Die Angst, betrogen zu werden
Haben Anleger überhaupt echte SpaceX-Aktien gekauft?
Der größte Börsengang der Geschichte könnte einen milliardenschweren Schattenmarkt entlarven. Erst nach Ablauf wichtiger Sperrfristen zeigt sich, was manche Anleger tatsächlich besitzen.
- SpaceX IPO könnte Schattenmarkt für Anteile offenlegen
- SPVs und Zwischenebenen verbergen Anlegerrechte
- Nach Sperrfristen zeigt sich die wahre Beteiligungslage
- Report: SpaceX-Hype zu teuer – Diese 5 Aktien bieten bessere Chancen
Der Börsengang von SpaceX wird nicht nur zum größten IPO der Geschichte, sondern könnte auch eine wenig bekannte Schattenwelt des Finanzmarkts schonungslos offenlegen. Während das von Elon Musk geführte Unternehmen mit einer Bewertung von rund 1,8 Billionen US-Dollar an die Börse geht und dabei rund 75 Milliarden US-Dollar einsammelt, richten sich die Blicke vieler Investoren auf einen Markt, auf dem seit Jahren Anteile an begehrten Privatunternehmen gehandelt werden – oft fernab jeder Transparenz.
Besonders nervös dürften jene vermögenden Privatanleger sein, die sich in den vergangenen Jahren über sogenannte Sekundärmärkte Zugang zu SpaceX verschafft haben. Anders als an regulären Börsen werden dort Beteiligungen über private Verträge und komplexe Beteiligungsstrukturen gehandelt. Viele Investoren kauften dabei nicht direkt SpaceX-Aktien, sondern Anteile an zwischengeschalteten Beteiligungsvehikeln, sogenannten SPVs, die wiederum SpaceX-Aktien halten sollen.
Genau darin liegt das Risiko. Je mehr Zwischenebenen zwischen Anleger und Unternehmen liegen, desto schwieriger wird nachzuvollziehen, welche Rechte tatsächlich erworben wurden. Die eigentliche Bewährungsprobe für den milliardenschweren Schattenmarkt kommt erst nach dem Börsendebüt. Fortune zufolge wird sich erst nach Ablauf der Insider-Sperrfristen und den ersten Verkäufen zeigen, ob die über Jahre gehandelten Beteiligungen tatsächlich die versprochenen Rechte verbriefen.
Der Markt für solche Transaktionen ist inzwischen gewaltig. Schätzungen zufolge wurden auf dem US-Sekundärmarkt für Venture-Capital-Beteiligungen zuletzt Vermögenswerte im Wert von 62 bis 121 Milliarden US-Dollar gehandelt. Getrieben wurde der Boom vor allem dadurch, dass Unternehmen wie SpaceX, OpenAI oder Anthropic deutlich länger privat bleiben als früher und Investoren deshalb nach alternativen Wegen suchen, sich frühzeitig an den begehrten Firmen zu beteiligen.
Branchenkenner warnen seit Jahren vor Missbrauch, überhöhten Gebühren und teilweise sogar vor Betrugsfällen. So wurden in der Vergangenheit bereits Fälle bekannt, in denen Anleger vermeintliche Beteiligungen an begehrten Start-ups erwarben, ohne tatsächlich die erwarteten Ansprüche zu erhalten.
Der Anduril-Mitgründer Matt Grimm brachte die Risiken bereits vor Monaten drastisch auf den Punkt: "Wie viele Menschen glauben, dass sie sich an SpaceX beteiligt haben, finanzieren aber in Wirklichkeit nur die Kokainsucht eines Typen in Miami? Die Zahl ist nicht null." Er ergänzte: "In einigen Fällen werden sie buchstäblich betrogen."
Mit dem Börsengang von SpaceX beginnt nun die Stunde der Wahrheit für diesen Milliardenmarkt. Investoren werden in den kommenden Monaten überprüfen können, ob die versprochenen Beteiligungen tatsächlich existieren und welche Ansprüche hinter den oft verschachtelten Konstruktionen stehen. Der größte Börsengang aller Zeiten könnte damit weit mehr offenlegen als nur die Nachfrage nach einer Aktie – er könnte zeigen, wie belastbar der boomende Markt für private Beteiligungen wirklich ist.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
Die SpaceX Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +9,26 % und einem Kurs von 180EUR auf Lang & Schwarz (11. Juni 2026, 23:00 Uhr) gehandelt.

