VW, Renault, Stellantis
China-Schock: Europas Auto-Giganten rebellieren gegen Brüssel
VW, Renault und Stellantis drängen Brüssel zu lockereren E-Auto-Regeln, um im Preiskampf mit China bestehen zu können.
- VW Renault und Stellantis drängen auf lockerere Regeln
- 70 Prozent Lokalanteil bei 70 Prozent der EU Autos
- Breitere Subventionen und Batterie-Lokalisierung 2030
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Die europäischen Automobilhersteller Renault, Stellantis und Volkswagen drängen Brüssel, die geplanten Anforderungen an die lokale Fertigung zu lockern, damit sie mit erschwinglichen chinesischen Elektrofahrzeugen konkurrieren können, berichtete die Londoner Financial Times (FT) am Freitag. Nach den geltenden EU-Vorschriften sind nur Firmenfahrzeuge und kleine Elektrofahrzeuge, die innerhalb der EU montiert werden, für öffentliche Aufträge und Subventionen qualifiziert. In einem Schreiben vom Freitag an die europäischen Parlamentarier und politischen Entscheidungsträger schlugen die Unternehmen vor, dass 70 Prozent der in der EU verkauften Fahrzeuge einen lokalen Wertschöpfungsanteil von 70 Prozent aufweisen müssen, während die verbleibenden 30 Prozent außerhalb der EU gefertigt werden dürfen.
Renault hat sich Volkswagen und Stellantis angeschlossen. Die drei Hersteller werben bei EU-Parlamentariern und politischen Entscheidern für ein vereinfachtes Made-in-Europe-Modell. Zusammen stehen sie laut FT für mehr als 60 Prozent der EU-Autoproduktion.
Die Konzerne wollen die EU-Regeln nicht komplett verhindern, sondern praxistauglicher machen. Sie argumentieren, Europa müsse eigene Produktion und Entwicklung fördern, dürfe sich aber nicht so stark abschotten, dass Kosten weiter steigen und günstige chinesische Elektroautos noch attraktiver werden. Laut FT wollen Renault, Stellantis und VW außerdem, dass Subventionen nicht nur für kleine Elektroautos, sondern breiter für in Europa gefertigte E-Autos gelten. Bei Batteriezellen fordern sie offenbar mehr Zeit: 2030 statt 2028 für eine stärkere Lokalisierung.
Der Hintergrund ist der Industrial Accelerator Act, den die EU-Kommission am 4. März 2026 veröffentlicht hat. Die Kommission will damit lokale Produktion, Dekarbonisierung und strategische Unabhängigkeit in Schlüsselsektoren fördern. Der Vorschlag muss aber noch von EU-Parlament und Mitgliedstaaten verhandelt werden, Änderungen sind also wahrscheinlich.
Nach derzeitiger Lesart der geplanten Regeln müssten Fahrzeuge, die unter einschlägige öffentliche Beschaffung oder staatliche Förderprogramme fallen, in der EU montiert werden. Zudem müssten mindestens 70 Prozent des Komponentenwerts ohne Batterie aus der EU stammen; bei der Traktionsbatterie sollen zusätzliche Herkunftsanforderungen gelten, etwa EU-Ursprung für zentrale Komponenten und Batteriezellfertigung in der EU.
Für Europas Autoindustrie ist das heikel. Einerseits schützen solche Regeln Werke, Zulieferer und Know-how in Europa. Andererseits sind E-Auto-Lieferketten stark globalisiert, vor allem bei Batterien, Elektronik und Rohstoffen. Reuters berichtete im März, dass die Kommission zwar China explizit nicht als bevorzugten Partner sieht, aber über sogenannte vertrauenswürdige Partner wie Großbritannien, Kanada oder die USA diskutiert wird. Genau daran entzündet sich der Streit: Frankreich tendiert zu engeren EU-Regeln, Deutschland eher zu einer breiteren Einbindung wichtiger Handelspartner wie Großbritannien.
Auch die Zulieferer sind nicht einheitlich, aber der europäische Verband CLEPA sieht den Vorschlag grundsätzlich positiv. CLEPA verweist auf eine dreistufige Definition eines europäischen Fahrzeugs: Montage in der EU, sofortige 70-Prozent-Schwelle für lokale Wertschöpfung und nach drei Jahren eine zusätzliche 50-Prozent-Schwelle für kritische Komponenten. Zugleich warnt der Verband, die Auswahl vertrauenswürdiger Handelspartner müsse sorgfältig erfolgen, damit die Regeln nicht umgangen werden.
Gegenwind kommt von Herstellern mit wichtigen Lieferketten außerhalb der EU. Toyota und Jaguar Land Rover warnen laut FT, die Made-in-Europe-Regeln könnten Investitionen, Jobs und Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Besonders betroffen wären Produktions- und Zulieferstandorte in Ländern wie Großbritannien, der Türkei oder Marokko, wenn sie nicht als gleichwertig anerkannt werden.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion

