Teurer Öl-Schock
US-Inflation zurück mit Wucht: Jetzt wächst die Angst vor dem Zins-Hammer
Die US-Inflation meldet sich mit Wucht zurück. Energiepreise, Nahostrisiken und ein robuster Arbeitsmarkt setzen die Federal Reserve unter Druck. Für Anleger könnte das unangenehm werden.
- US-Inflation kehrt zurück, Energie treibt Preise
- Erzeugerpreise im Mai deutlich stärker als erwartet
- Robuster Arbeitsmarkt stützt Inflation und Fed-Entscheid
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Der Inflationsdruck in den USA nimmt wieder zu. Die Erzeugerpreise stiegen im Mai deutlich stärker als erwartet. Vor allem höhere Energiekosten und die Spannungen im Nahen Osten trieben die Preise.
Nach Angaben des Arbeitsministeriums legte der Erzeugerpreisindex für die Endnachfrage im Mai um 1,1 Prozent zu. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit 0,7 Prozent gerechnet. Auf Jahressicht stieg der Index um 6,5 Prozent. Das war der stärkste Anstieg seit November 2022.
Besonders stark verteuerten sich Energieprodukte. Die Preise stiegen um 10,7 Prozent. Benzin kostete 23,4 Prozent mehr. Auch Diesel, Kerosin, Industriechemikalien und Kunststoffmaterialien wurden teurer. Der Konflikt im Nahen Osten belastet zudem weiter die Lieferketten. Einschränkungen in der Straße von Hormus verschärfen die Lage.
Die Warenpreise legten insgesamt um 2,8 Prozent zu. Fast 80 Prozent des Anstiegs beim Erzeugerpreisindex entfielen auf diesen Bereich. Ohne Energie und Lebensmittel stiegen die Warenpreise um 0,8 Prozent. Das war der kräftigste Zuwachs seit April 2022.
Daten setzen Fed unter Druck
Die US-amerikanische Notenbank orientiert sich zwar vor allem am Preisindex für private Konsumausgaben. Der Erzeugerpreisindex fließt aber in die Schätzungen dieser wichtigen Inflationskennziffer ein. Ökonomen hoben ihre Prognosen für Mai entsprechend an.
John Ryding von Brean Capital sieht die Fed vor allem beim Inflationsziel im Rückstand. Der Bericht dürfte aus seiner Sicht jene Mitglieder im Offenmarktausschuss stärken, die später im Jahr eine Zinserhöhung für nötig halten könnten.
Gleichzeitig bleibt der Arbeitsmarkt robust. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen in der Woche bis zum 6. Juni zwar um 4.000 auf 229.000. Dennoch hatte die US-Wirtschaft im Mai den dritten Monat in Folge starke Beschäftigungszuwächse verzeichnet.
Viele Ökonomen erwarten deshalb, dass die Fed ihren Leitzins in der kommenden Woche zunächst in der Spanne von 3,50 Prozent bis 3,75 Prozent belässt. Ben Ayers von Nationwide rechnet damit, dass die Notenbank wegen hoher Inflation und solidem Jobwachstum bis 2027 vorsichtig bleibt. Eine Zinserhöhung im Jahr 2026 hält er weiter für wenig wahrscheinlich.
An den Märkten sorgten auch Aussagen von US-Präsident Donald Trump für Bewegung. Trump hatte zunächst harte Maßnahmen gegen den Iran angekündigt, später aber auf Verhandlungen mit Teheran verwiesen. Die großen US-Indizes an der Wall Street legten zu.
Auch Experten großer Investmenthäuser warnen vor mehr Unsicherheit. Arif Husain von T. Rowe Price sieht unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh das Risiko höherer Marktvolatilität. Eine kleinere Fed-Bilanz, weniger Forward Guidance und ein möglicher Abschied vom Dot Plot könnten die Erwartungen der Anleger stärker schwanken lassen.
Daleep Singh von PGIM sieht ebenfalls Aufwärtsrisiken für die Inflation. Solides Wachstum, ein stabiler Arbeitsmarkt und hohe Preise sprächen für eine restriktivere Geldpolitik.
Für Anleger bleibt die Lage angespannt
Die Hoffnung auf sinkenden Inflationsdruck hat einen Dämpfer erhalten. Energiepreise, Nahostrisiken und ein robuster Arbeitsmarkt machen schnelle Zinssenkungen unwahrscheinlicher.
Autorin: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion

