eine zusätzliche Krebswarnung für das glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel verlangen, nachdem US-Behörden eine solche Kennzeichnung nie vorgeschrieben hatten. Eine Entscheidung wird bis Anfang Juli erwartet.
Parallel dazu steht eine Anhörung zu einem Vergleichsvorschlag über 7,25 Milliarden US-Dollar an. Damit sollen aktuelle und künftige Roundup-Klagen beigelegt werden. Auch dieses Verfahren gilt als wichtiger Meilenstein für Investoren, die auf ein Ende der jahrelangen Rechtsunsicherheit hoffen.
Seit der 63 Milliarden US-Dollar schweren Monsanto-Übernahme hat Bayer mehr als 60 Milliarden US-Dollar an Börsenwert verloren. Zudem wurden bereits über 11 Milliarden US-Dollar für Roundup-Vergleiche gezahlt. Dennoch sind nach Unternehmensangaben noch mehr als 65.000 Klagen anhängig, in denen Glyphosat mit Non-Hodgkin-Lymphomen in Verbindung gebracht wird.
Entsprechend groß sind die Erwartungen an die bevorstehenden Entscheidungen. Jefferies-Analyst Michael Leuchten hält im Erfolgsfall einen Anstieg der Aktie auf 50 Euro für möglich. Sollten die juristischen Bemühungen dagegen scheitern und weitere milliardenschwere Rückstellungen notwendig werden, könnte der Kurs seiner Einschätzung zufolge auf 30 Euro fallen. Zum Vergleich: Am Donnerstag schloss die Aktie bei 35,79 Euro.
"Der Rechtsstreit überschattet alles", sagte Markus Manns, Portfoliomanager bei Union Investment, gegenüber Bloomberg. "Erst wenn Klarheit über den Rechtsstreit herrscht, kann das Unternehmen einen verlässlichen Finanzplan hinsichtlich Gewinnwachstum, Schuldenabbau und anderer Prioritäten entwickeln."
Trotz der Unsicherheit zeigen sich viele Analysten bullish. Laut Bloomberg empfehlen 16 von 21 beobachteten Analysten die Aktie zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel signalisiert ein Aufwärtspotenzial von mehr als 40 Prozent. Auch Barclays sieht Chancen auf erhebliche Fortschritte bei der Lösung der Rechtsstreitigkeiten. Gleichzeitig warnen Experten, dass selbst positive Urteile nicht sämtliche Risiken beseitigen würden. Neben den Roundup-Verfahren sieht sich Bayer weiterhin Klagen im Zusammenhang mit PCB-Chemikalien gegenüber, für die bereits Vergleichszahlungen in Milliardenhöhe vereinbart wurden.
Für Anleger dürfte damit feststehen: Kaum ein anderer DAX-Konzern hängt derzeit so stark an zwei Gerichtsterminen wie Bayer.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

